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Bistum Erfurt

"...die Liebe drängt uns"

Schönstätter Diakone hatten zur Wallfahrt eingeladen -Mut und Kraft für christliches Handeln

Pilger von Hamburg bis zum Bodensee waren nach Thüringen gekommen, um von der Creuzburg zu Wartburg zu ziehen. Unterbrochen wurde ihr Weg durch Stationen der Annäherung und des Gebetes. Fotos: Bernhard Brantzen Friedrichroda / Eisenach (bra/tdh) - Teils strömender Regen konnte die Stimmung der Wallfahrer nicht trüben. Sie rückten enger zusammen, kamen miteinander ins Gespräch, sangen, beteten.. Eindrücke der Elisabethwallfahrt, zu der die Schönstatt-Diakone eingeladen hatten

"Und wann machen wir das noch einmal?!", so das Echo vieler Pilger, die von 27. bis 29. Juli den Spuren der heiligen Elisabeth von Thüringen folgten. Rund 300 Frauen und Männer aus allen Teilen und Diözesen Deutschlands schlossen sich der Schönstätter Diakonen-Gemeinschaft (SDG) zur Wallfahrt an. Unter dem Motto "... die Liebe drängt uns -mit Elisabeth auf dem Weg zu den Ausgegrenzten" pilgerten sie am 28. Juli teils im strömenden Regen -was der Begeisterung keinen Abruch tat -von der Creuzburg zur Wartburg in Eisenach.

Pater Kentenich: Den Armen und Arbeitern zuwenden

Anlass der Wallfahrt war der 800. Geburtstag Elisabeths von Thüringen. Die Schönstätter Diakone sehen sich besonders der karitativ- diakonischen Aufgabe für die Armen und Ausgegrenzten in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche verpflichtet. Elisabeth, die sich als Landesfürstin aus ihrem Reichtum auf den Weg zu den Armen gemacht hat, ist ihnen dabei besonderes Vorbild. In ihrer Sendung bestätigt fühlen sie sich unter anderem durch ein Wort des Gründers des internationalen Schönstattwerkes, Pater Josef Kentenich (1885 bis 1968). Dieser sagte: "Gerade als katholische Christen sollen Sie sich den Arbeitern und Armen zuwenden und Ihnen einen Weg zur Erfahrung der Liebe Gottes ermöglichen."

An sechs Stationen wurde am eigentlichen Wallfahrtstag das Leben der heiligen Elisabeth aufgezeigt und in die heutige Zeit hinein gedeutet. So ergriff der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel bei der zweiten Station in Spichra das Wort. Vogel stellte die Zeit Elisabeths in einen Zusammenhang mit der gesellschaftlichen und globalisierten Situation der Menschen von heute. Soziale Politik müsse vom christlichen Glauben geprägt sein, betonte Vogel und sagte weiter: "Die Kirche hat hier nicht immer eine positive Rolle gespielt. Aber geisterfüllte Gestalten wie Elisabeth hatten den Mut, Grenzen zu überschreiten, damit sich Kirche und Gesellschaft verändern konnten." Elisabeth könne Mut machen, die Globalisierung aus christlicher Überzeugung zu gestalten, damit auch heute Menschen Gerechtigkeit erfahren. Elisabeth sei hier einen ganz eigenen Weg für eine neue Kirche und eine neue Gesellschaftsordnung gegangen.

Weihbischof Hauke: Gott ist ein Gott der Armen..

Jede der Stationen stand unter einem entsprechenden Motto. So war die fünfte Station am Fuß der Wartburg mit den Worten "Auf die Burg hinauf -hinunter zu den Menschen" überschrieben. Diakon Bernhard Brantzen aus Gießen und Elfriede Speth aus Klingenberg am Main erinnerten dabei an Pater Josef Kentenich, der bereits 1930 auf die besondere soziale Verantwortung der katholischen Christen aufmerksam gemacht hatte. Der Katholik sei in der Gefahr, die Realität der Armen nicht zu erkennen. Deshalb müsse er lernen, sich tief hinab zuneigen zu den Arbeitermassen, zu den Arbeiterkindern, zu den Armen. Er müsse heraushören, was im Erlösungsschrei dieser Menschen Gesundes steckt und diesen Erlösungsschrei beantworten, betonte Kentenich damals.

In der abschließenden Eucharistiefeier auf dem Platz unterhalb der Wartburg, wo Elisabeths erstes Hospital gestanden hat, stellte auch Weihbischof Reinhard Hauke noch einmal die besondere Verantwortung der Kirche für die Armen heraus. "Gott ist ein Gott der Armen, der durch unsere Hände wirkt", so Hauke. Dass die Wallfahrer dazu bereit seien, hätten sie bewiesen, als sie trotz widrigen Wetters konsequent ihren Weg gegangen seien.

Am darauffolgenden Sonntag wurde im Schönstattzentrum die Entwicklungsgeschichte und die Sendung der Schönstätter Marienschwestern und des Marienkapellchens in Friedrichroda dargestellt. Schwester Veronika schilderte, wie die Menschen auch in der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR an der Glaubensüberzeugung festhielten, dass Gott selbst durch seine Mutter den Geist des Evangeliums in einer Welt des Unglaubens wachhalte. Ein mit geistlichem Leben gefülltes Zentrum sei entstanden mit der Gnadenkapelle als Mittelpunkt, in dem viele eine "innere Heimat" gefunden haben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 08.08.2007

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