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Bistum Dresden-Meißen

Diasporakind im Zentrum der Weltkirche:

Paul Metzlaff aus Langenau macht Zivildienst in Rom

Langenau / Rom (dw) - Der Papst wird 80 -die meisten Tag des Herrn-Leser können dieses Ereignis allenfalls am Fernseher miterleben. Paul Metzlaff aus der Freiberger Außenstation Langenau wird bei den römischen Feierlichkeiten mittendrin sein -seit August macht er Zivildienst in Rom.

Als Paul Metzlaff sich vor einigen Jahren den Firmnamen Petrus aussuchte und den Firmspruch "Herr, wenn du es bist, dann befiel dass ich auf dem Wasser zu dir komme", ahnte er nicht, was er einige Jahre später erleben würde. Der 19-Jährige berichtet aus Rom: "Als Papst Johannes Paul II. gestorben war, wuchs in mir der Wunsch, beim Konklave auf dem Petersplatz zu sein und unseren neuen Papst zu begrüßen. Spontan buchte ich einen Flug nach Rom, obwohl ich nicht einmal ein Quartier hatte. Ich bat Gott in meiner Gebetszeit nach einem Zeichen, ob es überhaupt richtig sei, nach Rom zu gehen. Am Ende der Gebetszeit schlug ich ärgerlich meine Bibel auf und las dort: ,Warum bittest du um ein Zeichen? Glaubst du nicht? Mach dich auf den Weg und geh!'

Kurz darauf hatte ich ein Quartier bei einer Familie. Ich stand auf dem Petersplatz, als Benedikt XVI. das erste mal den Segen ,Urbi et Orbi' spendete. Das war das größte, was ich bis dahin erlebt hatte; wie 300 000 Leute den Papst begrüßten und feierten. Auf dem Petersplatz erwähnte ein Amerikaner einen Deutschen, der in San Anselmo, dem Hauptsitz der Benediktiner, Zivildienst macht.

Monate später bewarb ich mich bei mehreren Benediktinerklöstern und bei einer Organisation, die Zivildienstleistende auf die Philippinen vermittelt. Ich erhielt von den Benediktinern zunächst eine Absage und dachte, dass mich Gott ja vielleicht auf den Philippinen haben will. Doch dann kam die unerwartete E-Mail von Abtprimas Notker Wolf, dass ich in San Anselmo angenommen bin. Normalerweise wird diese Stelle nur an Gymnasiasten des Missionsklosters St. Ottilien vergeben. Sonst gibt es mindestens zehn Bewerber für diese Stelle, aber dieses Jahr hatte sich eigenartigerweise noch keiner beworben.

Die erste Zeit war nicht einfach. Ich kannte noch niemanden und mir wurden bereits in der zweiten Woche alle Papiere gestohlen, darunter mein Führerschein, den ich benötigte, da ich Chauffeur des Abtprimas bin. Am Anfang war Autofahren in Rom der Horror, aber mittlerweile habe ich mich an das geordnete Chaos gewöhnt. Ich freue mich immer auf die Fahrten mit dem Abtprimas, da ich ihn alles fragen kann und er eine große Lebenserfahrung hat. Meine zweite Aufgabe ist es, Studenten bei Computerproblemen zu helfen.

Ich habe hier mittlerweile viele Freunde aus aller Welt, da in San Anselmo Menschen aus 44 Ländern leben. Das ist eine große Horizonterweiterung. Ich erlebe hier ein richtig katholisches Jahr, wie ich es zuvor nicht erfahren konnte. Ich ahnte gar nicht, dass wir so viele Festtage haben. Die mag ich nicht nur wegen der guten Festessen. Mir gefallen auch die Spiritualität und die gregorianischen Gesänge der Benediktiner.

Ich war bei verschiedenen Papstveranstaltungen, bei einer Reliquienübergabe in St. Paul vor den Mauern, einer Diakonenweihe von einem unserer Mönche. Und dann gibt es ja noch manch anderes, was man in Rom erlebt haben muss: Pizza, Pasta und natürlich der Fußball, die zweite Religion der Italiener. So war ich auch im Stadio Olimpico zu mehreren Fußballspielen. Mein schönstes Erlebnis war jedoch der Aschermittwochsgottesdienst mit dem Papst, bei dem ich Ministrant sein durfte. Allein die Probe mit Zeremonienmeister Marini, bei der wirklich jeder Schritt geprobt wurde, war genial. Ich empfing dann sogar unplanmäßig die heilige Kommunion von Papst Benedikt. Das war das tollste Erlebnis, das ich hier in Rom hatte. Ich habe mich manchmal gefragt, womit ich es verdient habe, so viel zu erleben. Ich bin zum Schluss gekommen: Überhaupt nicht! Ich will nur wiederholen, was Benedikt XVI. gesagt hat: ,Habt keine Angst vor Christus. Er will nichts und gibt alles' Das Einzige, was wir machen müssen, ist ihm zu vertrauen und loszugehen, wie es Petrus auf dem Wasser machte."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 16.04.2007

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