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Bistum Magdeburg

Mut zum Aufbruch nötig

Von Schwierigkeiten und Wegen bei der Verwirklichung des Pastoralen Zukunftsgespräches

Vertreter aus den Gemeinden, Verbänden und aus der Bistumsverwaltung suchten im Rahmen des Pastoralen Zukunftsgespräches nach Perspektiven für die Zukunft des Glaubens in Mitteldeutschland. Foto: Eckhard Pohl

Zörbig / Magdeburg - Der Tag des Herrn erhielt kürzlich einen Brief aus Zörbig. Die Gemeinde erinnert daran, dass seit 100 Jahren vor Ort regelmäßig Eucharistie gefeiert wird. Doch das freudige Ereignis sei wegen der laufenden Veränderungen im Bistum von Zukunftsangst überschattet.

Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates der Pfarrei St. Antonius in Zörbig schreiben unter anderem: "In der Gemeinde macht sich Zukunftsangst breit, herrscht Ratlosigkeit und greift Resignation um sich. Keine gute Stimmung, um zu neuen Ufern aufzubrechen". Auslöser dafür sei das Pastorale Zukunftsgespräch. Der Gemeinde, die einen Pfarrverbund eingehen soll, "wird der Mittelpunkt genommen". Ein Besuch von Vertretern des Ordinariats habe diese Ängste und Sorgen nicht nehmen können.

Bei Recherchen erfuhr der Tag des Herrn, dass Ordinariatsrat Ulrich Lieb und Ordinariatsrätin Annette Schleinzer erst kurz zuvor zu einer Gemeindeversammlung in Zörbig waren. Und auch bereits davor hatte es mehrfach Kontakte zwischen Vertretern aus Zörbig und Verantwortlichen des Bistums gegeben. Im Blick auf die von Vertretern der Pfarrei Zörbig vorgetragenen Ängste, in einem Gemeindeverbund unterzugehen, verweisen die Ordinariatsräte auf die Arbeitshilfe des Bistums vom September 2005 "Den Aufbruch gestalten". Dort wird auf den Seiten 27 bis 34 auf mögliche berechtigte Fragen, Sorgen und Ängste eingegangen, die in Gemeinden derzeit aufkommen können. Um solche Fragen sei es auch bei ihren Gesprächen in Zörbig gegangen, so Schleinzer und Lieb. Es sei versucht worden, erste Antworten zu vermitteln, die allerdings wenig Gehör gefunden hätten.

"Bischof Gerhard Feige ist es ein wichtiges Anliegen, dass Gemeinden nicht untergehen, sondern dass Übergänge sinnvoll gestaltet werden", so die Ordinariatsräte. In vielen Gesprächen, Predigten und Schreiben lege er das besonders den Pfarrern, aber auch den Gemeinden ans Herz. "Eine ,gute Stimmung, um zu neuen Ufern aufzubrechen', lässt sich natürlich keiner Gemeinde und keinem Gemeindeverbund verordnen. Aber diejenigen, die es wagen aufzubrechen, machen die Erfahrung, dass sich Ängste, Ratlosigkeiten und Resignation durchaus relativieren." Dafür gebe es genügend Beispiele und positive Anzeichen. "Besonders deutlich erfahrbar wurde dies auf den letzten Zusammenkünften mit Vertretern der Pfarrgemeinderäte und Gemeindeverbundsräte des Bistums", so Lieb und Schleinzer.

"Der St.-Antonius-Gemeinde können wir deshalb nur empfehlen, nicht bei sich selbst und den eigenen Vorbehalten stehen zu bleiben, sondern im Vertrauen auf Gott den Sprung zu wagen und zu neuen Ufern aufzubrechen."

DOKUMENTIERT

Aus der Arbeitshilfe des Bischöfl ichen Ordinariates "Den Aufbruch gestalten":

    Es gibt bei uns noch viele Vorbehalte gegen den Gemeindeverbund. Wie können die Menschen motiviert werden?

Gerade Menschen, die in ihrer Gemeinde beheimatet sind und denen die Zukunft dieser Gemeinde ein Herzensanliegen ist, wehren sich oft gegen die Veränderungen, die ein Gemeindeverbund mit sich bringt und empfi nden sie als Verlust.

Es bedarf oft langer Prozesse, in denen die Menschen allmählich in die neuen Gegebenheiten hineinwachsen können. Es ist wichtig, auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Weise die vielen Möglichkeiten einer Annäherung wahrzunehmen. Aufgabe der Pfarrer ist es, zusammen mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/ innen mutig und sensibel eine Balance zu fi nden zwischen dem Bestehenden, das weiterhin seine Berechtigung hat, und dem Neuen, das wachsen will -und die Menschen auf diesem Weg zu begleiten und mitzunehmen.

    Inwieweit bleibt die Geschichte einer Gemeinde im Gemeindeverbund gewahrt? Werden die kleineren Gemeinden nicht von den größeren "geschluckt" werden?

Gemeinden, die sehr eigenständig sind, sind oft besorgt, innerhalb des Gemeindeverbunds unterzugehen und ihre gewachsenen Traditionen aufgeben zu müssen.

Für den Prozess des Zusammenwachsens ist es deshalb wichtig, dass sich die Beteiligten immer wieder an einen Tisch setzen und ehrlich und konstruktiv miteinander den Gemeindeverbund aufbauen. Es gilt, die Identität und die Spezifi ka einer jeden Gemeinde zu respektieren und sich gleichzeitig auf eine gemeinsame Zukunft als Verbund hin zu orientieren. Unter Umständen ist eine Begleitung durch Gemeindeberater/ innen angezeigt, damit die verschiedenen Auffassungen in ein gemeinsames Ganzes integriert werden können.

    Was ist der Unterschied zwischen Gemeinde und Pfarrei?

Eine Pfarrei kann auch als Gemeinschaft von Gemeinden verstanden werden.

Die neue Pfarrei, die im Entstehen ist und von einem Pfarrer geleitet wird, besteht also aus mehreren Gemeinden.

Jede Gemeinde soll und muss sich innerhalb der Pfarrei mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten einbringen. Sie darf und soll ihr eigenes Profi l entwickeln, aber nicht gegen die anderen Gemeinden der Pfarrei, sondern mit ihnen und zum gegenseitigen Nutzen.

    Bleibt das Ganze nicht zu oberflächlich und zu "technisch"?

Die Veränderungen der Strukturen und die juristischen Vereinbarungen sollen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Gemeinden eines Lebensraumes unter den veränderten Gegebenheiten lebensfähig und lebendig sein können. Die Strukturveränderungen sind ein erster Schritt, der die Zusammenarbeit in den Gemeindeverbünden regelt.

Mit diesem notwendigen Schritt muss eine geistliche Erneuerung in den Gemeinden verbunden sein. Wenn in den künftigen Pfarreien nicht erkannt wird, dass die Umgestaltung ein spirituelles Geschehen ist, bliebe sie in der Tat zu oberfl ächlich. Die Entwicklung einer Pastoralvereinbarung ist deshalb das Herzstück auf dem Weg zu neuen Pfarreien.

Die Arbeitshilfe ist zu beziehen in der Hauptabteilung Pastoral, Bischöfl ichen Ordinariat, M.-J.- Metzger-Straße 1, 39104 Magdeburg, Tel. 03 91 / 5 96 11 81, Fax: 03 91 / 5 96 11 90

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 16.04.2007

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