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Bistum Erfurt

Sekundengebete im Auto

Thüringens Ministerpräsident sprach mit Erfurtern Jugendlichen über den Glauben

Ministerpräsident Althaus bei Erfurter Jugendlichen. Foto: Uwe Naumann Erfurt - Auf Einladung der Erfurter Dekanatsjugend nahm Ministerpräsident Dieter Althaus Mitte Juni an einer Jugendvigil in der Domkrypta teil und stand anschließend etwa 30 jungen Christen Rede und Antwort zur Rolle des Glaubens in seinem Leben.

Zunächst hatten sich die Jugendlichen Gedanken über das Leben eines Ministerpräsidenten gemacht und ein szenisches Anspiel daraus entwickelt, das den Politiker mit Leibwächter und einem alten Freund in einem Restaurant zeigt. "So ein spontanes Treffen mit einem alten Freund ist kaum möglich", wandte Dieter Althaus ein, "nur wenn einmal ein Termin ausfällt."

Der volle Terminkalender halte ihn jedoch nicht davon ab, Zeit für seinen Glauben zu finden. "Ich lese jeden früh in der Bibel", so der aus Heiligenstadt stammende ehemalige Physiklehrer, "und zwar systematisch." Im Auto spreche er Sekundengebete oder bete den Rosenkranz. Auch abends müsse Zeit für ein kurzes Gebet sein. "Das hilft mir, den Alltag zu ordnen", sagte der 49-Jährige.

In diesem Sinn lehne er auch prinzipiell Termine für den Sonntagvormittag ab, es sei denn, sie ließen sich mit einem Gottesdienst vereinbaren. "Ich versuche bewusst, Gott mit festen Ankerpunkten zu verbinden", sagt er, denn dem CDU-Politiker sind Messen, Begegnungen und Wallfahrten wichtig.

In seiner Heimatgemeinde St. Gerhard in Heiligenstadt -dort wird er mit seiner Frau in diesem Jahr auch Silberhochzeit feiern -sei der zweifache Familienvater immer noch "tief verankert". "Hier war ich seit 1964 Messdiener und bis 1994 Lektor." Dass er als Ministrant noch die "lateinische Ausbildung genossen" hat, rief bei den Jugendlichen ein leises Raunen hervor. In Heiligenstadt sei er zudem Ehrenvorsitzender des Fördervereins der evangelischen St. Martinsgemeinde -kein Wunder also, dass er auf die Frage einer evangelischen Christin nach Ökumene antwortete: "Ich bin ein leidenschaftlicher Ökumeniker."

Was der Eichsfelder in den Pfarrgemeinden heutzutage allerdings vermisse, seien "Gruppen, die sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen, damit man versteht, wie Politik gestaltet wird und in denen man auch gegen den Zeitgeist sein kann". Kirche müsse aktiv in die Gesellschaft hineinwirken.

Über Politik, zumindest Parteipolitik, wollten die Jugendlichen des Dekanats Erfurt an diesem Abend nicht mit dem Ministerpräsidenten reden. "Wir wollten nicht so das Übliche fragen", sagte der Kaplan von St. Lorenz und Stadtjugendseelsorger Dominik Trost, der das Gespräch moderierte.

Dagegen interessierten sich die jungen Thüringer für die persönlichen Einstellungen und Lebenserfahrungen des Politikers, der sich bei der Arbeit als Christ nicht verstecken wolle, sich aber auch sagen könne: "Dieter, es hängt nicht alles nur von dir ab, sondern es gibt noch jemanden, der dich hält und insgesamt alles gut macht."

Abschließend nach einem Spruch gefragt, den er den Jugendlichen mit auf den Weg geben könne, zitierte Dieter Althaus frei den Evangelisten Johannes: "Kehre um und bedenke dein Leben." Dabei solle sich jeder immer wieder selbst befragen, was er tue und warum.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 08.07.2007

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