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Bistum Erfurt

Elisabeth im Lutherland

Im evangelischen Schmalkalden feiern die Katholiken am 15. September ihre Elisabeth

Von Matthias Holluba
Schmalkalden. Die thüringische Stadt Schmalkalden wird vor allem mit der Reformation in Verbindung gebracht. Im Elisabeth-Jahr finden sich in der Stadt aber auch Spuren der Thüringer Landgräfin.

Schloß Wilhelmsburg "Und wiewohl die Engel im Himmel für uns bitten ... also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so folgt daraus nicht, dass wir die Engel und Heiligen anrufen, anbeten, ihnen fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altäre, Gottesdienst stiften und auf andere Weise mehr dienen ... sollten, wie die Papisten lehren und tun. Denn ... solche Ehre gehört Gott allein zu." Die Schrift, aus der diese Sätze stammen, haben Schmalkalden im Thüringer Wald seinen Platz in der Weltgeschichte gesichert. Sie stehen in den "Schmalkaldischen Arikeln", die nach der Confessio Augustana die zweitwichtigste lutherische Bekenntnisschrift sind. Verfasst hat sie Martin Luther 1536 in Wittenberg. Auf der Tagung des Schmalkaldischen Bundes, dem Zusammenschluss der protestantischen Fürsten und Städte, 1537 in Schmalkalden sollten sie beraten werden, um sie dem Papst auf dem von ihm nach Mantua einberufenen Konzil zu übergeben. Luther selbst war dazu nach Schmalkalden gekommen.

Bis heute hält die 18 000 Einwohner zählende Stadt diesen Teil ihrer Geschichte hoch. "Als kleine katholische Gemeinde in dieser Umgebung auf sich aufmerksam zu machen, ist nicht einfach", sagt Pfarrer Luder Dräger. Er ist der Seelsorger von 1200 Katholiken, die verstreut in Schmalkalden und Umgebung leben. Jetzt aber sorgt die Gemeinde, die 1890 gegründet wurde, für Schlagzeilen. Die Lokalzeitung schrieb kürzlich: "Katholiken mal ganz groß im protestantischen Revier". Günter Behringer: Abschied in Schmalkalden Hintergrund ist die Elisabeth-wallfahrt des Bistums Erfurt am 15. / 16. September anlässlich des Gedenkjahres zum 800. Geburtstag der Bistumspatronin. An fünf Orten, an denen Elisabeth gelebt hat, werden zur Eröffnung Burgengottesdienste stattfinden, einer in Schmalkalden. Hier soll sich Elisabeth von ihrem Mann verabschiedet haben, als dieser 1227 in den Kreuzzug ritt. "Wir werden in aller Öffentlichkeit einen großen katholischen Gottesdienst feiern, wie es ihn seit der Reformation nicht mehr gegeben hat", sagt Pfarrer Dräger. Erwartet werden 1000 katholische Wallfahrer aus Thüringen und Franken. Den Gottesdienst wird der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann leiten. Auch kirchenmusikalisch wird er besonders sein: Das Kammerorchester Bayreuth und der Singkreis St. Johannes, Brendlorzenzen gestalten ihn mit der Missa G-Dur von Franz Schubert. Der Elisabethkreis Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen. In der Gemeinde hat sich ein Elisabethkreis gegründet, der die Organisation in der Hand hat und an tausend kleine Dinge denken muss. Zum Beispiel: Stühle fürs Orchester und Müllentsorgung, gelbe Basecaps für die Ordner und eine fahrbare Kirchenorgel, die aus Franken geholt wird. "Eigentlich sind wir für ein solches Unternehmen viel zu wenige", gesteht der Pfarrer. Trotzdem rührt er unermüdlich die Werbetrommel, vor allem im angrenzenden Franken. "Aber da ist unsere Wallfahrt eine unter vielen." Und mit Burgengottesdiensten auf der Neuenburg und der Wartburg zur selben Zeit (siehe unten), ist die Konkurrenz groß. Doch wer nach Schmalkaledn kommt, wird das nicht bereuen. Davon sind die Mitglieder des Elisabethkreises überzeugt. Die Stadt hat auch touristisch einiges zu bieten: Das gilt nicht nur für die seit den 1980er Jahren restaurierte Altstadt mit ihren Fachwerkbauten oder Schloss Wilhelmsburg. Inzwischen entdecken die Schmalkandener, dass sie eine Geschichte vor der Reformation habe, zu der auch Elisabeth gehört. "Schmalkalden versucht, etwas von dem Besucherstrom, den die Wartburg anzieht, abzubekommen", sagt Pfarrer Dräger. Wichtigste Sehenswürdigkeit in diesem Zusammenhang: der Hessenhof. Er war Sitz der Vögte der Thüringer Landgrafen. Und hier soll die Verabschiedung stattgefunden haben. Im Keller sind Original-Wandmalereien aus der Zeit Elisabeth erhalten, die als Nachbildung auf Schloss Wilhelmsburg zu sehen sind. Übrigens: So schroff die Sätze über Heilige in den "Schmalkaldischen Artikeln" auch klingen, dass Heilige und besonders Elisabeth für Protestanten Vorbilder sind, hat Luther nicht bestritten. Und so entdecken auch die evangelischen Christen in diesem Jahr Elisabeth. In Schmalkalden wird es am Reformatoinstag (31. Oktober) einen Festgottesdienst geben, bei dem einen Bilanz zum Elisabethjahr in der evangelsichen Kirche gezogen werden soll.

Hinweis: Höhepunkt des Elisabeth-Jahres des Bistums Erfurt ist die Wallfahrt am 15. und 16. September. Am 15. September (14 Uhr, Vorprogramm ab 13 Uhr) finden in Schmalkalden und an anderen Orten (siehe unten) Burgengottesdienste statt. Am Abend gibt es in Erfurt eine Lichterprozession und eine Nacht der Lichter. Der Wallfahrtsgottesdienst am Sonntag mit Kardinal Walter Kasper aus Rom auf dem Erfurter Domplatz beginnt um 9.30 Uhr. Anschließend gibt es ein Programm rund um den Domberg. Info: www.bistum-erfurt.de/elisabeth

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 24.08.2007

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