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Bistum Magdeburg

Eine Einladung zu glauben

Weißenfels: Hungertuch konfrontiert Soldaten mit ihrem Dienst und der christlichen Hoffnung

Angesichts der schwierigen Aufgaben der Bundeswehrsoldaten gibt der Glaube dennoch Hoffnung , ist Stabsfeldwebel Münzer überzeugt. Das Hungertuch in der Kaserne in Weißenfels macht dies deutlich. Foto: Eckhard Pohl

Weißenfels - Im Andachtsraum der Sachsen-Anhalt-Kaserne in Weißenfels hängt seit einigen Wochen ein kleines Hungertuch. Es lädt die Soldaten dazu ein, über ihren Dienst und die christliche Hoffnung nachzudenken.

"Ursprünglich haben wir den Vorschlag gemacht, unter anderem eine Kaserne auf dem Hungertuch abzubilden", sagt Stabsfeldwebel Viktor Münzer. "Denn die Kaserne ist zunächst mal die Welt, in der wir Soldaten leben." Von der Leipziger Künstlerin Angelika Pohler dargestellt wurden jedoch wichtige Einsatzbereiche von Bundeswehr- Angehörigen. Und die Hilfe suchenden Hände von Menschen verschiedenster Rassen.

Links unten auf dem Hungertuch ist überflutetes Land zu erkennen. Aus dem Wasser ragen nur eine Baumkrone und das Dach eines Hauses hervor. Erinnerung an den Einsatz der Bundeswehr bei Katastrophen wie dem Elbehochwasser 2002. Unmittelbar daneben ist ein mit Stacheldraht umzäuntes Gebiet dargestellt. Ein Schild mit einem Totenschädel weist auf die große Gefahr hin, die hier droht. Daneben ist ein in Flammen stehendes Gebäude zu sehen. Es steht für den Einsatz von Soldaten in Regionen, in denen Gewalt und Krieg herrschen: Nicht nur im Irak oder Afghanistan, sondern etwa auch im Kosovo.

"Auch jetzt brennen Häuser im Kosovo", sagt Stabsfeldwebel Münzer. "Und es kommt zu ethnisch motivierten Übergriffen zwischen Serben und Kosovo-Albanern. Unsere Soldaten erleben sich nicht selten machtlos, die Gewalt zu verhindern." Dies werde solange so bleiben, wie die Politik nicht zu praktikablen Lösungen findet. "Auf diese Weise kommt zu der Belastung, die eigene Familie zu Hause lassen zu müssen, die Ohnmachtserfahrung im Blick auf den eigenen Auftrag." Dieser doppelten Belastung seien natürlich auch die in Afghanistan eingesetzten deutschen Soldaten ausgesetzt. "Wer in Kundus war, berichtet davon", sagt Münzer. "Und nicht wenige erinnern sich dankbar, dass ihnen das Gespräch und die Begleitung durch einen Seelsorger wie unseren Militärpfarrer Thomas Bohne geholfen hat, dies durchzustehen. Und dass sie so auch Erfahrungen der Hoffnung machen konnten."

    Hoffnung trotz aller Krisengebiete in der Welt

"Als deutsche Soldaten wollen wir dazu beitragen, den Frieden zu bewahren oder zu fördern, wie wir ihn in der Bundesrepublik haben. Deshalb habe ich vorgeschlagen, die Friedenstaube mit in das Hungertuch aufzunehmen", sagt Stabsfeldwebel Münzer, der aus der Lüneburger Heide stammt und seit Mitte der 90er Jahre am Standort Leipzig und seit 2006 in Weißenfels Soldat ist.

Junge Rekruten, die in diesen Tagen an der wöchentlichen Andacht in der Weißenfelser Sachsen- Anhalt-Kaserne teilnehmen, haben diese Erfahrungen selbst nicht gemacht. Dennoch sind die Erlebnisse der Kameraden im Kasernenalltag und dementsprechend auch im Gottesdienst präsent. "Als Wehrpflichtiger überlege ich, ob ich mich für einen längeren Dienst bei der Bundeswehr melden sollte, sagt Christian Hurtienne. Dass damit auch Auslands-Einsätze verbunden sein können, sieht der Rekrut natürlich durchaus. Aber Soldat sein bedeute eben auch, einen festen Arbeitsplatz zu haben und gutes Geld zu verdienen. Und in den Einsatz geschickt zu werden, müsse ja nicht heißen, richtig massiv an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt zu werden. Nach zwei Monaten Wehrdienst findet es Hurtienne in der Weißenfelser Kaserne durchaus "ganz in Ordnung". Für seinen Kameraden Sebastian Fischer, ebenfalls Rekrut, kommt ein längerer Dienst bei der Bundeswehr voraussichtlich nicht in Frage. Dennoch findet er die Ausbildung und speziell die zum Sanitäter "ganz in Ordnung".

Die wöchentliche Andacht ist ihm willkommene Gelegenheit, darüber nachzudenken, was es heißt, Soldat zu sein, und in welche Situationen dieser Dienst führen kann. "Richtig Christ" sei er eigentlich nicht, sagt der junge Mann. Aber er nehme gern an dem Gottesdienst teil. Scheel angesehen werde niemand, der zum Pfarrer geht, ist seine Erfahrung. Im Gegenteil: Der Pfarrer habe eher das wohlwollende Image, ganz cool zu sein.

    Andacht mit 40 Soldaten auf dem Kasernenhof

Dass an diesem Morgen mehr als 40 Soldaten zur Andacht gekommen sind und mangels Platzes im kleinen Andachtsraum der Gottesdienst vor einem Kreuz mitten im Kasernengelände stattfindet, bestätigt diese Einschätzung. Pfarrer Thomas Bohne vom Leipziger Oratorium spricht denn auch in seiner kurzen Predigt unter Bezug auf das Hungertuch vom Regenbogen, den Gott als Zeichen der Hoffnung gesetzt hat und der auch das durch Gewalt zugefügte Leid überspannt. Und er erinnert an die Arche Noah, auf die die Taube einen Ölzweig der Hoffnung bringt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 08.04.2007

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