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Anstoß

Zeigt her eure Schuh

Was haben Schuhe und ein neu geweihter Priester miteinander zu tun

Martin Weber

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie kennen sicher den alten Ausspruch: "Um einen Primizsegen zu erlangen, muss man ein paar Schuhsohlen durchlaufen!"

Es ist schön, dass am 10. Juni in unserer Leipziger Liebfrauen-Pfarrei wieder eine Primiz stattfindet. Einem meiner Mitbrüder aus der Gemeinschaft des Leipziger Oratoriums wird am 9. Juni durch unseren Bischof Joachim Reinelt die Priesterweihe gespendet. Einen Tag darauf findet seine Primiz statt. Die Primiz ist die erste Eucharistiefeier eines neu geweihten Priesters, des sogenannten Primizianten.

Für den neuen Priester ist die Primiz so etwas wie die geistliche "Hochzeit" mit der Kirche. Zum Abschluss dieser Feier spendet er den Primizsegen. Viele Menschen freuen sich über die Berufung, die hier gelebt und gefeiert wird. Da kommen Verwandte, Freunde und Wegbegleiter aller Art zusammen. Vielen von ihnen wird der Neupriester an diesem Wochenende die Hände auflegen und den Segen Gottes für sie persönlich erbitten.

"Für einen Primizsegen sich ein Paar Schuhsohlen durchlaufen." Weite Wege auf sich zu nehmen, um die Freude über den neuen Anfang zu teilen und den Segen Gottes in dieser besonderen, persönlichen Weise zu empfangen und miteinander zu teilen, das ist auch heute noch alle Mühe wert. Immer wieder erlebe ich, wie viel Wertschätzung Menschen einer persönlichen Segnung entgegenbringen: Für sich selbst, für ihre Gesundheit, für ihre Beziehung zueinander, für ihre Kinder, für Menschen, die sie lieben. In den verschiedenen Lebenslagen hilft es, durch den Segen von Gott her die Zusage zu hören: Du bist von Gott geliebt! Er behütet dich und dein Leben. Menschen zu segnen ist für mich eins der intensivsten, schönsten und wichtigsten Elemente priesterlichen Dienstes.

Und es ist gut, dass dies nicht auf den geweihten Priester beschränkt ist, sondern dass Menschen überall füreinander zum Segen und zu Boten der Freude werden können. Schon beim Propheten Jesaja im Alten Testament können wir lesen: "Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt ..." (Jes 52, 7).

Unserem Neupriester, aber auch allen anderen Christen, wünsche ich die Erfahrung dieser Freude, die uns im Leben vorwärts bringt und uns ermutigt, uns für den Segen Gottes die Schuhsohlen durchzulaufen.

Kaplan Martin Weber
Leipzig

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.06.2007

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