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Aus der Region

Mit Blaulicht und Polizeischutz:

Untersuchung des Gnadenbildes auf dem Hülfensberg

Freut sich über den restaurierten romanischen Christus: Bruder Heribert Arens vom Franziskanerkloster begrüßte die Gäste und dankte allen, die bei der Sanierung und Restaurierung geholfen haben.

Hülfensberg - Die Wallfahrtskirche St. Salvator auf dem Hülfensberg wurde grundlegend saniert. Dabei wurde das Kreuz mit dem romanischen Kruzifix einer genauen Untersuchung unterzogen.

Mit Blaulicht und Polizeischutz wurde der Gehülfe -so der Volksmund für den Christus am Kreuz aus der Wallfahrtskirche vom Hülfensberg -in das Eichsfeldklinikum ins 26 Kilometer entfernte Heiligenstadt gebracht. Damit hat das Kruzifix zum ersten mal seit Jahrhunderten den Berg verlassen. Der Grund war die Möglichkeit einer Computertomografie (CT) in der Praxis von Dr. Ulrich Waldheim und Dr. Elisabeth Müller, die neben den Röntgenaufnahmen ein genaues Bild über das aus zehn Holzteilen bestehende Kunstwerk sowie Hinweise auf die Herstellungstechnik erbringen sollte. Und Dr. Ulrich Waldheim war stolz über die Aufgabe, war doch der Gehülfe -so stellte er selbst schmunzelnd fest -sein ältester Patient.

    Mit Sicherheit für einen Dom oder eine Stiftskirche

Und der ist älter als bisher angenommen. Dr. Falko Bornschein, der Kunstbeauftragte des Bistums Erfurt, brachte es gleich zu Beginn der Präsentation auf den Punkt: Das Kruzifix, so ergaben es Untersuchungen im C14-Verfahren an der Technischen Universtät Dresden und an der Universität Kiel, wurde in der Zeit zwischen 1050 und 1100 -also Mitte des 11. Jahrhunderts bis spätestens Anfang des 13. Jahrhunderts gefertigt. Damit hat es den Gehülfen schon vor der heiligen Elisabeth gegeben, ob diese ihn allerdings gesehen hat -die Creuzburg liegt nur zirka 27 Kilometer, die Wartburg 50 Kilometer entfernt -muss offen bleiben. Auch gehen die Experten davon aus, dass sich das Kreuz damals vielleicht noch nicht auf dem Hülfensberg befand.

Thomas T. Müller, der Direktor der Mühlhäuser Museen, ließ sich jedenfalls nicht auf eine Wahrscheinlichkeit Elisabeth festlegen. "Dieses Zitat bekommen sie von mir nicht", sagte er lachend. Vielmehr verwies er darauf, dass ein Kruzifix dieser Art zur damaligen Zeit mit Sicherheit nur für einen Dom oder eine Stiftskirche gefertigt worden sein kann. Als mögliche Orte benannte Thomas T. Müller den Dom zu Fritzlar oder das Stift St. Martin in Heiligenstadt, dem der Hülfensberg einst gehörte. Allerdings ist nicht bekannt, dass die Stiftsherren die Wallfahrt initiierten. Diese setzte erst mit einem Tausch des Berges an die Zisterzienserinnen von Anrode nach 1357 ein, die bis zur Säkularisation die Wallfahrt betreuten und mit ihr in Spitzenzeiten zu Wohlstand kamen. Thomas T. Müller versprach, weiter an der genauen Herkunft des Gehülfen zu forschen. So will er beispielsweise das Engagement eines Eichsfelder Adligen überprüfen, der in Fritzlar Domdekan war. Sollte dieser in einer Zeit der Dom-Umgestaltung gelebt haben, so könnte es naheliegen, dass er das romanische Kreuz mit dem Kruzifix dem Hülfensberg schenkte.

    Vieles wäre ohne schnelle Hilfe verloren gewesen

Höhepunkte der Wallfahrt zum Hülfensberg waren das 14. und 15. Jahrhundert, dann die Zeit der Jesuiten, die nach der Reformation die Menschen wieder im katholischen Glauben beheimaten wollten, und schließlich die Jahre nach 1860, als die Franziskaner zum Berg kamen und sich um die Wallfahrt sorgten. Das ist bis heute so geblieben und so begrüßte Bruder Heribert Arens die Verantwortlichen, die Journalisten, Fotografen und Gäste, die zur Vorstellung der Untersuchungsergebnisse auf den Berg gekommen waren. Bruder Heribert dankte allen, die bei der Sanierung der Kirche und bei der Restaurierung der Kunstwerke engagiert mitgeholfen haben. Vieles wäre ohne sofortige Hilfsmaßnahmen wie beispielsweise durch die Behandlung mit Stickstoff dem Holzwurm zum Opfer gefallen. Insbesondere erinnerte Heribert Arens unter anderem an die Arbeit von Restauratorin Heike Glaß, die -so der Franziskaner -dem Gehülfen seine plastische Figürlichkeit zurückgegeben habe. Heike Glaß selbst bezeichnete ihre Arbeit als große Herausforderung und als ein besonderes Geschenk.

Zum Dank an alle Mitarbeiter und Firmen wurde am zurückliegenden Samstag eine heilige Messe in der Kirche gefeiert. Nun sehen Heribert Arens und seine Mitbrüder der Wallfahrtssaison im Elisabeth-Jahr entgegen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 29.04.2007

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