Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Auf die Bibel neugierig machen

Die Professorin Maria Häusl macht künftige Religionslehrer mit der Heiligen Schrift vertraut

Professorin Maria Häusl

Dresden (ep) - Maria Häusl ist Professorin für Biblische Theologie an der Technischen Universität Dresden.

Seit mehr als zwei Jahren lehrt Maria Häusl Biblische Theologie des Alten und des Neuen Testaments bei angehenden katholischen Religionslehrerinnen und -lehrern in Dresden. Seit einem guten halben Jahr ist sie dafür bestellte Professorin an der Technischen Universität der Landeshauptstadt. Damit kommt der 42-jährigen Theologin aus Süddeutschland ein mehr als umfangreicher Auftrag zu. Schließlich sind die Auslegung des Alten und des Neue Testaments jeweils für sich genommen schon Fachbereiche, die überaus komplex und vielfältig sind. Dies wird umso deutlicher, nimmt man etwa auch die allgemeinhistorischen und die religionsgeschichtlichen Fragen, die sprachwissenschaftlichen oder die archäologischen Aspekte dieser Wissenschaften in den Blick.

    Handwerkszeug vermitteln und Interesse wecken

"Ich kann den Studierenden nur Schneisen schlagen, ihnen Handwerkszeug vermitteln und sie neugierig machen", sagt Maria Häusl dennoch gelassen. Dabei könne sie den angehenden Lehrern allerdings gerade als Alttestamentlerin einen besonders guten Zugang zum Neuen Testament erschließen. "Es ist eine ganz positive Herausforderung, mit intensivem Blick auf das Alte Testament die neutestamentliche Theologie zu lesen. Schließlich haben zum Beispiel die frühchristlichen Gemeinden ihr Christusbekenntnis auf dem Hintergrund ihrer jüdisch geprägten Umwelt abgelegt", sagt die Hochschullehrerin. Zudem sei der Blick vom Alten Testament her auf die gesamte Bibel auch eine gute Basis für den Dialog mit dem Judentum. Und außerdem gebe es auch noch ihren Kollegen Matthias Klinghardt am Evangelischen Schwesterinstitut der Universität, der von Hause aus Neutestamentler ist. "Ich denke, gemeinsam können wir hier die Exegese durchaus gut repräsentieren", sagt die Theologin, Ehefrau und Mutter einer Tochter.

    Viele Studierende sind mit der Bibel vertraut

Etwa 150 Studierende bereiten sich am Katholischen Institut der TU Dresden auf ihren künftigen Beruf als Religionslehrer in der Grund-, Mittel- und Hauptschule und am Gymnasium vor. Vielen von ihnen sei die Bibel aus dem Gottesdienst und aus eigenem persönlichem Bekenntnis vertraut, betont Frau Häusl. Sie seien hoch motiviert und gingen im Wissen an ihr Studium, dass sie künftig "Multiplikatoren- und Katalysatorenfunktionen" innehaben werden.

Voll des Lobes ist die Hochschullehrerin auch über die Praxis des Studium generale an der TU. Studierende der verschiedensten Fachrichtungen seien zur Teilnahme angebotener Vorlesungen verpflichtet. Dabei beobachte sie bei vielen der Studenten ein durchaus ernst zu nehmendes Interesse auch an der Bibel. "Nicht wenige Studierende sind auf der Suche nach Sinn in ihrem Leben und ihrer individuellen Identität." Gerade das Studium generale biete die Möglichkeit, über die Lehre am Katholischen Institut der Philosophischen Fakultät hinaus in die gesamte TU hinein wirken zu können. Im Vergleich zu ihrer süddeutschen Heimat sei sie hinsichtlich der religiöse Orientierung der Menschen in den neuen Bundesländern mit einem Urteil "sehr vorsichtig" und "am lernen", sagt Maria Häusl.

In der Forschung befasst sich die Alttestamentlerin und Wissenschaftlerin für die hebräische Sprache zum Beispiel mit der Prophetie im Buch Jeremia. So hat sie auch für die gerade erschienene neue Übersetzung der Heiligen Schrift "Bibel in gerechter Sprache" das Buch Jeremia ins Deutsche übertragen. Dabei galt es deutlich zu machen, dass Jeremia durchaus immer wieder von Söhnen und Töchtern, von jungen Männern und jungen Frauen spricht, und zugleich die nur männlichen Formen, die Männer und Frauen meinen, nicht männlich einzuschränken, sagt die Theologin. Bei ihrer exegetischen Arbeit geht sie nach eigenem Bekunden vor allem literaturwissenschaftlich an die Bibel heran. "Mich interessiert, welche Intention die Texte haben, wozu sie bewegen und wovon sie überzeugen wollen." So sei zum Beispiel im Sprechen von Gott "das Zueinander von weiblicher und männlicher Rede interessant."

    Die Intention der biblischen Verfasser offenlegen

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit am Alten Testament sind daher die Vorstellungen von Gott als Vater und Mutter. Dies zu beobachten sei hilfreich, um die Intention der Texte besser deutlich machen zu können. "Ich versuche, die Interessen der biblischen Verfasser offenzulegen", sagt die Theologin. Auch ist ihr die Wahrnehmung der Frauen und ihrer Rollen in den Geschichten des Alten Testaments ein zentrales Anliegen. So gelte es zum Beispiel die Erzväter-Erzählungen als Erz-Eltern-Geschichten oder die Davidischen Thronfolge- Schilderungen als Familiengeschichten Davids zu lesen und zu verstehen. Denn auch die Frauen hätten dabei eine bedeutende Rolle gespielt.

Am 13. April nun hält Maria Häusl, üblicherweise eine ganze Weile nach Beginn ihrer Professorentätigkeit, ihre Antrittsvorlesung. Auch dabei wird die männliche und weibliche Dimension in alttestamentlichen Texten in den Blick kommen. Ihr Thema lautet: "Zwischen Tochter Zion und himmlischem Jerusalem. Die Bedeutung der Stadt für die kollektive Identität in späten alttestamentlichen Texten".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 16.04.2007

Aktuelle Buchtipps