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Bistum Dresden-Meißen

Das Leben mit den Armen hat mich verändert

Die Kapuziner verlassen Gera nach 15 Jahren

Neben Provinzial Christophorus Goedereis (Mitte) nahmen an der Abschiedsvesper mehrere der Kapuziner teil, die im Laufe der vergangenen 15 Jahre in Gera gelebt haben. Fotos: Dorothee Wanzek Gera - Bei einer Vesper in der Geraer St.-Elisabeth-Kirche hat sich die Gemeinschaft der Kapuziner nach 15 Jahren aus der Stadt verabschiedet. Das dortige Projekt "Leben unter den Armen" muss beendet werden, weil sich nicht genügend Brüder bereitfanden, es fortzuführen.

Traurig, zugleich aber auch dankbar für das gemeinsam Erlebte nahmen Kapuziner und Einwohner Geras am 15. Juli voneinander Abschied. Insgesamt acht Kapuziner hatten sich auf unterschiedlichste Weise in Gera eingebracht. Unter anderem arbeiteten die Brüder im Caritas-Obdachlosenheim "Haus Emmaus" mit, in der Gefangenenseelsorge, in einem Jugendtreff, im Hospizverein und in der Notfallseelsorge. In den letzten Jahren haben sie in einem der Geraer "Bogenhäuser" gewohnt. Ihre Nachbarn dort sind Menschen, die zuvor von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht waren.

In Briefen an Bruder Christophorus Goedereis, Provinzial der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz, hatten die Kapuziner geschrieben, was sie während ihrer Geraer Zeit besonders berührt hat. In seiner Predigt zitierte der Provinzial aus diesen Briefen: "Ich war noch nie so nah dran an den Armen", hatte einer geschrieben, "das Leben mit ihnen hat mich verändert." Ein anderer zeigt sich erfreut, viele Freunde unter den Armen gefunden zu haben. In Gera habe er den Weg zu einem neuen Leben als Kapuziner gefunden. "Ich habe als Bruder gelebt mit Menschen, zu denen man sonst nur hinzugepfercht wird", beschreibt ein Dritter seine eindrücklichste Erfahrung.

Entscheidend sei nun, wie die Beteiligten die Geschichte der Kapuziner in Gera weitererzählten, sagte Bruder Christophorus, der sich bis zuletzt für den Erhalt des Klosters eingesetzt hatte. Möglich sei es, von Scheitern und Im-Stich- Gelassen-Werden zu sprechen. Stattdessen könne man aber auch sagen: "Wir hatten eine gute und gesegnete Zeit und wollen in die Zukunft tragen, was wir voneinander gelernt haben". Als Symphatisant der zweiten Variante outete sich der evangelische Oberkirchenrat Dr. Hans Mikosch. Die Jahre mit den Kapuzinern seien "Jahre des Segens" für die Stadt und ihre Menschen. Inwieweit die von ihnen gesäte Saat aufgehe, sei letztlich "Gottes Sache".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 18.07.2007

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