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Anstoß

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Jesus stirbt schon wieder?

Guido Erbrich

"Was, stirbt der etwa schon wieder?" Die Augen der Fünfjährigen schauten fragend zum Papa. Im Radio hatte sie gerade gehört: Karfreitag stirbt Jesus am Kreuz. "Naja, danach wird er schon wieder leben!", ist darauf ihre belanglose Feststellung. So, als ob es nichts Besonderes wäre. Kinderglauben ist manchmal zum Neidischwerden!

Dabei ist Karfreitag ein Tag, der mutlos machen kann. Es ist ein Tag, der Tod und Sterben zum Thema macht, auch wenn wir diesem Thema gerne aus dem Wege gehen. Wir Menschen können trauern und hoffen oder es sein lassen. Wir sind doch ohnmächtig vor der Macht des Todes. Spätestens in dieser Ohnmacht kommt der Glauben ins Spiel.

Was steht am Ende des Lebens? Als Ziel der Tod? Aber, ein Ziel wäre kein appruptes Ende, ein Ziel will erreicht werden. Das Ende des Lebens wäre dann nicht der Schlusspunkt. Die Glaubenshoffnung spricht es aus: Nach dem Ende des Lebens geht etwas weiter.

Wenn es nur so einfach wäre! Klar, die Osterpredigten werden es tausendfach aussprechen: Auf Karfreitag folgt Ostern. Das Fest von der Auferstehung Jesu nimmt dem Tod die Endgültigkeit. Halleluja!

Trotzdem sind Zweifel erlaubt. Glauben ist nicht Wissen. Eine letzte Antwort auf die Frage, was und wie es weitergeht, wird es in diesem Leben nicht geben. Aber auf der Suche danach kann ich vieles entdecken; leider auch vieles übersehen.

Wo finde ich Zeichen der Nähe Gottes? Gibt es Hinweise auf ein Leben nach dem Leben? Überwindet der eigene Tod die Endlichkeit und öffnet der Unendlichkeit Tür und Tor? Ich glaube dran und gebe gleichzeitig zu, dass mir das nicht leichtfällt. Ich glaube dran und zweifle doch. Es gibt Momente, da bleibt Schluss und Aus für Tod das letzte Wort. Es gibt andere, da ist das Gegenteil der Fall.

"Man soll nicht fragen: Was wird noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vorhat", schrieb die schwedische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöff. Ein genialer Perspektivenwechsel: Offenheit für Neues -Auferstehung meint mehr als eine zeitliche Lebensverlängerung in die Unendlichkeit.

Wir können Karfreitag und Ostern mit dieser Perspektive feiern. Denn seit Ostern ist das Kreuz mehr als ein Symbol des Todes. Es ist das letzte Ausrufezeichen vor dem Neubeginn.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 08.04.2007

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