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Anstoß

Jammer und Klagen

Gedanken zum Palmsonntag

Susanne Schneider

"Immer belastet mich diese Frau mit ihren Sorgen!" "Ich traue mich schon gar nicht zu fragen, wie es geht, weil sie mich zutextet mit ihren Erlebnissen und dabei interessiert mich das alles gar nicht ..."

"Wenn ich diese Person am Telefon habe, nehme ich eine Zeitschrift in die Hand und blättere und lese in der Zeitschrift, weil mich ihr Klagen und Jammern so nervt und sie nicht mehr damit aufhört."

So wurde in letzter Zeit über eine Bekannte gesprochen. Diese Person ist normalerweise keineswegs als schwatzhaft oder besonders mitteilsam bekannt. Doch im Augenblick hat sie wohl große Sorgen. Diese bewirken ein solches Redebedürfnis, dass sie gar nicht merkt, dass sie damit anderen auf die Nerven geht. Mit ihrem ständigen Jammern und Klagen erntet sie auf die Dauer kein Mitgefühl und Verständnis, sondern Missmut und Ablehnung.

Sorgen und Probleme bewirken bei den einen, dass sie immer mehr reden, und bei den anderen, dass sie immer mehr verstummen. In beiden Fällen kann das bei den Mitmenschen auf Unverständnis stoßen.

"Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?", so beginnt ein bekanntes Lied, das Franz Schubert vertont hat. Die Lösung des Liedes lautet: "zu dir, o Gott, ..." Sicherlich braucht man in schwierigen Situationen das menschliche Gespräch, doch es kann Fälle geben, die nicht mehr durch Gespräch gelindert oder verbessert werden können. Da ist es ungeheuer heilsam und entlastend zu glauben, dass Gott ein offenes Ohr und ein hörendes Herz für unsere Anliegen, Fragen und Sorgen hat.

Bei Gott kann und darf ich meine Gedanken in aller Länge und Breite ausfalten, vor ihm darf ich mich wiederholen, darf mehrmals und immer wieder dasselbe erzählen ... Wenn mich jemand ärgert, darf ich über diese Person schimpfen und über mein Schicksal klagen und jammern. Nicht nur über andere Personen darf ich jammern, sondern sogar Gott selbst kann ich anklagen.

Wenn ich mich genug ausgetobt und ausgeweint habe, wird der Schmerz irgendwann nachlassen. Ich spüre und glaube, dass meine Sorgen nicht ins Leere gehen, sondern in Gottes Güte aufgehoben sind. So kann sich Gelassenheit und Vertrauen breit machen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 01.04.2007

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