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Aus der Region

Forscher-Neugier muss zurückstecken

Interview mit Bischof Wanke zu Gentechnik

Bischof Joachim Wanke Einzelne Wissenschaftler wollen noch in diesem Jahr mit dem Klonen von Menschen beginnen. Auch wenn Fachkollegen das Vorhaben eher skeptisch beurteilen, führt die Ankündigung doch die mit der Gentechnik verbundenen ethischen Fragen deutlich vor Augen. Der Tag des Herrn sprach darüber mit dem Erfurter Bischof Joachim Wanke.
Frage: Herr Bischof, der Wissenschaftler Povas Zovas hat angekündigt, ab November 200 Menschen zu klonen. Zovas ist in der Fachwelt umstritten. Wie bewerten Sie die Nachrichten?
Wanke: Die Kollegen von Zovas befürchten die Anwendung einer Methode mit geringen Erfolgsaussichten und hohen Risiken für den Menschen. Die Chancen für eine Schwangerschaft seien beim Klonen sehr, sehr gering. Außerdem könne kein Arzt garantieren, dass es nicht zu Missbildungen und Fehlentwicklungen beim Kind kommt.

Entscheidender aber ist, dass viele Naturwissenschaftler auch das ethische Dilemma sehen: Das geklonte Kind wird instrumentalisiert. Es wird nicht um seiner selbst gezeugt, sondern als Mittel zum Zweck: Etwa als Kopie eines Menschen, oder in der Stammzellenforschung als menschliches Ersatzteillager.

Frage: 55 Prozent aller Amerikaner haben sich für eine staatliche Förderung der Stamm-zellenforschung ausgesprochen. Neigt sich die Diskussion zugunsten der Befürworter?

Wanke: Wie die Diskussion ausgeht, ist nocht nicht absehbar. Entscheidend bleibt, wie die einzelnen Argumente gewichtet werden. Für die Kirche gilt das menschliche Leben als schützenswert von Anfang an, also ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Forscher-Neugier und wirtschaftliche Interessen müssen dahinter zurückstecken. Auch die bislang unbewiesene Chance, die Heilmittel für schwere Krankheiten bieten könnten, kann nicht gegen das Lebensrecht des ungeborenen Kindes ausgespielt werden. Das ist für die Kirche das stärkste Argument.

Frage: Auch die thüringische Wissenschaftsministerin hat sich für eine begrenzte Zulassung "verbrauchender Embry-onenforschung" ausgesprochen. Gibt es hier einen Mittelweg?

Wanke: Embryonen sind kein Forschungsmaterial, sondern ungeborenes menschliches Leben - auch wenn der Embryo noch kein Gesicht hat. Verbrauchende Embryonenforschung - zu welchem Zweck auch immer - ist daher abzulehnen.

Frage: Kann Deutschland ganz aus der Genforschung aussteigen, wenn es nicht internationale Kontrollfunktionen verlieren will?

Wanke: Wer spricht von einem Ausstieg aus der gesamten Genforschung? Die Kirchen nicht! Aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Ich möchte den Vorsitzenden des Pharmaindustrieverbandes Bernd Wegener, einen Wirtschaftsvertreter (!), zur Genforschung zitieren: "Bei einer Güterabwägung liegt gegenüber dem Lebensrecht des Embryos zu wenig auf der Waagschale."

Fragen: Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 31.08.2001

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