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Aus der Region

Europäische Heilige

Elisabeth ist Thema der Thüringer Landesaustellung

Eisenach - "Elisabeth von Thüringen -Eine europäische Heilige" heißt die Thüringer Landesausstellung in Eisenach.

Sie ist die größte und international bedeutendste Elisabeth-Ausstellung, die im Gedenkjahr anlässlich des 800. Geburtstages der Heiligen gezeigt wird: die dritte Thüringer Landesausstellung "Elisabeth von Thüringen -Eine europäische Heilige". Gelungen ist das den Ausstellungsmachern -Wartburg- Stiftung und Universität Jena -, indem sie sich frühzeitig mit anderen Elisabeth-Orten, besonders mit Marburg, wo die Heilige starb, und ihrem ungarischen Geburtsort Sarospatak abstimmten. Das Ergebnis: In Eisenach bieten jetzt bis zum 19. November 430 Objekte von 220 Leihgebern aus 17 Ländern den umfassendsten Überblick, den es je gab, über Elisabeth und ihre Verehrungsgeschichte bis in die Gegenwart. Nur wenige Stücke, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Bedeutung nicht transportiert werden konnten, sind als digitale Nachbildung zu erleben. Alles andere sind hochkarätige Originale.

Zu den herausragenden Ausstellungsstücken gehören diejenigen, die mit Elisabeth selbst in Verbindung gebracht werden können, wie der Elisabeth-Psalter oder das Bußgewand, das ihr der heilige Franziskus geschenkt haben soll. Authentizität bieten die beiden Ausstellungsorte: Zwar stammen viele Teile der heutigen Wartburg aus dem 19. Jahrhundert. Im romanischen Palas aber, in dem ein Teil der Ausstellung gezeigt wird, hat Elisabeth gelebt. Und die Predigerkirche im Zentrum von Eisenach ist eine der ersten Kirchen überhaupt, die Elisabeth zur Patronin erhielt. Damit steht sie für die Anfänge ihrer Verehrungsgeschichte. Alles zusammen ist Grund genug, dass Thüringens Kultusminister Jens Goebel (CDU) auf die "größte Belagerung der Wartburg in der Neuzeit hofft". Mindestens 200 000 Besucher werden erwartet.

Die Ausstellung gliedert sich in drei große Teile: Auf der Wartburg wird das Leben der Heiligen, ihre Heiligsprechung und ihre Verehrungsgeschichte bis in die Reformationszeit geschildert. Den Abschluss des dortigen Rundgangs bildet die Lutherstube, in der das besondere Verhältnis des Reformators zu Elisabeth thematisiert wird. Zu sehen sind nicht nur Schriftstücke mit positiven Äußerungen des Reformators über die Heilige, sondern auch das Weinglas, aus dem Luther zu besonderen Anlässen trank und das einst Elisabeth gehört haben soll. In der Predigerkirche geht es um den Blick der Neuzeit auf Elisabeth und ihre Wirkungsgeschichte im Zusammenhang mit unzähligen sozialen Aktivitäten.

In allen Teilen wird dabei Wert auf die europäische Dimension gelegt: Elisabeth gehörte zum europäischen Hochadel ihrer Zeit und war mit ihm zeitlebens verbunden. Die bald nach ihrem Tod einsetzende Verehrung war ein europaweites Phänomen, das bis heute anhält, denn viele soziale Einrichtungen oder entsprechend engagierte Vereinigungen, die unter ihrem Patronat stehen, sind über weite Teile Europas verbreitet.

Die Verehrung Elisabeths durch fast acht Jahrhunderte hat auch eine Vielfalt an Legenden wie das Rosenwunder mit sich gebracht. Der Ausstellungsbesucher wird damit auch auf der Wartburg konfrontiert, etwa durch die Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestaltete Elisabeth-Kemenate oder die romantischen Fresken des Moritz von Schwind (Mitte des 19. Jahrhunderts), die das Bild in der jüngeren Vergangenheit über die Heilige deutlich zu Ausdruck bringen. Die Ausstellungsmacher bemühen sich deshalb besonders bei der Darstellung von Elisabeths Leben um historische Wahrheit. Zwar stammen die frühesten schriftlichen Quellen aus dem Umfeld ihrer Heiligsprechung, wurden also mit einem bestimmten Ziel verfasst. Doch ist die historische Elisabeth darin durchaus erkennbar, wie ein wissenschaftlicher Kongress im Vorfeld der Ausstellung gezeigt hat.


Informationen

Die Ausstellung ist bis 19. November täglich von 8.30 bis 18 Uhr (letzter Einlass) geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 7 beziehungsweise 4 Euro). Zur Ausstellung sind zahlreiche Publikationen erschienen: Kurzführer (5 Euro) sowie Katalogund Aufsatzband (zusammen ab 50 Euro).

Die Ausstellung im Internet: www.elisabeth-wartburg.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 26.07.2007

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