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Bistum Dresden-Meißen

Kaufen fast rund um die Uhr:

Die Kirchen und der Ladenschluss während der Buga in Gera

Talkshow zum Thema Ladenschluss im Offenen Kanal Gera

Gera - Zur Bundesgartenschau 2007 in Gera wird der Ladenschluss gegen die Meinung der christlichen Kirchen gelockert. Neben verlängerten Öffnungszeiten bis 24 Uhr dürfen die Geschäfte auch an Sonntagen öffnen.

Die Diskussion um den Ladenschluss ist zwar in Gera und Ronneburg noch nicht abgeschlossen, aber für die Bundesgartenschau (Buga) in den beiden ostthüringischen Städten liegen die Ausnahmeregelungen auf dem Tisch: Zwischen dem 27. April und 14. Oktober dürfen die Geschäfte werktags bis 24 Uhr und zusätzlich an neun Sonntagen geöffnet sein. Zwar waren ursprünglich von einigen Politikern und Händlern alle 24 Sonntage zum Einkaufen beantragt worden, doch auch der jetzige Kompromiss geht den örtlichen Kirchenvertretern nicht weit genug. "Der Sonntag soll zweckfrei sein" -Dekan Klaus Schreiter forderte in einer Diskussion im Offenen Kanal Gera, die Geschäfte generell sonntags geschlossen zu halten. Der Pfarrer der katholischen Elisabethgemeinde hatte sich daher gegen den Antrag auf die Ausnahmeregelung des Ladenschlusses gestellt: "Die Menschen sollen sich an dem Tag auf das Wesentliche im Leben besinnen", denn zusammen mit der Familie solle der Sonntag Wohlbefinden erzeugen und nicht Wohlstand.

Auch Superintendentin Gabriele Schaller sieht "den Sonntag als Kulturgut gefährdet". "Die Angst um den Lebensstandard lässt die Menschen über Grenzen gehen", äußerte die evangelische Pfarrerin ihre Befürchtungen. Sie sei den Gewerkschaften deshalb dankbar für den Einsatz gegen die Sonntagsarbeit.

In der sehr unausgewogen besetzten Diskussionsrunde der Gewerkschaftssendung im Geraer Lokalfernsehen verteidigte von fünf Teilnehmern nur die Einzelhändlerin Simone Friedrich die Ausnahmeregelung im Ladenschluss. Als Vorsitzende der Geraer Werbegemeinschaft, die den Antrag auf längere Öffnungszeiten gestellt hatte, "will ich die Chance nutzen für Gera, für die Buga und auch für den Handel". Seit 16 Jahren sei die Mutter zweier Kinder in diesem Beruf tätig und stehe sonntags gern im Geschäft. "Das ist eine positive Belastung für mich", so Friedrich, "und außerdem sind es doch nur neun Sonntage".

Jeder dieser neun Sonntage sei einer zuviel, waren sich die zwei Vertreter der Kirche und die verdi- Gewerkschafterin Bettina Penz einig. Auch die Einzelhändlerin Elke Hummer teilte nicht die Meinung ihrer Kollegin: "Der Sonntag ist mein einziger Tag für die Familie", hofft die Thüringerin, dass es zur Buga wirklich eine Ausnahme bleibt. "Denn was einmal aufgemacht ist", erwartet sie, "wird nicht mehr zurückgenommen."

Da die Öffnungszeiten während der Buga aber nun beschlossen sind, müsse man abwarten, wie sie angenommen werden, meinte Dekan Klaus Schreiter. "Die Leute haben sicher keine Kraft mehr, nach der Buga noch in die Geschäfte zu gehen", glaubt er. Ein Fazit darüber wolle er aber erst am Ende ziehen. "Wir als Kirche stehen jedenfalls immer auf der Matte, den Sonntag zu verteidigen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 08.04.2007

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