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Anstoß

Wiederholungen

Hier war ich schon

Susanne Schneider

Kürzlich sprachen wir in einer Runde von Taufbewerbern vom Sonntagsgottesdienst: Ich erklärte, dass die Messe immer dem gleichen Schema folgt und dass besonders der Eucharistieteil – je nach Hochgebet – bis in die Wortwahl hinein immer gleich ist. Auch die ausgewählten Bibelstellen sind immer aus der Einheitsübersetzung und immer gleich – so dass man manche wichtige Stellen im Laufe von jahrzehntelanger Übung halb auswendig kann.

Meine Zuhörer nahmen diese Erklärungen sehr positiv auf: "Das ist ja klasse, da wissen alle, was abgeht!" "So ein fester Ritus hat viel Kraft", "Da fühlt man sich wie daheim".

Ich war ziemlich überrascht, weil ich mit Einwänden und Kritik gerechnet hatte. Schließlich können dauernde Wiederholungen dazu führen, dass man abschaltet und sich langweilt. Man soll ja im Gottesdienst "tätig" dabei sein und nicht ein Programm abspulen. Und wird nicht manchen Gottesdiensten vorgeworfen, sie wiederholten immer die gleiche Leier und brächten nichts Neues?

Das Gespräch brachte dann noch weitere Vorzüge unserer Gottesdienstordnung zu Tage: Sie wurde verglichen mit einem sinnvollen Regelwerk, wie beim Fußballspiel etwa: Die Regeln garantieren einen Ablauf, der den einzelnen Gläubigen ein Maximum an Handlungs- und Beteiligungsfreiheit ermöglicht. Sie dürfen selbst entscheiden, von welchem Wort / welchem Ritus / welchem Lied sie angesprochen werden möchten ... Auch die "objektive" Seite der Liturgie, dass man die Gegenwart Gottes nicht "machen" oder "herbeizwingen" kann, wurde gelobt: Endlich einmal eine Stunde, in der es nicht auf meine Leistung ankommt, in der ich nichts bringen muss und mich nicht anstrengen muss.

So haben mir die Taufbewerber wieder neu bewusst gemacht, dass Ordnung dafür sorgt, dass man das Rad nicht ständig neu erfinden muss. Man kann in der Liturgie in einen wohltuenden Ritus einschwingen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.05.2007

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