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Aus der Region

Trost und Heilung bei St. Anna

Zwönitzer knüpfen mit der Annenkapelle an eine alte Wallfahrtstradition an

Wolfgang Triebert vor der Annenkapelle. Gemeindemitglieder wechseln sich beim Schließdienst ab. Die anfängliche Angst vor Vandalismus hat sich bisher nicht bestätigt. Fotos: Dorothee Wanzek Zwönitz - "Wenn ich in der Annenkapelle sitze und bete, gibt mir das Trost und Hoffnung. Man kann sich da aussprechen. Das geht unter der Haut", erzählt Monika Meyer. Sie kümmert sich in der Kapelle, die vor zehn Jahren an historischer Stätte gebaut wurde, um den Blumenschmuck.

Eine alte Legende und eine vage Erwähnung in einer alten Schrift waren für den Zwönitzer Bürgermeister Uwe Schneider vor zehn Jahren die einzigen Anhaltspunkte dafür, dass es vor den Toren des erzgebirgischen Städtchens um das Jahr 1500 eine Annenkapelle gab. Mit ABM-Kräften begann er damals, auf dem Ausflugsgelände Guter Brunnen eine neue Annenkapelle zu bauen.

Der Sage zufolge soll einem blinden Mädchen im 15. Jahrhundert die heilige Anna im Traum erschienen sein und ihr den Weg zu einer Heilquelle gewiesen haben, in dem sie sich die Augen waschen sollte. Tatsächlich habe das Kind die Quelle an dem beschriebenen Ort bei Zwönitz gefunden und nach dem Waschen sein Augenlicht wiedererlangt. In Folge dieser Wunderheilung zog die Quelle von Jahr zu Jahr mehr Kranke und Gebrechliche an. Die Kapelle, die dort errichtet wurde, soll bereits 1550 in Folge eines Unwetters eingestürzt sein.

"Man muss an die Wunder dieses Ortes glauben"

ugsgelände seit seiner Kindheit. Vor dem Krieg hatte es hier einen florierenden Ferienbetrieb mit Badehaus und Heilbehandlungen gegeben, bis 1980 bestand immerhin noch eine Gaststätte. Auch wenn es für die heilende Wirkung des leicht radonhaltigen Wassers aus insgesamt vier Brunnen keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt, es gibt bis heute viele Menschen, die von der Heilkraft des Wassers überzeugt sind. "Man muss diesen Ort erleben und man muss an seine Wunder und an seine Zukunft glauben", sagt Uwe Schneider. Er selbst erlebte in den 80er Jahren, dass sich eine böse und langwierige Wunde nach einem Bad im Wasser des Guten Brunnens schloss. "Man muss daran glauben", betont der evangelische Christ, der im damaligen katholischen Zwönitzer Pfarrer Dieter Schöne einen Verbündeten für den Kapellenbau fand. Der evangelische Bildhauer trug mit geschnitzten Skulpturen der heiligen Josef, Joachim und Anna Selbdritt zur Gestaltung des Innenraums bei.

Nach der Fertigstellung übergab die Stadt die Kapelle an die katholische Gemeinde. Rund 20 Gemeindemitglieder sorgen seither im wöchentlichen Wechsel dafür, dass die Kapelle täglich tagsüber geöffnet sein kann. Auch Monika Meyer beteiligt sich gemeinsam mit ihrem Mann am Schließdienst. Sie freut sich dabei immer wieder über die vielen Wanderer, die in der Kapelle Ruhe suchen. Manche bedanken sich bei ihr, wenn sie erfahren, dass sie für den stets frischen Blumenschmuck in der kleinen Kapelle verantwortlich ist. Besonders froh war sie, als sie kürzlich erlebte, wie eine Lehrerin ihrer Schulklasse von der Geschichte der Kapelle und der heiligen Anna erzählte. "Die Kinder waren richtig begeistert und ein tief geifendes Erlebnis war es für sie, dass sie in der Annenkapelle einmal die kleine Glocke läuten durften.

Gesucht: Ein Ferienhaus- Investor mit Visionen

Auch Wolfgang Triebert, stellvertretender Bürgermeister und katholisches Gemeindemitglied, kommt gern in die Annenkapelle, die für ihn mit alten Erinnerungen verknüpft ist. "Die Bodenplatten stammen aus der alten katholischen Kirche. Darauf habe ich früher als Ministrant immer gekniet." Im vergangenen Jahr erhielt er überraschend eine wissenschaftliche Bestätigung für die Existenz einer alten Annenkapelle. Dr. Hartmut Kühne, ein Theologe der Berliner Humboldt- Universität, war im Rahmen einer Forschungsarbeit zu historischen Pilgerwegen im Erzgebirge darauf gestoßen. In einem Verwaltungsregister des Bistums Meißen aus dem Jahr 1504 werden 14 Wallfahrtskapellen erwähnt, von denen der Meißener Bischof ein Drittel aller Einnahmen forderte, darunter eine Kapelle St. Anna in Zwönitz.

Ein Anliegen ist es Wolfgang Triebert, auch das Umfeld der Annenkapelle wieder mit Leben zu erfüllen. Er sucht deshalb nach einem Investor für das leerstehende alte Gaststättengebäude. "Wir wünschen uns, dass dieses Gebäude wieder so genutzt wird, wie es dem Charakter des ehemals bedeutenden Wallfahrts- und Kurortes entspricht.

Auch das St.-Annen-Fest, zu dem die katholische Gemeinde jährlich auf das Gelände des Guten Brunnens einlädt, könnte von der wiederbelebten Gaststätte profitieren, glaubt Triebert. Am 29. Juli um 13.30 Uhr beginnt das diesjährige St.-Annenfest mit einer kleinen Wallfahrt vom katholischen Gemeindezentrum St. Peter und Paul zu Fuß zur Annenkapelle. Dort wird um 15 Uhr eine Andacht sein und im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen, Eis, Kinderspiele und gemütliches Beisammensein.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 18.07.2007

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