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Brot und Rosen für die Armen

Neuenburg: Aspekte karitativen Dienstes in Gemeinde und Bistum / Landeskirche -Eine Tagung

Katholische und evangelische Mitarbeiter im Verkündigungsdienst in Sachsen-Anhalt feierten in der Doppelkapelle der Neuenburg, in der schon die heilige Elisabeth betete, gemeinsam Gottesdienst. Foto: Dorothea Laser-Merker Freyburg (dlm/tdh) - Diakonisch Handeln im Gestrüpp kirchlicher und säkularer Dornen. Unter diesem Thema trafen sich am 18. Juni katholische und evangelische Mitarbeiter im Verkündigungsdienst der großen Kirchen Sachsen- Anhalts zu einer Tagung auf der Neuenburg bei Freyburg.

Auf welchen Gebieten kann die heilige Elisabeth von Thüringen heute Vorbild für das diakonische Engagement sein und auf welchen nicht? Diese Fragen standen über einem Referat von Professor Ulfried Kleinert zum Thema "Diakonisches Engagement -eine Grundfunktion der Gemeinde?" im Kontext des 800. Geburtstages "der faszinierenden Fremden".

Kleinert würdigte Elisabeths Kraft aus der Begeisterung für Christus, ihre Heiterkeit und ihren Mut, "dem Gegensätzlichen Gegensätzliches entgegenzusetzen" und innerhalb des Systems zu revoltieren. Elisabeth habe sich für eine soziale Stadt eingesetzt und sich nicht gescheut, in die ungewohnte Lebenswelt der Klienten zu gehen. Nicht in die heutige diakonische Arbeit zu übernehmen sei ihr mangelndes sabbatliches Leben, ihre Grenzen- und Distanzlosigkeit hinsichtlich Raum, Zeit und persönlichen Eigentums.

Caritas ist Grundfunktion von Kirche

Gegenwartskonzeptionen von Kirche seien daraufhin zu befragen, ob Diakonie/Caritas als Grundfunktion platziert werden, so Kleiner vor den Mitarbeitern im Verkündigungsdienst des Bistums Magdeburg, der Kirchenprovinz Sachsen und der Kirche Anhalts. Oder ob sie nur eine Alibifunktion übernehmen und nicht mehr unterscheidbar sind von klientelund geldorientierter Sozialarbeit. Kirche bedürfe einer unabhängigen Sozialarbeit mit eigenem Profil (möglichst den "kirchlich bezahlten, unabhängigen Libero", ein Diakonenamt in jedem Kirchenkreis / Dekanat), was aber Kosten verursache. Diakonie müsse außerdem wieder stärker in der Ortsgemeinde erfahrbar werden. Zu fragen sei, wie diakonische Einrichtungen mit den Gemeinden zusammen arbeiten und wie das diakonische Anliegen stärker in die Gemeinden getragen werden könne.

Am sich anschließenden Podiumsgespräch unter Leitung von Professorin Brigitte Schmeja aus Halle nahmen Professor Kleinert, Klaus Skalitz (Caritas-Diözesanverband Magdeburg), J. Spenn (Diakonie) und der katholische Pfarrer Dieter Tautz aus Lutherstadt Eisleben teil. Hier verständigte man sich zunächst über das "Gestrüpp" des diakonischen Handelns. Dabei sei das kirchliche Gestrüpp bisweilen nicht vom säkularen zu trennen, sind doch Diakonische Werke oft eigene Vereine oder (g)GmbH's, die schwer von anderen "Anbietern" zu unterscheiden seien. Dazu gab es unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen genauso wie in der Frage, ob "das Gestrüpp" das diakonische Handeln in den Gemeinden erstickt.

Ist in den Gemeinden wirklich Platz für die Armen?

Kritisch wurde gefragt, wo Kirche bei den Menschen (nicht nur aus der Mittelschicht) ist, ob in den Gemeinden überhaupt Arme Platz haben, ob sie bekannt sind und was die Gemeinden ihnen von der christlichen Botschaft vermitteln. Durch professionelle Einrichtungen sei zum Teil eine Mentalität des "Wegdelegierens" entstanden. Gefragt wurde auch, ob katholische und evangelische Gemeinden stärker bei diakonischen Projekten kooperieren könnten, um gegebenenfalls Überforderung hinsichtlich notwendiger Maßnahmen in den Blick zu nehmen und miteinander zu tragen.

Die Kontaktarbeit mit Kirchengemeinden müsse konzeptionell ausgebaut werden. Diakonie/Caritas hätten noch zuwenig "Klammern". Hier müsse etwas angestoßen werden.

Insgesamt trug die thematische Arbeit des Ökumenetages dazu bei, den Blick auf den Zustand, die Möglichkeiten und Erfordernisse diakonischen Handelns in den katholischen und evangelischen Gemeinden zu schärfen, sagte eine Teilnehmerin. Eine größere Teilnehmerzahl an der Tagung wäre wünschenswert gewesen.

Elisabeths Bedeutung für die Armen- und Krankenpflege, ihre Wirkung auf Stiftungs- und Sozialsysteme sowie die Volksfrömmigkeit hatte zu Tagungsbeginn Kunsthistorikerin Kristine Glatzel in einem Vortrag gewürdigt. Nach einem Rundgang durch die Burganlage hatten die Teilnehmer dann in der Doppelkapelle der Burg gemeinsam mit den Magdeburger Bischöfen Gerhard Feige und Axel Noack sowie Kirchenpräsident Helga Klassohn aus Dessau einen Gottesdienst mit Agape gefeiert.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.06.2007

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