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Aus der Region

Christliche Klinikkultur nötig

Krankenhausvertreter aus den Bistümern Erfurt und Magdeburg im Gespräch

Freyburg - Die Bistümer Erfurt und Magdeburg haben im Elisabeth-Jahr die Verantwortlichen der katholischen Krankenhäuser der Region zu einer Tagung eingeladen. Dabei ging es um die Frage, wie es gelingen kann, das kirchliche Profil der Kliniken zu wahren oder gar zu schärfen.

Krankenhausfallpauschalen, sinkender Anteil getaufter Mitarbeiter, Verringerung des Personals, kürzere Verweildauer der Patienten und höhere Behandlungsintensität, Verdrängungswettbewerb zwischen Klinken ... Wie kann es angesichts der geradezu Konflikte provozierenden Rahmenbedingungen gelingen, in den kirchlichen Kliniken ein eigenes Profil zu wahren und weiterzuentwickeln? Mit dieser Frage befassten sich 60 Verantwortliche aus den katholischen Krankenhäusern in den Diözesen Erfurt und Magdeburg am 31. Mai auf der Neuenburg bei Freyburg (Unstrut).

Sorge um den ganzen Menschen

"Unsere Krankenhäuser haben eindeutig einen kirchlichen Sendungsauftrag" und leisten "nicht am Rand der Kirche, sondern mitten dort, wo Menschen leben und leiden, ihren Dienst". Dies betonte Ulrike Kostka vom Deutschen Caritasverband (DCV) Freiburg (Breisgau). Dieser kirchliche Dienst umfasst die "ganzheitliche Sorge" um den Patienten, zu der "neben der Leibsorge auch das persönliche Gespräch, die seelsorgliche Begleitung und die Sorge um die Beziehungen, in denen der Patient steht", gehören. Diejenigen, die diese Sorge professionell umsetzen, brauchen selbst "Anerkennung und Wertschätzung", zumal sie "für viele Menschen einmalige Erfahrungsorte der Kirche und damit missionarisch tätig sind", so die Leiterin für theologische und verbandliche Grundlagen beim DCV.

Angesichts immer enger werdender Klinikbudgets warnte die DCV-Vertreterin davor, zu knappe finanzielle Ressourcen und die sich daraus ergebenden Probleme "einseitig auf den Schultern der Mitarbeitenden auszutragen" oder diesen "Rationierungsentscheidungen aufzuladen". Der Erhalt von Arbeitsplätzen sei wichtig, so die Caritas-Klinikexpertin, "aber nur, wenn eine angemessene Vergütung möglich ist." Nicht tolerabel sei "eine implizite Rationierung". Sollte es ohne eine solche stillschweigende Begrenzung medizinischer Leistungen für bestimmte Patientenkreise nicht gehen, habe die Klinik die Pflicht, gemeinsam mit anderen auch politisch gegen die Ursachen vorzugehen und die Probleme anzupacken.

Die DCV-Mitarbeiterin plädierte für klinische Ethikkomitees, ethische Fallbesprechungen und andere Formen der Beratung und Supervision, die dazu beitragen, dass "der Umgang mit den Patienten und Angehörigen nicht dem Zufall überlassen bleibt". Vor allem gehe es dabei "um die Schaffung einer eigenen Klinikkultur, um Bewusstseinsbildung und Standards" in den Einrichtungen, damit nicht zuletzt darüber das besondere christliche Profil erfahrbar wird. Dazu müsse etwa eine anwaltschaftliche Grundausrichtung gehören. Sie selbst habe bei Verwandten erlebt, wie wichtig für Patienten, die sich nicht selbst angemessen vertreten können, Menschen sind, die anwaltschaftlich für sie sorgen, berichtete die Referentin. Ansonsten könnten- Patienten leicht unter die Räder kommen.

Berechtigte Erwartungen der Klinik-Mitarbeiter

Die Verantwortung für das christliche Profil liegt vorrangig beim Träger und bei der Leitung, so Ulrike Kostka weiter. Die Mitarbeiter hätten "zu Recht eine besondere Erwartung an einen kirchlichen Träger und ihre Arbeitsbedingungen". Das Profil werde im "Führungsstil, in der Transparenz von Entscheidungen und den Partizipationsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden" deutlich. Von großer Bedeutung sei deshalb die Befähigung des Führungspersonals. Leitung und Träger seien es auch, die für die Mitarbeitenden immer wieder "Erfahrungsorte für den Glauben" und "Formen, den Glauben zu feiern", anbieten müssten.

Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Kliniken stärken

In der Diskussion wies Diakon Reinhard Feuersträter vom Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle darauf hin, das sich Klinikseelsorge heute gegenüber Patienten, Mitarbeitern und dem Krankenhausklima als Ganzem in die Verantwortung nehmen lassen müsse. In der Praxis allerdings habe der Seelsorger im Blick auf die Patienten alle Freiheiten, sei aber hinsichtlich der konkreten Krankenhausorganisation zuwenig integriert. Auf die mehrschichtige Aufgabe von Krankenhausseelsorge hatte zuvor auch der zweite Referent der Tagung, der Klinikseelsorger und Dominikaner-Pater Victor Gisbertz vom Malteser- Krankenhaus Bonn-Hartberg hingewiesen.

Während sich der Erfurter Bischof Joachim Wanke für wenige, exemplarische Kliniken aussprach, um zu zeigen, dass die Kirche im ganz praktischen Lebensalltag konkret Hand anlegen kann, plädierten Ulrike Kostka und Pater Gisbertz im Sinne des missionarischen Auftrages für ein möglichst umfassendes Engagement.

Der Erfurter Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit kirchlicher Krankenhäuser aus und betonte, das Profil der Kliniken dürfe nicht nur in Symbolen und Riten zum Ausdruck kommen, sondern müsse den Alltag aller Mitarbeiter prägen und so für die Patienten deutlich werden. Der kaufmännische Direktor der Magdeburger Klinik St. Marienstift, Stephan Wegener, zeigte sich angetan von der Tagung. "Für mich ist erneut deutlich geworden: Hinsichtlich des Profils kann den Mitarbeitern nicht einfach etwas anerzogen werden. Wie unsere Bevölkerung sind unsere Mitarbeiter zu rund 80 Prozent nicht getauft, aber sehr wohl hoch engagiert in ihrem Dienst", so Wegener. Das Profil unserer Klinik zu verwirklichen, heißt bei uns, Menschen persönliche Zuwendung und Geborgenheit zu schenken und Menschlichkeit zu praktizieren, betonte der Ärztliche Direktor der gleichen Klinik, Hans-Peter Hennig.

Bischof Wanke regte am Ende der Tagung an, die praktizierte Dienstgemeinschaft katholischer, evangelischer und nicht christlicher Mitarbeiter in den konfessionellen Krankenhäusern Ostdeutschlands zu untersuchen und die Ergebnisse als modellhafte Erfahrung auch Kliniken andernorts zur Verfügung zu stellen.

Zu der Tagung hatten im Auftrag der Diözesan-Caritasverbände Erfurt und Magdeburg die Akademien der Bistümer eingeladen. Sie fand im Jahr des 800. Geburtstages Elisabeths auf der Neuenburg und damit an einem Orte statt, an dem die Thüringer Landgräfin Zeiten ihres Lebens verbrachte.



Impuls - Die Praxis Elisabeths von Thüringen als Vorbild

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige erinnerte bei einem Gottesdienst zu Beginn der Krankenhaus-Tagung auf der Neuenburg bei Freyburg daran, dass Elisabeth in den Armen und Kranken Christus selbst erblickt hat. Gottes- und Nächstenliebe seien in ihr ganz christlich eins geworden. Diese enge Verbindung zwischen Gottes- und Nächstenliebe bewahrt davor, "dass einem angesichts der Härte der Realität der Atem ausgeht und man selbst hart wird", so der Bischof. Sie hilft, am Auftrag festzuhalten, "wenn man keinen Erfolg sieht" und auch "denen Gutes zu tun, die uns hassen". Feige weiter: "Angesichts der Gnadenlosigkeit in unserer Gesellschaft mit ihren vielfältigen Zwängen braucht es das Zeugnis von der Liebe Gottes zu allen Menschen." Hier sei bedingungsloser Dienst besonders an den Armen gefordert.

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke stellte das große Einfühlungsvermögen Elisabeths gegenüber den Armen vor Augen, als die Landgräfin etwa während der Hungersnot 1225/26 den Armen Hilfe zur Selbsthilfe gab. In der heutigen Zeit, "die immer kommerzialisierter und unbarmherziger wird", werde es zunehmend darauf ankommen, die Menschenwürde im Blick zu behalten. Eine entscheidende Aufgabe und Brücke zwischen den Religionen könnte darin bestehen, "die Mitleidsfähigkeit hochzuhalten und in der Leidensempfindlichkeit stark zu bleiben". Von Elisabeths Leben und Wirken könne abgelesen werden: Es kommt vor allem darauf an, ob die handelnde Person bei ihrem Wirken ihr Herz auftut. Wenn dies in den kirchlichen Kliniken geschieht, könnten sie "Pflanzstätten des Glaubens bleiben", in denen Christen wie Nichtchristen etwas für ihr Leben gewinnen können, so der Bischof.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.06.2007

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