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Aus der Region

Glaube und Caritas

Pastoraltag des Bistums Erfurt

Bischof Wanke beim Pastoraltag

"Elisabeth bewegt -zum Glauben, der liebt" war das Thema des Erfurter Pastoraltages (Seite 11). In seiner Predigt sagte Bischof Joachim Wanke unter anderem:

... Dass die Liebe zählt, und zwar die ganz praktische Tat der Nächstenliebe, das sagt uns der Herr in der bekannten Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter. Die Pointe dieser Geschichte ist ja, dass Jesus den Begriff des Nächsten auf der einen Seite universalisiert. Es geht nicht nur um den mir nahestehenden Nächsten, also jemanden, der mir durch Verwandtschaft oder Zugehörigkeit zum eigenen Volk nahesteht. Der Nächste ist der, den mir der Zufall, der Alltag über den Weg laufen lässt. Und zum anderen: Jesus lobt den Samariter, weil er nicht nur redet, sondern etwas tut. Von seinem Gottesglauben ist hier keine Rede. Ja -trotz seiner religiösen Außenseiterrolle (er ist ja kein Jude) verdient er Jesu Anerkennung, eben weil er angesichts der konkreten Not handelt, und zwar effektiv und nachhaltig. Es ist so, als ob Jesus eine Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt lobt, in der kein einziger Christ arbeitet.

Und damit sind wir bei dem, was uns bei diesem Pastoraltag bewegt. Hat unser Herr Grund, unsere Pfarrgemeinden wegen ihres Einsatzes für andere Menschen zu loben? Können wir sagen: "Ja, Herr, deine Mahnung haben wir beherzigt: ,Geh und handle genauso!'" ?

Pfarrgemeinde und Taten solidarischer Nächstenliebe -das muss zusammengehen. Warum? Ist Nächstenliebe nicht Sache der Caritas? Ohne Zweifel -aber eben doch nicht allein. Wir können die von uns geforderte Nächstenliebe nicht an einen Sozialverband abdelegieren, mag er auch kirchlich sein.

So wichtig die Caritas als soziale Einrichtung ist, so dankbar wir für ihre oft sehr professionelle Hilfe an den Menschen sein dürfen -Nächstenliebe, Caritas geht uns alle an. Dieses Bewusstsein muss in unseren Gemeinden gestärkt werden. Darum geht es uns bei diesem Pastoraltag: "Bewegt werden -zu einem Glauben, der liebt."

... Ich bringe es auf die Formel: Die Eucharistie, die Gott geschuldete Danksagung, die wir am Altar feiern, und die Eucharistie, die wir Gott mit unseren Händen und Füßen im Dienst am Nächsten ableisten, diese beiden Formen der Danksagung müssen zusammenkommen.

... Unseren Gemeinden haftet oft eine gewisse "Bürgerlichkeit" an. Gerade durch die neue gesellschaftliche Situation nach der Wende gibt es Tendenzen zu einer Gemeinde, in der sich die mittleren Einkommensschichten sammeln, aber die "Kleinen", die Benachteiligten draußen bleiben. Die echte menschliche Not versteckt sich ja gern. Ich verstehe unter den Benachteiligten die ganze Palette von Problemlagen, denen Menschen ausgesetzt sein können: Arbeitslosigkeit, Behinderung, Krankheit, Einsamkeit, Suchtabhängigkeit, materielle Not, Scheidungsnöte, Überforderung ... mehr. Sehen wir solche Nöte? Oder sagen wir: "Bei uns gibt es keine Armen!" Manchmal muss man etwas sehen wollen, um dann zu merken, wie vielgestaltig heute Not sein kann ...

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 05.05.2007

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