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Bistum Görlitz

"... dass alle eins seien"

In Görlitz trifft sich seit über 30 Jahren eine kleine Gemeinschaft der Fokolar-Bewegung

Eberhard Pabsch, Helga Wilke und Gabriele Sawicki

Görlitz - Ihre Gründung geht auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zurück. Wenn die Fokolar-Bewegung vor allem die Notwendigkeit zur Einheit betont, berührt sie damit eine tiefe menschliche Sehnsucht.

Eberhard Pabsch spricht mit Bedacht, mit Ehrfurcht. Wichtig, so sagt er, sei es, die Zeichen der Zeit zu erkennen, zu erspüren, was notwendig ist, weil die Spannungen in einer globalisierten Welt größer werden. Es ist zwar eine kleine Gruppe, die sich am vergangenen Sonntagnachmittag in der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz in Görlitz zusammengefunden hat. Dennoch hört sie mit Spannung und Aufmerksamkeit, welche Anliegen die Fokolar-Bewegung heute in Kirche und Welt verfolgt. In Görlitz trifft sich eine kleine Gruppe von Mitgliedern des "Werk Mariens", wie die Bewegung auch heißt, seit über 30 Jahren.

Was Eberhard Pabsch, Helga Wilke und Gabriele Sawicki über die Spiritualität der Gemeinschaft erzählen, klingt dabei gar nicht so neu und überraschend. Jesus habe in seinen Abschiedsreden im Johannesevangelium dafür gebetet, "dass alle eins seien". Vor allem in der Politik sei man heute bestrebt, die Einheit zwischen den Völkern herbeizuführen -nach dem Krieg durch die Vereinten Nationen, später durch die Europäische Union und neuerdings durch den Afrikanischen Kongress, der auch verfeindete Stämme und Völker an einen Tisch holen will.

Die Einheit, sagt Eberhard Pabsch, gehe dabei in zwei Richtungen, will Gott und den Menschen gleichermaßen in den Blick nehmen. Die Sehnsucht nach Einheit sei tief im Menschen verwurzelt. Um so schmerzlicher werde die Trennung zwischen den Völkern, den Konfessionen, den Religionen und Rassen empfunden. In der Trennung sei die Verlassenheit Jesu am Kreuz besonders spürbar. "Der Schmerz der Uneinheit ist der Zustand des verlassenen Jesus."

Die Versöhnung ist für die Fokolar-Bewegung deshalb von zentraler Bedeutung. Ihre Mitglieder versuchen dies in allen Bereichen des Lebens zu vollziehen: In der Familie, im Beruf, in der Gesellschaft. Diese Anliegen bleiben jedoch nicht innerhalb der Gemeinschaft, sondern äußern sich in ganz konkreten Projekten, zu denen auch Christen, die nicht der Bewegung angehören, eingeladen sind. Eins davon ist die Initiative "Wirtschaft in Gemeinschaft", in der mittlerweile 800 Unternehmen weltweit engagiert sind und die sich für ein nachhaltiges Wirtschaften in einer globalisierten Welt einsetzen. Dazu gehören neben der solidarischen Unterstützung von Unternehmen auch die Förderung von Bildung und Ausbildung in Lateinamerika sowie der Aufbau von Gewerbeparks für Unternehmen und Einrichtungen, die eine behutsame und solidarische Wirtschaftsführung modellhaft umsetzen wollen. Darüber hinaus initiiert die Fokolar-Bewegung unter anderem Projekte gegen Gewalt für Jugendliche, Patenschaften für Kinder in der Dritten Welt oder Veranstaltungen zur Bildung und Familienförderung.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 22.03.2007

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