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Bistum Görlitz

Ohne Kinder keine Zukunft

Kinderwallfahrt des Bistums Görlitz nach Rosenthal

Auf der Wallfahrtswiese stand der Bischof Rede und Antwort. Wittichenau/Rosenthal - Kinder brauchen eine Stimme in der Gesellschaft und in der Kirche. Das war die Botschaft der diesjährigen Kinderwallfahrt am 6. und 7. Juli von Wittichenau nach Rosenthal.

Diesmal waren alle pünktlich in der Kirche, denn das Organisationsteam hatte umdisponiert. "Der Beginn des Wallfahrtsgottesdienstes hatte sich durch das unterschiedliche Tempo der Wallfahrer oft verzögert", erklärt Jugendseelsorgerin Ingrid Schmidt. "Da haben wir den Gottesdienst auf den Nachmittag gelegt." Zum ersten Mal feierte Bischof Konrad Zdarsa mit den Mädchen und Jungen die heilige Messe in der Wallfahrtskirche in Rosenthal -und der Bischof freute sich über die vielen Kinder, die aus fast allen Gemeinden des Bistums gekommen waren. Unverwüstlicher Pilger war wieder Dekan Christian Pabel, der schon 1958 beim ersten Ministrantentag dabei war und es sich bis heute nicht nehmen lässt, mit den Kindern auf Wallfahrt zu gehen. Wie in besten Kaplanszeiten stimmte er auf dem Weg ein Morgenlied auf der Gitarre an.

Bereits am Nachmittag zuvor hatten sich die Kinder mit ihren Helfern auf das Thema der Wallfahrt eingestimmt. "Kinder haben eine Stimme" lautete das Motto, das zu Fantasie und zum Nachdenken anregte. Da war zum Beispiel die Rede von der "inneren Stimme", die jedem Menschen sagt, was richtig oder falsch ist. Da gibt es die Stimme im Parlament, die dazu beiträgt, dass Entscheidungen für alle getroffen werden -und ganz wichtig: die Stimme, die den Schwächeren schützt und die Ungerechtigkeiten beim Namen nennt: Gegen Kinderarbeit, Kinderprostitution und Kindersoldaten muss man die Stimme erheben.

Nicht vergessen, wie es ist, ein Kind zu sein

Ben Noack, Richard Ermer und Martina Maschewski sind aus Bernsdorf nach Rosenthal gekommen. Alle drei sind überzeugt davon, dass die Erwachsenen Kinder anhören müssen und nicht an ihnen vorbei entscheiden dürfen: "Zum Beispiel, wenn es um Kinderspielplätze geht", meint Richard. Ben meint, auch Kinder sollten wählen dürfen. Und Martina ist der Meinung, dass Kinder die gleichen Rechte wie die Erwachsenen haben müssen.

Alle drei schlüpfen am Wallfahrtsnachmittag in die Rolle von Reportern und fragen die anderen, warum Kinder eine Stimme brauchen. "Die Erwachsenen können nicht einfach Dinge beschließen, die Kindern überhaupt nicht gefallen", antwortet Katja Paschke aus Cottbus. Die Leiterin des Malteser Hilfsdienstes in Hoyerswerda, Sabine Mischner, meint, dass die Erwachsenen ohne Kinder nicht glücklich wären. "Und die Erwachsenen sollten nicht vergessen, wie es ist, ein Kind zu sein."

Aber auch in der Kirche brauchen Kinder eine stärkere Stimme -bei der Gestaltung des Gemeindelebens oder des Gottesdienstes. "Ich wünsche mir einen fröhlichen Pfarrer", sagt jemand. Ein anderer schlägt vor, dass man die Gottesdienste auch mal woanders als in einer Kirche feiern kann. Ohne die Kinder, das wissen die Mädchen und Jungen, gibt es keine Zukunft für die Kirche.

In seiner Predigt rief Bischof Zdarsa dazu auf, die Stimme zu erheben, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen und sie zu trösten, aber auch, um den Glauben zu bekennen. Zudem sei es immer wieder wichtig, das Gotteslob anzustimmen und gemeinsam zu beten. Die Kinder sollen von dem erzählen, was ihnen in der Taufe geschenkt wurde.

Die Leute schätzen ein klares Bekenntnis

"Aber bevor man seine Stimme erhebt, muss man sich selber führen und leiten lassen." Zum Christsein gehört nach den Worten des Bischofs ein klares Bekenntnis. "Das schätzen die Leute, wenn sie wissen, woran sie bei dir sind." Ihr Wallfahrtsopfer spendeten die Kinder in diesem Jahr für ein Kinderheim im polnischen Zgorzelec, wo dringend eine Waschmaschine gebraucht wird.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.07.2007

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