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Bistum Magdeburg

Singen wie andere Sport treiben:

Erfolgreicher Mädchenchor Wernigerode singt auch geistliche Musik

Henrike Kant, Maria Schatz, Chorleiter Bertram Zwerschke, Marina Franke und Henriette Kohl vor Konzert-Plakaten, Fotos und Auszeichnungen des Wernigeröder Mädchenchores. Foto: Eckhard Pohl

Wernigerode - Der Mädchenchor Wernigerode zählt zu den führenden Chören seiner Art in Deutschland und darüber hinaus. Zum Repertoire der jungen Frauen gehört neben Volksliedern nicht zuletzt auch geistliche Musik alter und moderner Meister, manchmal mit Folgen ...

Der Klang ihrer Stimmen ist beeindruckend. Und dies auch schon dann, wenn sich die 14- bis 20 Jahre jungen Sängerinnen nur für eine Probe einsingen. Ton für Ton steigen die Schülerinnen der neunten bis dreizehnten (ab 2008: zwölften) Klassen dabei immer mehr in die Höhe und erreichen die Töne dennoch mit Bravour und großem Volumen.

Drei- bis viermal in der Woche üben die 60 Mädchen mit ihrem Chorleiter Bertram Zwerschke (50). Schließlich gehört die Chormusik zum festen Programm der Schülerinnen des Landesgymnasiums für Musik in Wernigerode. Das Repertoire des 1977 gegründeten Ensembles umfasst Volkslieder, Werke der Romantik und alter Meister, geistliche und Gegenwartsmusik, darunter nicht zuletzt auch Werke für Frauenchöre. Neben dem Mädchen-Ensemble gibt es auch den (seit 1951 bestehenden) gemischten Rundfunk- Jugendchor und die beiden Kinderchöre der Klassen 5 und 6 beziehungsweise 7 und 8 an der Bildungseinrichtung des Landes Sachsen-Anhalt. Zusätzlich zu den ständigen Proben haben die Schüler während des regulären Schulunterrichts auch Musikgeschichte, Gehör- und Stimmbildung, Tonsatz, Chorleitung.

    Schulischer Schwerpunkt: Vokalmusik

Jedes Jahr ist der Mädchenchor bis zu 14 Tagen auf Tournee, gerade waren die jungen Frauen in Reutlingen, Thun im Berner Oberland, Paris, Straßburg unterwegs. Aller vier Wochen geben sie irgendwo in Deutschland Konzerte. Bei Chorwettbewerben belegen sie meist erste und zweite Plätze. Zudem steht derzeit wieder eine CD-Aufnahme an. Ein mehr als umfangreiches Programm also, das wenig freie Zeit lässt.

"Klar ist das ein volles Programm", sagt Marina Franke (16). "Aber das ist für uns Normalität geworden. Trotzdem finden wir Zeit, mit unseren Freunden wegzugehen ..." Maria Schatz (17): "So wie andere intensiv Sport treiben, kreist bei uns vieles um die Musik." Henrike Kant (17) lobt den guten Zusammenhalt. "Außerdem sind wir auch ein bisschen stolz, in einem solchen Chor mitzusingen, und das motiviert." Allerdings gebe es auch eine Reihe von Mitschülerinnen, die, weil sie den regulären schulischen Anforderungen neben den musikalischen Schwerpunkten nicht gewachsen sind, das Gymnasium wieder verlassen, räumen die Mädchen ein.

"Unsere Schüler müssen den Spagat zwischen den schulischen Anforderungen und den erheblichen künstlerischen Ambitionen bewältigen", sagt Dirigent und Musiklehrer Zwerschke, der selbst von 1971 bis 1975 die damaligen Spezialklassen für Musikerziehung Wernigerode absolvierte und seit 1981 den Mädchenchor leitet. "Ich bewundere unsere Sänger, wie sie das hinbekommen. Aber was Freude macht, belastet eben nicht. Drei Voraussetzungen", ist der Musikpädagoge überzeugt, "sollten unsere Schüler mitbringen: eine solide schulische und allgemeine Vorbildung, eine gesunde Stimme und Liebe zur Musik." Von den 320 Schülern an dem Spezialgymnasium leben 200 im zur Schule gehörenden Internat. Sie kommen aus ganz Deutschland, vor allem aus den jungen Bundesländern. Eine ganze Reihe von ihnen, so Zwerschke, habe ein christliches Elternhaus.

    Musik lässt existentielle Fragen stellen

Wie Marina Franke, Maria Schatz und Henrike Kant. Und auch Henriette Kohl, die vierte Gesprächspartnerin, glaubt an Gott und hat sich deshalb in diesem Frühjahr taufen lassen. "Das sind sehr schöne Erlebnisse für mich hier an der Schule, wenn junge Leute beginnen, sich ernsthaft für Glaubensfragen zu interessieren", sagt Chorleiter Zwerschke, der selbst katholisch ist. Dass es dazu kommt, liege wohl nicht zuletzt an den vielen geistlichen Liedern und Werken wie etwa der Passion, die die Schüler einstudieren. Schaut man sich allein die veröffentlichten CD's der letzten Jahre an, wird dies deutlich. So sind etwa mehrere Aufnahmen mit christlichen Weihnachtsliedern oder unter dem Titel "Ave Maria" festliche Chor- und Orgelmusik erschienen. "Immer wenn wir auf Tournee unterwegs sind, werden wir auch eingeladen, Gottesdienste mitzugestalten", erzählt Bertram Zwerschke. "So haben wir schon in Würzburg, in Nürnberg oder in Lübeck im Gottesdienst gesungen." "Natürlich gibt es zu den geistlichen Werken auch entsprechende Einführungen", bestätigen die Schülerinnen. "Da setzt man sich ganz selbstverständlich mit Glaubensthemen auseinander." Nach dem Abitur wollen die jungen Frauen Musik-Lehrerin oder Musiktherapeutin werden, Chorleitung oder Theologie studieren.

"Wir Mler", wie die "Musikgymnasiumler" in Wernigerode genannt werden, "sind schon eine besondere Spezies", sagen die jungen Frauen schmunzelnd. Und gehen zur Chorprobe.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.05.2007

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