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Bistum Erfurt

Caritas und Gemeinde

Caritastag im Bistum Erfurt fragt nach dem Miteinander von Nächstenliebe und Verkündigung

Erfurt - Unter dem Motto "Elisabeth bewegt -zur Liebe, die verkündet" fand in Erfurt ein Caritastag statt. Eingeladen waren hauptamtliche Mitarbeiter der Caritas sowie Vertreter der Gemeinden.

Die Geschichte von der Heilung des Gelähmten beim Evangelisten Markus thematisierte Bischof Joachim Wanke in seiner Predigt. Sie sei in zweierlei Hinsicht bemerkenswert -zunächst durch den Eifer, mit dem die vier Männer den Gelähmten auf das Dach des Hauses hieven, um ihn durch eine Dachöffnung Jesus vor die Füße zu platzieren: "Als Jesus den Glauben der vier Männer sah, sagte er zu dem Gelähmten ... Und dann folgt die Heilung an Seele und Leib. Jesus sagte nicht, wie sonst in solchen Berichten üblich: Als er den Glauben des Gelähmten sah ... Jesus ergreift die Initiative aufgrund des Glaubens der Männer, die den Hilfesuchenden zu ihm brachten." Mit Blick auf die anwesenden Mitarbeiter der Caritas fragte der Bischof: "Wie viele Dächer haben Sie schon abgedeckt, um Ihre Klienten in die Nähe des Herrn zu bringen?"

Zum Zweiten sei an der Geschichte bemerkenswert, dass vom Evangelisten zwei Heilungen auf einmal erzählt werden: Die Heilung des inneren Menschen und die Heilung des äußeren Menschen. Bischof Wanke: Zuerst sagt Jesus "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Und dann: "Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!" Der Text zeige, dass immer der ganze Mensch im Blick Jesu stehe.

Der Caritastag setzte die Anliegen des Pastoraltages fort, der im April in Erfurt stattfand. Beide Veranstaltungen widmen sich dem großen Anliegen, wie Elisabeths Vorbild das Leben im Bistum prägen kann. Dabei werde deutlich, aus welchen Quellen Elisabeth lebte, sagte der Bischof: "Es ist eindeutig, dass Elisabeths Zuwendung zum leidenden Mitmenschen gespeist wurde durch ihre Nähe zu Jesus Christus."

Wie beim Pastoraltag wurden die Beziehungen zwischen Pfarrgemeinde und Caritas thematisiert. Schwester Elisabeth Jakubowitz, Caritasdirektorin in Omsk, betonte, dass sie noch nie verstehen konnte, dass beide in Deutschland oftmals keine funktionierende Einheit bilden. In Russland sei karitative Arbeit so nicht möglich. Sie regte an, die hauptamtlichen Mitarbeiter in der Gemeinde besser bekannt zu machen und sie in das Pfarrleben einzubeziehen.

Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, wies darauf hin, dass die Pfarrgemeinden oft von Menschen geprägt seien, die persönlich keine Notlagen kennen. Soziale Not sei einfach kein Thema. Dennoch wollte Neher keine Gemeindebeschimpfung beginnen, es ging ihm vielmehr darum, die Gemeinden auf die Not hinzuweisen. "Es besteht die Gefahr, dass man wenig einfühlsam wird für die fremde Not. Wir dürfen uns nicht abschotten", betonte er. Neher kritisierte zudem den Ansatz der Caritasarbeit der 70er Jahre, bei dem der Zusammenhang Fachlichkeit und Glaube keine Rolle spielte. Er fragte deshalb: "Wie kommen wir dahin, auch über unsere Quellen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen?"

Bischof Wanke wünschte sich von der Caritas unter anderem ein demütiges Selbstbewusstsein, eine liebenswerte Entschiedenheit und dass sie immer den ganzen Menschen im den Blick behalte. Außerdem sei eine dichte Vernetzung zwischen Gemeinde, Caritas und Verbänden vor Ort wünschenwert. Die Aufforderung, Rechenschaft vom Glauben nach außen zu geben, verlange auch, die Situation der Mitarbeiter in den Blick zu nehmen, die keiner Kirche angehören: Wie kommen sie zurecht, was trägt sie?

Der Bischof griff auch zwei Anregungen des Pastoraltages auf: Caritasteams in den Gemeinden und die Idee eines Sozialreports. Für einen Sozialreport könnten sich Gemeindemitglieder auf den Weg machen, um den sozialen Nöten vor Ort auf die Spur zu kommen. Ihre Erfahrungen könnten durch Informationen aus den Ämtern und Diensten ergänzt werden. Der Bischof forderte zudem, dass die Anliegen der notleidenden Menschen stärker im Gemeindeleben berücksichtigt werden: "Was hindert uns daran, ihre Not im Gebet und in den Fürbitten des Gottesdienstes mitzutragen?"

Während des Caritastages berichteten Teilnehmer auch über ihre konkrete Arbeit. So stellte Diakon Wolfgang Sternal aus Jena das Projekt "Ich verschenke Zeit" vor, dass in der Vorbereitung des Elisabeth-Jahres durch die Gemeinde- Gruppe Diakonie entwickelt wurde. In einer besonderen Aktion wurden vor Ostern Familien der Jenaer Tafel eingeladen. Bei Kuchen, Gesprächen, Infos zur Kirche und zur christlichen Ostersymbolik, Bastelangeboten und einem Orgelspiel lernten sich die Gemeinde und ihre Gäste kennen. Diakon Sternal: "Unsere Erfahrung ist, es ist gut immer wieder Gruppen in den Blick zu nehmen, die am Rande der Gesellschaft stehen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.06.2007

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