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Bistum Erfurt

"Wir laden Gott ein"

Junge Leute laden zum Nightfever in Erfurt -Ein Projekt des Weltjugendtages wird weitergeführt

Mit Jesus sprechen wie mit einem guten Freund: Junge Leute in Erfurt laden regelmäßig Christen und Nichtchristen zur Begegnung mit Gott in die Lorenzkirche ein. Foto: Holger Jakobi

Erfurt - Die Begeisterung des Weltjugendtages in die Zukunft tragen und die Türen der Kirche auch für Nichtglaubende zu öffnen, das sind die Anliegen einer Gruppe um Johannes Söhn, Christiane Grosch, Markus Friese und Lukas Teuschert. Zusammen mit anderen jungen Leuten laden sie zum Nightfever ein.

Den Mittelpunkt von Nightfever bildet das Gebet. Das Allerheiligste ist auf dem Altar ausgesetzt. Junge Leute knien, beten. Ein Chor stimmt die Betenden ein, trägt ihre Gedanken weiter. Christiane Grosch führt langsam Besucher nach vorn, sie lädt dazu ein, mit Jesus ins Gespräch zu kommen und die am Eingang entzündeten Kerzen vor den Altar zu stellen, mit einem Dank, einer Bitte, einem Gedanken an einen lieben Menschen. Die Kerze brennt als sichtbares Zeichen für die Anliegen weiter, wenn die Besucher die Kirche längst wieder verlassen haben. Im Hinterraum der Kirche besteht die Möglichkeit zu einem seelsorgerlichen Gespräch.

    " ... mit allem was uns bedrückt und froh macht"

Im Altarbereich steht zudem ein Korb mit Bibelversen. Jeder der möchte, kann im Vertrauen einen Vers in seinen Alltag mitnehmen, beispielsweise: "Alle eure Sorgen werft auf Gott, denn er sorgt für euch. (1 Petrus 5/7)". Johannes Söhn: "Oft passt das wahllos gezogene Zitat, wie ein extra herausgesuchter Spruch für unser Leben. Wir laden damit Gott ein, uns etwas Konkretes für unser Leben zu sagen." Christiane Grosch sagt weiter: "Wir brauchen uns vor Jesus nicht zu verstellen, wir müssen hier nichts leisten. So wie wir sind, mit allem was uns bedrückt oder froh macht, dürfen wir mit ihm sprechen, wie mit einem guten Freund." Wichtig ist der in Erfurt lebenden Diplom- Psychologin, dass Menschen neu zu Gott finden können, dass sie spüren, hier ist etwas, das mich trägt und hält.

Wer immer will, egal ob Christ oder Nichtchrist, kann beim Nightfever die Lorenzkirche im Erfurter Zentrum betreten. Christiane Grosch: "Einige beten, andere lassen die Atmosphäre auf sich wirken. Die Stille, der Kerzenschein, die Musik -es ist einfach eine tolle Atmosphäre." Und wer genau hinsieht, der kann so einiges entdecken: Paare nehmen sich zärtlich in den Arm, ältere Menschen aus Erfurter Gemeinden unterstützen mit ihrem Kommen und Gebet Nightfever und einer der vier jungen Gothic-Männer kramt in seinem Rucksack und holt zwei weitere Teelichter hervor, die er vor dem Allerheiligsten anzündet und dann still geht.

    "... dass wir uns im Gebet auf den Abend vorbereiten"

Markus Friese weiß, dass es gerade die coolsten Typen sind, die in der Kirche plötzlich ganz eigene Erlebnisse haben. Er wünscht sich, dass sie in der Begegnung mit Jesus aus ihren Abhängigkeiten -den eigenen und denen, die ihnen aufgezwungen werden -finden können. Zusammen mit anderen ist Markus Friese jeweils zu Zweit auf dem Anger rund um die Lorenzkirche unterwegs, um Passanten in die Kirche einzuladen. Dabei machte er die Erfahrung, dass ein Drittel sofort ablehnt, ein weiteres Drittel zwar interessiert zuhört aber dann doch weitergeht. Die anderen jedoch, die kommen mit -wenn auch manche mit zunächst gemischten Gefühlen. "Durch die Einladung und das Gespräch können sie ihre Schwellenangst überwinden", sagt Markus Friese, der als Informatiker in Erfurt arbeitet. Dabei ist es ihm sehr bewusst, dass er und die anderen "Außendienstler" eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe haben. "Wir können nicht einfach kommen und sofort anfangen. Mir selbst und den anderen ist es wichtig, dass wir uns im Gebet auf den Abend vorbereiten. Dass wir um den Heiligen Geist bitten aber auch um Schutz."

Hauptverantwortlicher und Initiator von Nightfever in Erfurt ist Johannes Söhn. Er berichtet, dass sich Nightfever derzeit in mehreren deutschen Großstädten ausbreitet: Von Bonn aus nach Freiburg, Mainz, Köln und eben Erfurt. Johannes Söhn, Christiane Grosch und die anderen waren beim Anbetungsabend Nightfever beim Weltjugendtag 2005 in Köln dabei. Als sie ein Jahr später in Bonn die Idee zu einem regelmäßigen Nightfever kennenlernten stand schnell fest, so etwas möchten wir auch in Erfurt beginnen. Johannes Söhn freut sich, dass zum letzten Nightfever rund 250 Menschen die Lorenzkirche am Anger besuchten. Eine gute Möglichkeit sieht er darin, dass Jugendgruppen aus dem Bistum zum Nightfever kommen. So konnten Ende März junge Leute aus Nordhausen und aus Mühlhausen begrüßt werden. Den weitesten Weg hatte allerdings Lukas Teuschert aus Lübbenau zurückgelegt. Heute in Leipzig lebend kommt er regelmäßig nach Erfurt, um im Chor Nightfever mitzutragen. Und es lässt ihn nicht los, ob es denn nicht auch in Leipzig möglich wäre, zu einer ähnlichen Aktion einzuladen. Die nächsten Nightfever in Erfurt finden am 5. Mai, am 2. sowie am 30. Juni jeweils von 20.15 bis 23 Uhr in der Lorenzkirche im Erfurter Zentrum statt.

Info: www.nightfever-erfurt.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 16.04.2007

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