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Bistum Erfurt

Die eigenen Bilder hinterfragen

Eine Ausstellung in der "Galerie in der Burg" Großbodungen zum Elisabeth-Jahr

Freut sich auf interessierte Besucher: Die engagierte katholische Christin Gerlinde Gräfin von Westphalen betreibt in Großbodungen die Galerie in der Burg, die seit 2005 in der alten Kemenate beheimatet ist. Fotos: Holger Jakobi Großbodungen - Die Galerie in der Burg in Großbodungen beteiligt sich mit einem dezentralen Projekt an der Dritten Thüringer Landesausstellung. In den Blick genommen wurde die Frage, wie Zeit und herrschendes Denken das Bild der heiligen Elisabeth bestimmten.

Eine barocke Dame in fortgeschrittenem Alter als heilige Elisabeth dargestellt? Gerlinde Gräfin von Westphalen, die zusammen mit ihrem Mann Raban die Ausstellung konzipierte, berichtet, dass Darstellungen dieser Art im 18. und 19. Jahrhundert durchaus üblich waren. Der Adel versuchte, sein soziales Engagement so mit dem Vorbild Elisabeth auf eine Stufe zu stellen. Zugleich sollte darauf hingewiesen werden, dass die Fürsorge der Obrigkeit den Not leidenden Menschen genügen müsse. Soziale Veränderungen wurden -auch unter Berufung auf Elisabeth -abgelehnt.

Keine Deutungen und Verallgemeinerungen

Zu sehen ist die Ausstellung "Erst im Gedächtnis formt sich die Wirklichkeit" (Marcel Proust) bis zum 3. Oktober in der Galerie in der Burg / Alte Kemenate in Großbodungen (Landkreis Eichsfeld). Gerlinde von Westphalen erklärt: "Wir versuchen darzustellen, wie sich der Bedeutungsgehalt dieses Sinnbildes christlicher Lebensführung im Laufe der Geschichte bis hin zur Gegenwart verändert hat. Diese Frage verfolgen wir anhand der bildnerischen Darstellung der Heiligen." Für Raban und Gerlinde von Westphalen verband sich damit der Anspruch, sich nicht irgendwo in nebulösen Deutungen und Verallgemeinerungen für die heutige Zeit zu verlieren. Vielmehr suchten sie nach den tieferen Gründen für den Bedeutungsgewinn Elisabeths in den zurückliegenden acht Jahrhunderten. Dabei werden die Geschichtsbilder, die jeder Einzelne oder jede Gruppe in Vergangenenheit und Gegenwart von Elisabeth hat, ebenso in Frage gestellt wie die vielfältigen Gründe und machtpolitischen Interessen, die hinter den Geschichtsbildern stehen. So sind die großen Darstellungen in der Ausstellung durch einen Schleier leicht bedeckt, ein Symbol für das Trennende zwischen Betrachter, Schöpfer und Auftraggeber.

Wie sich Fakten mit Legenden mischten

"In unserer Ausstellung orientieren wir uns auf den Lebensweg der heiligen Elisabeth und seine Ikonografie an den 23 Lebens- und Legendenbildern aus dem Elisabeth-Zyklus im Heilig-Geist-Hospital in Lübeck", berichtet Gerlinde von Westphalen weiter. Anhand dieser Bilderfolge lässt sich gut aufzeigen, wie sich historische Fakten mit Legenden mischen. Eine Vermischung, die übrigens zunimmt, je weiter die Darstellungen von der Lebenszeit Elisabeths entfernt sind. So wie eben im 18. und 19. Jahrhundert, wo Elisabeth vom Adel als Sinnbild vereinnahmt wurde. Dass damit lediglich das oftmals minimale karitative Engagement des Adels erhoben wurde, wie es schon im 13. Jahrhundert bei Hofe und in den Adelshäusern Sitte war, kam dem damaligen Auftraggebern nicht in den Sinn: Elisabeths radikale Christusnachfolge war ihnen fremd geworden. Aber inhaltliche Verdrehungen dieser Art sollten aus heutiger Sicht nicht in Grund und Boden gestampft werden, war doch mit den Bildern viel private bildliche Andacht verbunden. Diese Andacht war mit der Erfindung der Druckgrafik im Reformationszeitalter nicht mehr auf den Raum der Kirchen begrenzt und nahm Besitz von den Wohnungen der Menschen. Später waren es moderne industrielle Druckmethoden, die im 19. Jahrhundert für eine noch schnellere Produktion von Andachtsbildchen und größeren Drucken mit religiösen Inhalten sorgten. Dies ging einher mit einer romantischen Verklärung der heiligen Elisabeth sowie des ganzen Mittelalters. Romantisch allerdings war das Leben Elisabeths sicherlich zu keiner Zeit wirklich gewesen. Die Austellung möchte nicht zuletzt den Sinn dafür schärfen, dass alles was im Bild gezeigt wird -bei aller Unantastbarkeit des Heiligen -immer hinterfragt werden muss.


Hinweis

Öffnungszeiten: bis 3. Oktober Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Zu diesen Zeiten ist auch das Café geöffnet. Für Gruppen sind auch andere Termine nach Vereinbarung möglich.

Informationen: Galerie in der Burg, Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen, Fleckenstraße 41 in 37345 Großbodungen, Telefon (03 60 77) - 18 9 34, E-Mail: kontakt@galerie-in-der-burg.de

Die Galerie im Internet: www.galerie-in-der-burg.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 23.08.2007

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