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Aus der Region

Farbenfrohe Verkündigung:

Magdeburger Pfarrer Vornewald webt Stolen und unterstützt damit ein Kloster

Farbenfroher Ausdruck des Glaubens: Über 400 Stolen hat Pfarrer Vornewald inzwischen in den verschiedenen Farben für alle Zeiten des Kirchenjahres gestaltet. Und zu allen kann er seine Gedanken oder auch Geschichten erzählen. Foto: Eckhard Pohl

Magdeburg. Keine Stola gleicht der anderen und jede hat ihre eigene Geschichte -zumindest bei Pfarrer Christian Vornewald in Magdeburg- Olvenstedt. Er webt diese kirchlichen Amtszeichen selbst, und das nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere.

Im Wohnzimmer von Pfarrer Vornewald tanzen die Farben. In einem etwa 80 Jahre alten Webstuhl springen weiße Baumwollfäden auf und ab, fest eingespannt im großen Holzgestell und angetrieben von den Füßen des 48-jährigen Priesters. Ringsherum leuchten Garne in den verschiedensten Farbtönen aus ihren Kisten, die darin dicht gedrängt auf ihren Einsatz warten. Seit Ostern ist Weiß die liturgische Farbe für die 50-tägige Osterzeit und passend dazu hat der gebürtige Paderborner auch gerade den Farbton gewählt.

Mehrmals in der Woche setzt sich Christian Vornewald an seinen Webstuhl aus dem mecklenburgischen Lübz und lässt im geübten Wechselspiel von Händen und Füßen einen rund 3,60 Meter langen, schmalen Stoffstreifen entstehen. "Die Stola ist das Symbol des Lastriemens", sagt der webende Kooperator des Gemeindeverbundes Magdeburg-Nord. Sie gilt symbolisch als das Joch Christi, das der Priester zu tragen hat.

Von einer schweren Bürde ist den Stolen von Christian Vornewald aber wenig anzusehen, wenngleich sich in jeder eine eigene und in mancher eine schwierige Geschichte verbirgt. "Diese hier stellt meine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela dar", zieht der Pfarrer eine bunte Stola zwischen vielen anderen hervor. Fünf verschiedene Abschnitte, die fünf Gesetze des Rosenkranzes, den er im August 2003 auf seiner Reise immer gebetet habe, stehen für verschiedene Etappen. "Sie symbolisieren Wiesen, Wälder, verdorrtes Land, Jakobus, der sein Leben gegeben hat, und werden immer durch das Blau der Flüsse getrennt", beschreibt der begeisterte Fahrradfahrer seine verwebten Erlebnisse. Am Kragen geht die Stola in ein leuchtendes Gelb über: "Der Weg geht in das Licht Gottes ein", so Vornewald.

Neben Stolen, in denen er eigene Erlebnisse verarbeitet, webt der Magdeburger Priester besonders auch auf Bestellung für Freunde und Bekannte. "Man kann diese Stolen bei mir ab 100 Euro erspenden", weist der Pfarrer auch auf den karitativen Aspekt hin, "und der Erlös geht dann an einen Karmel in Frankreich, wo für die Spender gebetet wird."

Auf diese Weise ging eine der ersten Stolen in diesem Jahr als Überraschungsgeschenk zum Beispiel nach Norwegen. Mittlerweile führt Christian Vornewald Buch über seine gewebten Werke. "Fast 400 Stolen habe ich seit 2001 verzeichnet", zeigt er auf sechs Ordner, die die Stolen jeweils mit Foto, Adressat und Gedanken oder Idee festhalten.

Begonnen hatte seine Leidenschaft für das Weben 1985, direkt nach der Priesterweihe. Damals sei er in der Partnerdiözese Lyon gewesen, wo er Stolen gekauft habe, die ihn sehr fasziniert hätten. Später erlernte er in einem Kurs das Handwerk des Webens und kaufte sich schließlich 1990 einen eigenen Webstuhl. "Ich habe richtig Freude daran gefunden und mit der Zeit meinen eigenen Stil entwickelt", erzählt der Seelsorger von seiner Passion. Zum Weben verwende er nur Naturgarne, am liebsten Leinen und Seide. Und auf bildliche Symbole auf den Stolen verzichte er fast vollkommen.

Als Künstler sieht sich Pfarrer Vornewald mit seiner Arbeit nicht: "Es ist eine kreative Arbeit, Berufung, Begabung und eine Form der Verkündigung." Manchmal erzähle er auch in der heiligen Messe den Gläubigen etwas über die Stola, die er gerade trage. "Doch die Leute sehen auch selbst etwas darin, das muss nicht immer erklärt werden", spricht der Priester aus Erfahrung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 12.05.2007

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