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Bistum Erfurt

Gewerkschaften haben kein Mitspracherecht

Verdi-Bemühungen in Thüringen stoßen auch bei kirchlichen Mitarbeitern auf Kritik

Erfurt (as) - Gegen die Bemühungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, stärkeren Einfluss auf kirchliche Einrichtungen auszuüben, formiert sich jetzt auch der Widerstand der kirchlichen Mitarbeitervertretungen. Der Vorstand der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bistum Erfurt (Diag) hat sich dem Widerspruch des Leiters des Katholischen Büros, Winfried Weinrich, angeschlossen. Die Behauptungen der Gewerkschaften, Gehälter würden gekürzt oder Mitarbeitervertretungen seien nicht vorhanden, entbehrten jeder Grundlage, teilte die Arbeitsgemeinschaft in Erfurt mit.

Auch die Vorwürfe, dass es in den letzten Jahren Senkungen beim Weihnachtsgeld für Pflegekräfte gegeben hat oder die Löhne für Mitarbeiter im hauswirtschaftlichen Bereich herabgesetzt wurden, entsprechen nach Angaben von Diag nicht den Tatsachen. "Die Löhne und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter werden von der Arbeitsrechtlichen Kommission des Caritasverbandes oder den entsprechenden Kommissionen gestaltet", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Diag im Bistum Erfurt, Hubert Garski. Diese Kommissionen seien zu gleichen Teilen von Dienstgeber- und Dienstnehmervertretern besetzt. Die Vertreter der Mitarbeiter in der Arbeitsrechtlichen Kommisssion werden in einer Delegiertenversammlung der Mitarbeitervertretungen eines jeden Bistums geheim gewählt.

Im Bereich der Ostbistümer werde man sich, so Garski, jetzt auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit den Gewerkschaften festlegen. "Rein rechtlich haben die Gewerkschaften keine Handhabe, in den kirchlichen Bereich einzudringen", weiß Garski. Hier gehe es aber nicht um rechtliche Fragen, sondern um grundlegende Auffassungen einer kirchlichen Dienstgemeinschaft. In der Diag des Bistums Erfurt sind über 60 Mitarbeitervertretungen von katholischen Einrichtungen vertreten, die zirka 80 Prozent aller Mitarbeiter repräsentieren.

Mit den Gewerkschaften strebe man aber weiterhin Kontakte und gute Beziehungen an. Diese seien schon deswegen notwendig, weil die ausgehandelten Tarifabschlüsse von den Arbeitsrechtlichen Kommissionen der kirchlichen Einrichtungen nachverhandelt werden müssen.

Der Leiter des Katholischen Büros, Winfried Weinrich, äußerte sich zufrieden über die Reaktion der Diag, die ihre Kritik in "Freiheit und Verantwortung" vorgetragen habe. Mit Verdi seien jetzt grundsätzliche Gespräche geplant. "Im Moment ist eine gewisse Distanz notwendig", sagt der Ordinariatsrat. Gespräche müssten auf der Grundlage gegenseitiger Akzeptanz geführt werden. In einem Interview mit dem Tag des Herrn hatte Weinrich nicht nur die sachlichen Auffassungen der Gewerkschaften, sondern auch die Verfahrensweise kritisiert. Hintergrund der Auseinandersetzung ist eine Studie, die Arbeitskämpfe in kirchlichen Einrichtungen für möglich hält.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 34 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 31.08.2001

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