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Am Ende ein geliebter Mensch

Ökumenische Gedenkfeier der Universität Jena für Körperspender

'Denen zum Gedenken, die noch nach dem Tode halfen': Grabstein der Körperspender der Anatomie der Universität Jena. Foto: Matthias Holluba Jena - Einmal im Jahr veranstaltet das Institut für Anatomie der Universität Jena eine ökumenische Gedenkfeier für diejenigen Menschen, die ihren Körper nach dem Tod für die medizinische Ausbildung oder Forschung zur Verfügung gestellt haben.

"Wir danken in dieser Feier all jenen Menschen, die auch über den Tod hinaus einen Dienst für den Nächsten geleistet haben." Der katholische Studentenpfarrer Ansgar Pohlmann begrüßt mit diesen Worten einen sehr gemischte Gemeinde. Die Friedenskirche in Jena in unmittelbarer Nachbarschaft zum Institut für Anatomie der Universität ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Mitarbeiter der medizinischen Fakultät und Medizin- und Zahnmedizinstudenten sitzen neben Angehörigen von Menschen, die im vergangenen Jahr nach ihrem Tod als Körperspender für die medizinische Ausbildung und Forschung zur Verfügung standen. Gemeinsam gedenken sie -Christen und Nichtchristen -der 50 erwachsenen Körperspender sowie der 27 Kinder, die während oder kurz nach der Geburt gestorben sind.

1993 fand die erste Gedenkfeier statt

Initiatorin der jährlichen Gedenkfeier ist Oberärztin Rosemarie Fröber: "Früher wurden die Leichen einfach vom Totenbett abgeholt und das war's dann. Das hat mir nicht gefallen." Und so hat sie die Gedenkfeiern angeregt, deren erste 1993 stattfand. Diese Feiern sind Ausdruck des Dankes an die Körperspender und sie geben den Angehörigen die Möglichkeit, sich von ihren Verstorbenen zu verabschieden. (Körperspender werden erst nach mehreren Jahren im Familiengrab oder in der Grabstätte der Fakultät beigesetzt.) Institutsdirektor Christoph Redies: "Lehrende und Studierende sind sich bewusst, was es für Angehörige heißt, wenn ohne Beerdigung ein endgültiger Abschied nicht möglich ist."

Vor allem sind es die Studenten, die die Feier gestalten und so ihren Dank für diese Möglichkeit der Ausbildung ausdrücken. "Das ist ein unschätzbarer Dienst an uns und unseren künftigen Patienten", sagt Carolin Fabisch. Ihr Kommilitone Markus Neumann betont, dass er wohl für alle spreche, wenn er sage, "dass niemand ohne Ehrfurcht und Bewunderung für den Körperspender die Ausbildung am menschlichen Leichnam absolviert". Zwar weiche die anfängliche Beklemmung einer professionellen Sicht, doch die Frage, was einen Menschen zur Körperspende bewegt habe, beschäftige ihn immer wieder: "War es der Wunsch, jungen Menschen eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen? Oder die Hoffnung, der eigenen Existenz im Tod einen Sinn zu geben? Oder der Wunsch, anderen Menschen nach dem eigenen Tod zu dienen."

Jeder Körperspender ist ein geliebter Mensch

So bleibt -bei aller wissenschaftlichen Sachlichkeit -am Ende doch der Blick auf den Menschen als Individuum. Institutsdirektor Redies: "Der menschliche Körper lässt sich nicht auf Anatomie reduzieren, sondern er ist der geliebter Mensch." Besonders deutlich wird das am Ende der Gedenkfeier, wenn die Namen der Körperspender vorgelesen und Kerzen für sie angezündet werden.



Informationen zur Körperspende auf der Homepage des Institutes: www.anatomie1.uniklinikum-jena.de/Startseite.html

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 14.06.2007

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