Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Job oder Berufung

Caristasmitarbeiter-Broschüre lädt zu Gesprächen über den christlichen Anspruch des Verbandes ein

Claudia Kern Was können Caritas-Mitarbeiter aus der Papst-Enzyklika "Deus caritas est" schöpfen? Dieser Frage geht die Handreichung "Zum L(i)eben berufen" nach, mit der ein kleines Team um Caritas-Öffentlichkeitsreferentin Claudia Kern das Gespräch im eigenen Verband eröffnet hat.

Warum braucht es Ihrer Meinung nach eine Handreichung, die Caritas-Mitarbeiter an ihren christlichen Anspruch erinnert?

    Der Anstoß dazu kam bei einem Einkehrtag der Verwaltungsmitarbeiter im Diözesanverband. Im Anschluss an einen Vortrag über die Enzyklika zeigte sich ein großer Bedarf, das Gehörte zu vertiefen und darüber ins Gespräch zu kommen. Und dabei wollten wir auch diejenigen einbeziehen, die in den Einrichtungen in unmittelbarerem Kontakt mit Rat suchenden und Hilfsbedürftigen stehen. Die Handreichung lädt zum Weiterdenken und -sprechen ein.

Worin sehen Sie den wesentlichen Impuls der Enzyklika für die Caritas-Mitarbeiter im Bistum?

    Wir sahen die Enzyklika vor allem als Chance, die Rückbesinnung auf das eigene Tun anzuregen. Ich denke, es kann eine Hilfe im täglichen, oftmals auszehrenden Arbeitsleben sein, uns bewusst zu machen, dass wir nicht immer nur die Gebenden sind, sondern zuerst Empfangende der Liebe Gottes. "Lasst euch beschenken und stärken, schöpft aus der Quelle!", lautet die wesentliche Botschaft.

Die jetzt vorliegende Fassung ist bereits das Ergebnis eines Gesprächsprozesses. Die Mitarbeiter hatten Gelegenheit, auf einen ersten Entwurf zu reagieren. Was kamen da für Reaktionen?

    Ganz unterschiedliche -etliche waren mit dem Entwurf so einverstanden. Einige stellten den Sinn eines derartigen Gesprächsprozesses in Zweifel. Besonders wertvoll waren die Hinweise der nicht christlichen Mitarbeiter, die wir ja sehr bewusst mit einbeziehen wollten. Sie fragten zum Beispiel: "Sind Menschen, die nicht an Gott glauben, schlechtere Menschen? Ist ihr Einsatz in Ihren Augen auch Liebe oder werten Sie ihn nur als bloße Aktion?" Wir haben gemerkt, dass es im Umgang mit ihnen eine größere Sensibilität verlangt. Das bedeutet nicht, dass man die Botschaft der Enzyklika abmildern muss. Auf Anregung nicht christlicher Caritas-Mitarbeiter entstand auch ein Glossar, das kirchliche Begriffe erklärt.

Sie geben eine Menge praktischer Anregungen. Sind die alle bereits im Alltag erprobt?

    Einige ja. Der Vorschlag, an der Arbeitsstelle täglich eine kurze Zeit für das gemeinsame Gebet einzuplanen, ist beispielsweise auch bei uns hier im Haus gängige Praxis. Manches haben wir auch von anderen Verbänden übernommen, wie etwa den Vorschlag, sich als Caritas-Einrichtung mit christlichen Politikern und Unternehmern auszutauschen.

Die Handreichung greift unter anderem das Miteinander zwischen Pfarrgemeinden und Caritas-Einrichtungen auf -vielerorts ein neuralgischer Punkt -warum eigentlich?

    Ich denke, dass das vor allem historisch bedingt ist. Zu DDR-Zeiten war die Caritas sehr überschaubar, und es war selbstverständlich, dass etwa der Dekanatsfürsorger im engen Kontakt zum Pfarrer stand. Nach der Wende hat der Verband auch eine Reihe von Diensten aus nicht kirchlicher Trägerschaft übernommen. Da gab es natürlich keine selbstverständliche Beziehung mehr zur Pfarrgemeinde. Vieles ist heute unüberschaubarer geworden. Wir haben Mitarbeiter angestellt, die keine kirchliche Anbindung, aber die fachliche Qualifikation hatten. In manchen Einrichtungen arbeiten Katholiken, die anderswo wohnen und demnach auch nicht in der Gemeinde vor Ort präsent sind. Ich möchte betonen, dass wir die Handreichung nicht in erster Linie erstellt haben, um zu demonstrieren, dass die Caritas doch noch katholisch ist. Die Pfarreien sind für alle Menschen zuständig, die in ihrem Gebiet wohnen. In einem intensiveren Miteinander von Caritas und Gemeinden kann dies wieder neu in den Blick gerückt werden.

Haben Sie von der Auseinandersetzung mit der Enzyklika auch persönlich profitiert?

    Die Ausarbeitung der Handreichung war auch für mich mit einem Reflexionsprozess verbunden. Meine Einstellung zur Arbeit, die gelebte Nächstenliebe im beruflichen und privaten Bereich kam auf den Prüfstand, ein wenig wie bei "Exerzitien im Alltag". Es gab Augenblicke, in denen ich im Büro eine Kerze angezündet und Gott um Hilfe gebeten habe.
Fragen: Dorothee Wanzek

Hintergrund

Die Handreichung "Zum Lieben berufen" wurde von Mechthild Gatter, Claudia Kern und Matthias Mader entworfen. Bei der Caritas-Mitarbeiterwallfahrt am 23. Mai wurde sie offiziell vorgestellt. Sie enthält Reflexionen und praktische Tipps, beispielsweise für das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen oder zur Sensibilisierung für weltweite Solidarität.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.06.2007

Aktuelle Buchtipps