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Bistum Magdeburg

Orientierung im Chaos finden

Woche für das Leben in Naumburg: Der Film "Mein kleines Kind" und viele Fragen und Antworten

Dr. Ernst Fukala, Katja Baumgarten, Dr. Bernhard Scholz und Bettina Schlaudraff diskutierten über dem Film

Naumburg - "Mein kleines Kind" heißt ein Film, der in der vergangenen Woche im Rahmen der Woche für das Leben im Naumburger Cineplex-Kino zu sehen war. Wegen des enormen Zuspruchs wurde er parallel in zwei Sälen gezeigt. Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion statt.

Der Film "Mein kleines Kind" ist eine aus eigenen und mit Hilfe einer Freundin gedrehten Videos von der Hauptbetroffenen selbst zusammengestellte Dokumentation. Katja Baumgarten, Hebamme, Redakteurin einer Fachzeitschrift, Filmemacherin und Regisseurin des Streifens, war an diesem Abend eigens aus Hannover angereist.

"Ich fürchte mich vor dem Anblick meines Kindes, das sehr viel anders aussehen wird als andere." Diesen Satz sagt Katja Baumgarten im Film. Sie hat bereits drei Kinder, ist überraschend schwanger geworden, erfährt nach einer ärztlichen Untersuchung in der 21. Schwangerschaftswoche, dass ihr ungeborenes Kind an einem "komplexen Fehlbildungssyndrom mit Verdacht auf Chromosomenanomalie" leidet. Urteil der Ärzte: "Die Prognose muss als deutlich schlecht bezeichnet werden. Siemüssen entscheiden. Die sofortige Beendigung der Schwangerschaft ist in einer solchen Situation der übliche Weg." Der Vater will kein viertes Kind, ein behindertes erst recht nicht. Die Partnerschaft zerbricht.

    Nöte, Fragen und Probleme für die werdende Mutter

Der Film rührt den Betrachter an, wühlt ihn auf. Er zeigt, unter welchen Nöten die werdende Mutter ihre Entscheidung treffen muss, welche Hilfe sie bekommt und welche nicht. "Ich musste um Orientierung in meinem inneren Chaos kämpfen." Auch das sagt Frau Baumgarten. Sie trägt ihr Kind, Sohn Martin, aus, bringt ihn mit Hilfe von zwei befreundeten Ärzten, einer Hebamme und einem Freund im Kreise ihrer Familie, der Mutter und der Kinder, zu Hause zur Welt. So hat sie sich entschieden. Martin lebt nur wenige Stunden, dann schläft er friedlich ein, in aller Würde.

"Martin war ein Geschenk für uns, auch meine Kinder konnten ihn liebevoll begrüßen. Er hat uns deutlich gemacht, wie lang oder wie kurz ein Leben sein kann." Auch das erklärt Katja Baumgarten.

Innerhalb der "Woche für das Leben" haben beide große Kirchen diesen Naumburger Filmabend möglich gemacht. Sabine Kautz, Schwangerschaftskonfliktberaterin der Diakonie Naumburg-Zeitz, hatte die Idee und fand in Barbara Lohfink, der Leiterin der Familienbildungsstätte Naumburg, schnell eine Gleichgesinnte. Auch Isabell Prims, Chefin der Frühförderung bei der Lebenshilfe Naumburg, war rasch dabei. Caritasverband und Familienbund im Bistum Magdeburg, der evangelische Kirchenkreis Naumburg-Zeitz, Stiftung "Netzwerk Leben" und die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Naumburg und des Landkreises unterstützten das Vorhaben.

    Dienen die Gesetze der Selektion?

Wie emotional dieses Thema die Filmbesucher berührte, wurde in einer anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Neben Katja Baumgarten sprachen Kinderarzt Dr. med. Ernst Fukala, Vorsitzender der Ethikkommission der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Bernhard Scholz, Vorsitzender des Caritasverbandes im Bistum Magdeburg, die evangelische Pastorin Bettina Schlauraff aus Bad Bibra, Mutter von vier Kindern, und die Naumburger Hebamme Heikle Wöller über die Probleme.

Brigitte McManama, Soziologin und Psychologin, zudem mit reichlich Erfahrungen in der Integration von behinderten Menschen versehen, moderierte. Reichen die Gesetze in einem solchen Falle aus, schützen die Paragrafen die Mutter vor Nöten und Gefahren oder dienen sie der "Selektierung" behinderter Kinder? Wie allein bleibt die betroffene Schwangere bei ihrer Entscheidung, wer berät sie, welches Leben wartet nach einer Entbindung auf Mutter und behindertes Kind? Diese und weitere Fragen wurden aufgeworfen. Selbst davon betroffene junge Frauen aus dem Publikum machten über den Film hinaus sehr deutlich, dass sie auch "in der Familie nebenan" so zu beantworten sind.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 05.05.2007

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