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Aus der Region

"Der soziale Kitt der Zukunft"

Wenn sich Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen, kann dies Chancen eröffnen

Magdeburg- Satte Unternehmensgewinne und gute Konjunkturaussichten veranlassen die Gewerkschaften, deutliche Lohnsteigerungen zu fordern. Eine Alternative zu diesen alljährlich schwierigen Tarifverhandlungen kann die Mitarbeiterbeteiligung sein.

Für die Teilhabe der Mitarbeiter am unternehmerischen Erfolg spricht sich zum Beispiel der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg, Klaus Hieckmann, aus. Auf einer Tagung zum Thema "Mitarbeiterbeteiligung – Mehr Eigenkapital für Arbeitsplätze und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit" Ende April in der IHK Magdeburg nannte er es "eine intelligente und fl exible Alternative zu den in der Regel doch zähen Diskussionen um Lohnerhöhungen". Voraussetzung sei aber ein langfristig erfolgreiches Unternehmen.

Neben dem fi nanziellen Anreiz für die Mitarbeiter habe deren Beteiligung auch eine höhere Arbeitsmotivation und eine stärkere Identifi kation mit dem Unternehmen zur Folge, bekam Hieckmann vom Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, Rückendeckung. Allerdings hatte Hieckmann noch zu bedenken gegeben, dass die angestrebte Bindung von Fachkräften an das Unternehmen durch eine Gewinn- oder Kapitalbeteiligung auch eine Behinderung bei einem Jobwechsel darstellen und in wirtschaftlich schlechteren Zeiten zu fi nanziellen Einbußen führen könne.

Als Beispiel einer solchen Gewinn- bzw. Verlustbeteiligung nannte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) auf der von der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) organisierten Veranstaltung die Stickstoffwerke Piesteritz. Dort gebe es abhängig von den Quartalsergebnissen eine Lohnspanne von etwa 25 Prozent, was ausgehend vom Lohnniveau des Jahres 2002 bis zu 20 Prozent mehr oder zwölf Prozent weniger Lohn für die Mitarbeiter bedeuten könne. Obgleich das Modell des großen Chemieunternehmens nicht Maßstab sein könne in einem Bundesland, in dem 68 Prozent der Firmen nur ein bis fünf Mitarbeiter beschäftigten, müsse eine engere Bindung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, "die Ein-Boot-Mentalität", entwickelt werden, sagte Haseloff. Angesichts des zunehmenden weltweiten Konkurrenzdruckes seien diese Strukturen "ein Fixpunkt, der den sozialen Kitt der Zukunft darstellt".

Auch der Vorsitzende der Volksbank Magdeburg, Helmut H. Seibert, der auch der Diözesangruppe Magdeburg des Bundes Katholischer Unternehmer vorsteht, befürwortet die Mitarbeiterbeteiligung. Seiner Meinung nach ist aber die Frage, ob diese zu einem sozialeren Miteinander führt, "schwierig" zu beantworten. Zur "Stärkung des Eigenkapitals im Unternehmen" oder zur "Bindung der Leistungsträger" an die Firma sei sie auf jeden Fall sinnvoll. Es gebe dadurch "mehr Unternehmer im Unternehmen".

Das Einkommen der Mitarbeiter zu erhöhen "ist eine sozialethische Aufgabe", ließ IWH-Präsident Blum die Statistik sprechen, nach der es seit 1983 in der Bundesrepublik infl ationsbereinigt nur um ein Prozent gestiegen sei. Die Mitarbeiterbeteiligung sei ein Weg dazu und, so versicherte er, "kein Risikosumpf", wie empirische Studien seines Institutes belegten. Vielmehr minimiere sie das Risiko des Unternehmens und damit das des Arbeitsplatzverlustes und verbessere die Informationskultur im Unternehmen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.05.2007

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