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Aus der Region

Ein großer Dienst an den Katholiken in der DDR

Der Historiker Bernd Schäfer erinnert sich

Als Besucher aus dem Westteil Deutschlands erlebte Bernd Schäfer den Katholikentag. Er hat sich später als Historiker noch einmal mit diesem Ereignis beschäftigt:

befreundeten Familie im Eichsfeld, fuhr ich im Juli 1987 nach Dresden zum Katholikentreffen. Es war ein denkwürdiges und überaus eindrucksvolles Ereignis, das man so in der DDR nicht für möglich gehalten hätte. Katholiken aus der ganzen DDR prägten tagelang das Bild der "sozialistischen Großstadt Dresden". Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer sprach ein Grußwort im DDR-Fernsehen, das überhaupt viel übertrug -sogar den Satz aus der Predigt von Kardinal Joachim Meisner vom Stern von Bethlehem, dem die Christen in der DDR folgen wollten. Wie man heute weiß, war das ein staatliches Experiment, das im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Honecker-Besuch in Bonn zwei Monate später stand. Die DDR-Führung wollte "Toleranz" beweisen, nachdem es im Vorfeld heftigen Streit mit kirchlichen Repräsentanten gegeben hatte, welche die DDR zu eben dieser "Toleranz" gezwungen hatten. Kardinal Josef Ratzinger durfte schließlich nur nicht-öffentlich auftreten. Seine vorgesehene Predigt in der Hofkirche musste Bischof Schaffran während der Messe unter einem Vorwand absagen.

Die besondere Erfahrung für einen Westbesucher war das starke Selbstbewusstsein einer katholischen Kirche in "diesem" / "unserem" Land, das heißt eine notgedrungene Akzeptanz der absoluten Dauer der DDR und der Aufgabe, sich in diesem Kontext zu positionieren und zu engagieren. Heutzutage wird viel von der historischen Unvermeidlichkeit der deutschen Einheit geredet, und allenthalben werden "Anfänge vom Ende der DDR" in der Geschichte entdeckt. Das sind Weisheiten aus der Rückschau. Im Juli 1987 war die Situation dagegen so: Es gab drei deutschsprachige katholische Ortskirchen (BRD, DDR, Österreich), verbunden durch den gemeinsamen Glauben und die Bindung an Rom, aber in getrennte und scheinbar unveränderliche staatliche Kontexte gestellt.

Das Katholikentreffen in Dresden war in seiner Zeit ein überaus großer Dienst an den Katholiken in der Diaspora der DDR. Dass es überhaupt zustande kommen konnte, dieses Verdienst gebührt sekundär Hans Modrow, aber primär zwei auf ihre Weise selbstbewussten Bischöfen, die an unterschiedlichen Strängen zogen und damit am Ende die drei großartigen Tage im Juli 1987 ermöglichten: Joachim Meisner und Gerhard Schaffran.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 26.07.2007

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