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Aus der Region

Gottes Liebe ausstrahlen:

Vier Diakone werden in diesen Tagen zu Priestern geweiht

Sie verbindet nicht nur ihre Ministrantenlaufbahn: Mariusz Noparlik, Michael Jäger, Steffen Riechelmann und Michael Noack (von links). Die Diakone werden in diesen Tagen zu Priestern geweiht. Fotos: Dorothee Wanzek

Sie haben eine Menge gemeinsam, die vier jungen Männer, die für die Bistümer Dresden- Meißen, Erfurt und Görlitz in Kürze zum Priester geweiht werden:

Alle vier sind in christlichen Familien aufgewachsen -Michael Jäger in Heilbronn am Neckar, Mariusz Noparlik im polnischen Krapkowice, Steffen Riechelmann in Breitenworbis und Michael Noack in Cottbus. Sie waren allesamt Ministranten und sind auf ihre Berufung in eher unspektakulärer Weise gestoßen. In ihren Familien und Gemeinden hat ihre Entscheidung, Priester zu werden, ausschließlich freudige Reaktionen ausgelöst. Ihre Praktikumsgemeinden, in denen sie sich auf die Priesterweihe vorbereitet haben, empfanden sie allesamt als Glücksgriff. Gemeinsam ist ihnen auch die Überzeugung, dass gelebte Gemeinschaft heute mehr denn je eine wichtige Grundlage dafür ist, ein guter Priester sein zu können. Und sie teilen die Entschlossenheit, sich keinesfalls als "Verwaltungsangestellter mit festen Gebetszeiten" (eine Formulierung von Steffen Riechelmann) verheizen lassen zu wollen.

Bei aller Übereinstimmung -ihre künftigen Gemeinden können sich auf markante Persönlichkeiten freuen. Das Bistum Dresden- Meißen profitiert -wie bereits im vergangenen Jahr -von Zuwanderung aus anderen Diözesen.

Michael Jäger kommt aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart und ist dem Oratorium in Leipzig-Lindenau beigetreten. Anders als die drei anderen Diakone wird der 28-Jährige nicht am Samstag vor Pfingsten in der Bischofsstadt, sondern am 9. Juni in der Lindenauer Liebfrauenkirche geweiht. Eigentlich wollte Michael Jäger Gartenbau studieren, doch als er während seines Zivildienstes mehrmals sowohl von Christen als auch von Nichtchristen zu hören bekam "Wir könnten uns gut vorstellen, dass du Priester wirst", wurde er nachdenklich. Er sagte sich "Warum soll ich es nicht wenigstens einmal probieren?", überwand seine inneren Widerstände gegen das Erlernen alter Sprachen, machte sich auf den Weg und nahm das Theologiestudium in Eichstätt auf.

Im Laufe des Studiums sah er sich in seiner Entscheidung immer mehr bestätigt, wenngleich in seinem Heimatbistum gerade der Umstrukturierungsprozess in vollem Gange war. Er erlebte, dass Priester, die plötzlich für zehn und mehr Gemeinden zuständig waren, von Verwaltungsaufgaben absorbiert zu werden drohten. In Heilbronn planten die Oratorianer zu der Zeit, eine neue Niederlassung zu gründen. Das Gemeinschaftsleben mit anderen Priestern schien dem Theologiestudenten eine gangbare Möglichkeit, die Berufung unter den aktuellen Bedingungen zu leben. Er besuchte die Oratorianer in München und in Leipzig und blieb in der sächsischen Messestadt "hängen". Dass er hier in den vergangenen Jahren ein Stück Heimat fand, hängt nicht nur damit zusammen, dass seine Mutter hier geboren wurde, glaubt Michael Jäger.

Gemeinschaften wie das Oratorium hält er gerade in Großstädten für zukunftsträchtig. Dem gelebten Miteinander zwischen Seelsorgeteam und Gemeinde traut er Ausstrahlungskraft zu. Dass ihm christliches Gemeinschaftsleben wichtig ist, wird auch in dem Primizspruch deutlich, den er im Kolosserbrief gefunden hat: "Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht" (Kol 3,14).

In der Teamarbeit mit anderen Priestern sieht er zudem den Vorteil, dass jeder seine Stärken und Schwächen optimal zum Wohl der Stadt einbringen könne. Seinen eigenen Schwerpunkt als künftiger Kaplan von Leipzig-Lindenau sieht er in der Kinder- und Jugendarbeit. Wie wichtig es ist, dass Seelsorger Menschen in diesem prägenden Lebensalter begleiten, ist ihm beim Rückblick auf die eigene Entwicklung bewusst geworden. Die gemeinsame Zeit mit seinem Heimatpfarrer und dessen Schwester, die in der Gemeinde mitarbeitete, habe in seinem Leben als Christ vieles grundgelegt, auf das er heute aufbauen könne.

Für seine Hobbies und Talente wird ihm seine Kaplanstätigkeit wahrscheinlich nur wenig Zeit lassen, vermutet Michael Jäger: Seit seinem elften Lebensjahr spielt er Querflöte. Er malt gerne und liebt Pflanzen. Auch wenn der zugepflasterte Lindenauer Pfarrhof für grüne Daumen kaum Spielraum lässt: Seit er zum Leipziger Oratorium gehört, bringen hier immerhin einige Topfpflanzen farbliche Bereicherung.

Mariusz Noparlik aus dem Bistum Oppeln zog es von klein auf in die Ferne. Etwas anderes zu sehen und zu erleben hatte er im Sinn, und eine Zeitlang spielte er mit dem Gedanken, Steyler Missionar zu werden. Es hat sich anders ergeben für den mit 26 Jahren Jüngsten der diesjährigen Weihekandidaten. Nach zwei Studienjahren in Oppeln ist er im Jahr 2001 der Einladung gefolgt, sich im Erfurter Priesterseminar auf den Dienst im Bistum Dresden- Meißen vorzubereiten. Ihn reizte nicht zuletzt auch der Gedanke als Priester in der ostdeutschen Diaspora womöglich intensiver herausgefordert zu sein als in der polnischen Volkskirche. Dass er als Theologiestudent kaum Sprachprobleme hatte, lag weniger an den deutschen Wurzeln seiner Familie als an der "Sendung mit der Maus" und den Zeichentrickserien, die er als Kind im Fernsehen angeschaut hat.

Eine Banklehre hatte er bereits hinter sich, als der Entschluss in ihm reifte, Priester zu werden. Im Freundeskreis reagierten manche zuerst überrascht: Der optimistische junge Mann, der gerne lacht und andere gern zum Lachen bringt, passte nicht in das Bild, das sie sich bisher von Priestern gemacht hatten. Österliche Freude ausstrahlen, den Menschen Gottes Liebe näherbringen, das steht in Mariusz Noparliks eigenem, vom Heimatpfarrer und Kaplänen mitgeprägten Priesterbild ganz oben. Auf seinen Primizspruch wurde er durch ein Lied aufmerksam, das er bei einem polnischen Jugendtreffen hörte: "Stark wie der Tod ist die Liebe", steht im Hohenlied 8,6. Die Liebe Gottes, der seinen Sohn auf die Erde sandte, ist für ihn Maßstab und Bezugspunkt seiner eigenen Liebe zu den Menschen. "Die Liebe ist bleibend" -das ist ihm unter anderem aufgegangen, als im Jahr 2002, kurze Zeit nach seinem Umzug nach Erfurt, sein Vater starb. Mit der hiesigen Diasporasituation wurde er insbesondere während seiner Praktika in Dresden-Strehlen, Markkleeberg und Meißen ein Stück vertrauter. In seiner Examensarbeit verschaffte er sich aus historischer Perspektive Einblicke in die Diaspora. Er widmete sich der Geschichte der katholischen Kirche in Beeskow. Eine vermögende Frau hatte das dortige Gotteshaus vor 75 Jahren aus eigener Tasche bezahlt. Neben der Historie hat Mariusz Noparlik auch noch zukunftsgewandte Interessen. Er beschäftigt sich mit Astronomie, Astophysik und Naturphilosophie.

Eine "spontane Idee" gegen Ende seiner Schulzeit stand bei Michael Noack (27) am Anfang, doch mittlerweile hatte der Cottbuser eine Menge Zeit, diese Idee auf den Prüfstand zu stellen. Wenn zwischendurch beispielsweise Weggefährten ausstiegen, die er sich als gute Priester hatte vorstellen können, war das jedesmal Anlass, die eigene Berufung neu in Frage zu stellen. Bei Schweigeexerzitien im Karmelitenkloster Birkenwerder hat er schließlich seine endgültige Entscheidung getroffen und fühlt sich dabei getragen vom Gebet, das viele Menschen ihm zugesichert haben.

Das Bild von Christus als gutem Hirten in der Sakristei der Christuskirche in seiner Heimatstadt war für ihn prägend, so sehr, dass er es als Primizbild ausgewählt hat. "Ich habe Jesus als Freund und Begleiter erfahren, als jemand, zu dem ich meinen Ärger und meine Freude bringen kann", sagt er, und hofft, dass er als Priester diese Erfahrung mit seinen Gemeinden teilen kann.

Dass er dann nicht nur für die Getauften da sein will, sondern für alle Menschen, ist ihm während seines Praktikums in Hoyerswerda besonders klar geworden. In der vom industriellen Niedergang, von Hoffnungslosigkeit und Lebensängsten geprägten Stadt schien ihm mit Händen greifbar, wie sehr den Bewohnern -auch wenn sie selbst das nicht unbedingt so empfinden -Gott fehlt. Gleichzeitig hat er in Hoyerswerda, aber auch in seinen anderen Praktikumsgemeinden, gespürt, dass die Kirche trotz sinkender Mitgliederzahlen überall auf Menschen bauen kann, die von ihrem Glauben erfüllt sind. "Daraus habe ich selbst Kraft geschöpft." Michael Noack denkt da zum Beispiel an eine Familie in Hoyerswerda: "Sie sind gewissermaßen Seelsorger ihres Elfgeschossers. Mit ihren Sorgen kommt die ganze Nachbarschaft zu ihnen."

Der angehende Priester sieht es als Herausforderung, in einer Sprache über seine christliche Hoffnung zu sprechen, die für jedermann verständlich ist. Bei Vorträgen über die Kirche, die er in Hoyerswerda vor nichtchristlichem Publikum hielt, aber auch im Kontakt mit Besuchern eines Caritas-Tagestreffs für psychisch Kranke, hat er das zu üben versucht. Die Notwendigkeit, sich nach außen zu öffnen, ist in einer so kleinen Ortskirche wie der Görlitzer augenscheinlicher als irgendwo sonst. Präsenz in den Medien zu zeigen ist daher einer der Vorsätze, die Michael Noack gefasst hat.

"Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, das größte aber ist die Liebe" (Kor 13,13) ist sein Primizspruch.

Steffen Riechelmann (34) hatte ein abgeschlossenes Jurastudium in der Tasche, als er begann, in Erfurt Theologie zu studieren. Während seines juristischen Referendariats hatte ihn die Frage beunruhigt: "Wird mich dieser Beruf ein Leben lang ausfüllen?" In dieser Zeit empfand er wieder die Anziehungskraft des Priesteramtes, die er schon als Kind verspürt hatte. In Gesprächen mit dem Jenaer Studentenpfarrer, mit christlichen und nichtchristlichen Freunden und mit Familienangehörigen bekam er daraufhin viel Bestärkung. Die endgültige Entscheidung fiel später während eines Freijahrs in Tübingen.

Seine Verwurzelung in der katholisch geprägten eichsfeldischen Heimat erlebte er auf seinem weiteren Weg als hilfreich. Die Tradition der Prozessionen und Wallfahrten -Frömmigkeitsformen, die den Menschen auch mit seinen Sinnen ansprechen -bedeutet ihm viel. Zugleich erlebte er im Priesterseminar das Zusammenleben mit Christen aus verschiedenen Bistümern als Horizont erweiternd. Gegenseitig haben sich die jungen Männer in ihren Heimatorten besucht. Für Steffen Riechelmann war es interessant zu erfahren, wie andere ihren Glauben in einer Diasporagemeinde oder beispielsweise in einer Berliner Großstadtpfarrei gelebt hatten. Als bereichernd erlebte er auch seine Praktika. In Heiligenstadt, Wolfmannshausen und Meiningen fand er den Vertrauensvorschuss überwältigend, der ihm als künftigen Priester entgegengebracht wurde. Er lernte aber auch andere Seiten seines künftigen Berufs kennen: in der Gefangenenseelsorge der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld hatte er mit einem bis dahin unbekannten Milieu zu tun. Nicht Mitleid wollte er den dort Inhaftierten geben, sondern ein offenes Ohr. Er machte sich immer wieder bewusst, dass die Liebe Gottes ohne Unterschied jedem gilt.

Den Gedanken, dass Gott groß, aber zugleich den Menschen nah ist, dass er sich mit "du" ansprechen lässt, verbindet Steffen Riechelmann mit seinem Primizspruch aus dem Kolosserbrief 1,27: "Christus ist unter euch. Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit". Als Priester wünscht er sich, ein "glaubwürdiger Zeuge der Liebe Gottes" zu sein. Seine Freude am Zusammensein mit Menschen wird ihm dabei zugute kommen. Nach seinen "Hobbies" gefragt, nennt er an erster Stelle, Kontakte zu alten und neuen Freunden zu pflegen. Gleich danach kommt die Liebe zur Literatur.

Ein komplettes zweites Studium durchzuziehen, ist dem Breitenworbiser nicht schwer gefallen. Für seine Abschlussarbeit in christlicher Sozialethik -einem Gebiet, das ihm persönlich sehr am Herzen liegt -wurde er sogar ausgezeichnet. Die Frage, die er ihn am Ende seiner ersten Ausbildung umtrieb, "Wird mich das ein Leben lang ausfüllen?" beantwortet er heute ohne zu zögern mit "ja". Wenige Tage vor seiner Priesterweihe hat er das Gefühl: "Ich bin genau da, wo ich hingehöre."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.05.2007

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