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Bistum Erfurt

Offener für die Not werden

Der Pastoraltag im Elisabeth-Jahr warf Fragen auf und gab vielfältige Anregungen

Wie ist das mit der Caritas in der Gemeinde und bei den Trägern von Einrichtungen? Die Podiumsdiskussion mit Ordinariatsrat Winfried Weinrich fand am Samstag im Comcenter am Erfurter Brühl statt. Foto: Holger Jakobi

Erfurt - "Nicht abwarten, sondern aufbrechen", so lautet das Fazit einer der Arbeitsgruppen, die sich zum Abschluss des Pastoraltages des Bistums Erfurt zusammensetzten. Der Tag fand unter dem Motto "Elisabeth bewegt -zum Glauben, der liebt" am 27. und 28. April in Erfurt statt.

Aufbrechen, die Idee der Caritas- Teams, ein Kummerkasten, nach Charismen Ausschau halten, die Nöte besser sehen lernen, Freiräume schaffen ...Die Anregungen waren vielfältig, die die Teilnehmer des Pastoraltages des Bistums Erfurt mit in ihre Pfarrgemeinden oder ihre Gemeinschaften nahmen. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, im Zuge des Prozesses einer pastoralen Erneuerung die karitative Säule des christlichen Lebens vor Ort neu in den Blick zu nehmen. Dabei wurde allerdings auch deutlich, dass es inzwischen gar nicht so einfach sein kann, die konkrete Not wahrzunehmen. Vieles werde durch die Wohlfahrtsverbände und deren Einrichtungen geleistet und nicht wenige, die von Not betroffen sind, würden aus Scham eher schweigen.

    Immer mehr Menschen sind ausgeschlossen

Diakon Edmund Döring aus Niedersachswerfen sagte in der Podiumsdiskussion, dass es in den Gemeinden sicherlich eine hohe Bereitschaft gebe, karitativ tätig zu werden, zudem werde vieles wie selbstverständlich geleistet. Doch um neue Projekte anzugehen, bräuchte es immer den Anlass, die Idee und eine Motivation. In dem einstündigem Gespräch, das vom Leiter des Katholischen Büros Ordinariatsrat Winfried Weinrich geleitet wurde, kam die Sicht der Caritasarbeit in den Gemeinden und in den Einrichtungen zur Sprache. Als Gast von außen begrüßte Winfried Weinrich Brigit Vogt vom Erfurter Verein Kontakt in Krisen. Frau Vogt benannte eine erschreckende Zahl: In Erfurt würden 37 Prozent der Kinder von Sozialgeld leben, für ihr Leben ständen gerademal zirka 2,70 Euro pro Tag zur Verfügung. Das fehlende Einkommen benannte Birgit Vogt als das fehlende "Blut" in der Gesellschaft. Menschen werden ausgeschlossen, können nicht mehr teilhaben. Und die Roten Zahlen vom Dispo- Kredit würden oft nicht mehr verschwinden. "Armut", so Frau Vogt weiter, "ist heute kein Randphänomen mehr."

Mit Blick auf die karitative Arbeit in den Gemeinden wünschte sich Birgit Vogt Brücken der Barmherzigkeit. Ordinariatsrat Winfried Weinrich stellte abschließend die Frage nach dem, was in den Gemeinden realistisch möglich ist. Diakon Döring verwies darauf, dass die Gemeinde zum einen motiviert werden muss, dass sie aber auch auf Hilfe angewiesen sei. "Gemeindemitglieder die sich auf ein soziales Projekt einlassen, wollen begleitet sein", sagte Döring.

    Wichtig: Auf die Menschen und ihre Not zugehen

Und Annemarie Gun, die ehrenamtlich als Caritashelferin tätig ist, regte an, dass sich jeder immer wieder selbst fragen könne, was konkret zu tun sei. Vielleicht in der Form der begleitenden Patenschaft. Wichtig sei es, so Annemarie Gun, auf Menschen zuzugehen, zu schauen, ob sie Hilfe brauchen oder sich für andere engagieren können. Ein Anliegen, das Bischof Joachim Wanke in seiner Zusammenfassung unter anderem unter das Wort "Charismen finden" stellte.

Deutlich wurde im Podiumsgespräch aber auch, dass Gemeindemitglieder immer das Recht haben, mit Anstand ein Projekt zu verlassen oder einfach einmal nein zu sagen. Im Anschluss ging es in Arbeitsgruppen weiter. Dechant Gregor Arndt aus Mühlhausen sagte dabei, dass es für ihn eine Anregung ist, Raum zu schaffen und Charismen zu suchen. Und eine Vertreterin einer Gemeinde regte den Perspektivenwechsel an. Ein Sich-Hineinversetzen in den Trinker, den Bettler ...Sie sagte: "Ich nehme mit, dass ich offen sein will für die Not, die da ist."

Und Caritas-Generalvikar Georg Jelich regte an, dass die Not der Menschen wenigstens einmal im Jahr Thema des Pfarrgemeinderates sein müsse. Kurzberichte sollten über die tatsächliche soziale Lage vor Ort informieren. In einem zweiten Schritt müsse überlegt werden, wie und wo geholfen werden kann. Und schließlich, so der Generalvikar, müsse es eine Vorgabe der Gemeinde geben. "Ein Projekt, eine Aufgabe, ein Thema von dem die Gemeinde sagen kann, , wir machen das nicht nur im Elisabeth-Jahr, sondern es gehört zu uns", sagte Georg Jelich.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 05.05.2007

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