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Bistum Erfurt

Der Glaube drängt uns

Diözesancaritasdirektor Bruno Heller: Die Situation unserer Mitmenschen ist uns nicht egal

Diözesancaritasdirektor Bruno Heller: Kirche ist mit der Caritas in der Gesellschaft präsent. "Elisabeth bewegt -zur Liebe, die verkündet" ist das Motto eines Caritastages im Elisabeth- Jahr 2007. Er findet am 16. Juni in Erfurt statt. Diözesancaritasdirektor, Domkapitular Bruno Heller informiert im Vorfeld über Anliegen und Hintergründe im Gespräch mit unserer Zeitung:

Der Caritastag versteht sich als Ergänzung zum Pastoraltag. Was sind die Schwerpunkte?

    Es geht schwerpunktmäßig um die Verkündigung. Unser alltägliches Tun in den Einrichtungen und Diensten -die liebende Zuwendung zum Nächsten -ist Verkündigung. Wir wollen an diesem Tag über die Quellen und Wurzeln unseres Dienstes nachdenken und darüber, wie wir mit Zweifel und Misserfolg umgehen. Darüber hinaus wollen wir uns aber auch Fragen stellen: Sprechen wir als Haupt- und Ehrenamtliche über Gottes Güte und Liebe? Sprechen wir über den Glauben der heiligen Elisabeth, einem Glauben, der sie trug und ihr Halt und Stütze gab? Sprechen wir davon, was uns trägt? Dabei ist und bleibt es unverzichtbar, dass das christliche Profil einer Caritaseinrichtung oder eines Beratungsdienstes von allen mitgetragen und gefördert wird. Ein wenig salopp gefragt: Da wo Caritas dransteht, muss da nicht auch Caritas drin sein?

Wie schätzen Sie die Situation in den Einrichtungen der Caritas ein. Was unterscheidet beispielsweise ein Caritas-Altenheim von anderen?

    Die Caritas steht im Meinungsbild der Gesellschaft hoch im Kurs. Das belegen Umfrageergebnisse. Dazu kommt auch ein recht hoher Bekanntheitsgrad im Osten. Geachtet wird der Einsatz für Randgruppen, der Dienst und die Lobbyarbeit für Behinderte, Alte und Kranke. Caritas erreicht Menschen, die mit der Kirche sonst niemals Kontakt bekommen hätten. Das war und ist eine Chance für die Kirche und für die Verkündigung. Das ist unser Anspruch: Wir wollen Kirche mitten unter den Menschen, mitten in der Gesellschaft, für alle greifbar machen, bildlich gesprochen: Wir wollen mit dazu beitragen, den Himmel für allen Menschen offen zu halten.

Woher nimmt der gläubige Mensch die ausdauernde Kraft für die Hinwendung zum Nächsten?

    Es gibt hilfreiche Stichworte. Dazu zählen: Glaubenszuversicht und Gottvertrauen, Führungsqualität, Transparenz und Vorbild, Dienstgemeinschaft, Kompetenz, Verbindlichkeit und Loyalität. Und es zählt das gute Wort, das Lächeln zur rechten Zeit, an der richtigen Stelle. Es sind mitunter Kleinigkeiten, die oft so viel bewirken können. Das klingt einfach und ist oft so schwer. Das christliche Profil, der Unterschied zu anderen sozialer Trägern, muss -wie bereits erwähnt -Aufgabe und Anliegen aller Mitarbeiter sein. Dabei praktizieren wir seit vielen Jahren ein gutes Miteinander im ökumenischen Geist und unter Einbeziehung der konfessionslosen Mitarbeiter.
    Allerdings bedarf es auch der Rahmenbedingungen, die Staat und Kirche gemeinsam schaffen müssen. Wer Dienste und Einrichtungen ständig neuen finanziellen "Kürzungswellen" aussetzt, kann nicht auf Dauer gleiche Qualität, Kompetenz, Innovation und Leistungsfähigkeit einfordern.

Kann die Caritas die Seelsorge in den Blick nehmen?

    Die Haupt- und Ehrenamtlichen können und wollen die Seelsorge in den Blick nehmen. Caritas und Pastoral sind zwei Seiten einer Medaille. Unser Glaube drängt uns zur tätigen Nächstenliebe. Die Situation unserer Mitmenschen ist uns nicht egal, sie lässt uns nicht kalt. Im Gegenteil: Christen engagieren sich überdurchschnittlich im Ehrenamt und spenden viel und viel häufiger als Nichtchristen. Da ist es völlig egal, ob wir im pastoralen oder im karitativen Dienst stehen. Es geht um das "Heil" für jede und jeden. Dieser Ansatz klingt fromm, aber er trägt, denn "Heil" meint entschieden mehr als Gesundheit.

Haben Sie Erwartungen an die Pfarrgemeinden vor Ort?

    Dazu ist beim Pastoraltag im April vieles gesagt worden. Eines ist mir aber ganz wichtig: Gemeinden, besser der einzelne Christ, darf die Augen für die Not der Mitmenschen nicht verschließen. Es gibt Ausgrenzung, Einsamkeit und Isolation, echte Not und Armut mitten in der Gesellschaft. Gemeinde sollte für diese Wahrnehmung aber auch sensibel sein. Das kostet Aufmerksamkeit und Zeit. Daraus muss dann Engagement erwachsen, das sich in der Gemeinschaft ja bedeutend leichter Tragen lässt als allein. Ich wünsche mir die Nähe der verbandlichen Caritas zur Pfarrgemeinde, den Austausch und das Wissen voneinander. Die gepflegte Beziehung kann für beide Seiten nur befruchtend sein und zeigt, dass Kirche Hand anlegt und somit in zentralen Lebensfeldern der Menschen präsent ist.
    Zum anderen möchte ich an den Gedanken unseres Bischofs zur Schaffung von Caritasteams in den Gemeinden erinnern. Sie können eine Art Seismograph zur Wahrnehmung von Not im konkreten Umfeld der Pfarrei sein. Ähnlich sieht ja die Arbeit unserer Caritashelferinnen und Helfer aus. Sie stellen Kontakte her, machen auf Not aufmerksam und helfen dort, wo Hilfe gebraucht wird. Damit es nicht zu Überforderung kommt, sollte die verbandliche Caritas mit im Boot sitzen. Wichtig ist hierbei auch die Anerkennung und Begleitung ehrenamtlicher Arbeit.
Fragen: Holger Jakobi

Hintergrund

Der Caritastag des Bistums Erfurt zu dem haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Caritas sowie Vertreter der Pfarrgemeinden eingeladen sind steht unter dem Motto "Elisabeth bewegt -zur Liebe, die verkündet". Nach dem Festgottesdienst im Erfurter Dom, der am 16. Juni um 9 Uhr beginnt, gibt es im ersten Teil des Tages zwei Referate. Es sprechen dabei der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher und Bischof Dr. Joachim Wanke. Danach folgt ein erstes weiterführendes Podium. Im zweiten Teil sind die Teilnehmer dazu eingeladen, sich an verschiedenen Dialogangeboten zu beteiligen: Sie finden in verschiedenen sozialen Einrichtungen Erfurts zu den Themen Not, Projektarbeit, Ehrenamt und Kinder statt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.06.2007

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