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Bistum Magdeburg

Bibelwoche wurde Stadtgespräch

Bernburger baten lokale Prominenz um persönliche Stellungnahmen zum Matthäusevangelium

Bernburg (dw) - Mit einer ungewöhnlichen Idee gelang es den Bernburger Christen in diesem Jahr, die traditionellen ökumenischen Bibelwochen zum Stadtgespräch zu machen und die Teilnehmerzahl fast zu verdreifachen.

Nicht die Pfarrer selbst legten die Bibeltexte aus dem Matthäus-Evangelium aus, sondern Menschen, die in der Stadt bekannt sind: Der Rektor der Fachhochschule, der Leiter der Verkehrsgesellschaft, ein Chefarzt, ein Journalist, Vertreter des Theaters, der Polizei und sogar der PDS waren von den Initiatoren aus dem ökumenischen Konvent der Stadt gebeten worden, zu vorgegebenen Bibelstellen ihre persönliche Gedanken zu äußern. Es sagten so viele zu, dass an jedem der fünf Abende drei "Prominente" zu Wort kommen konnten: Evangelische und katholische Christen, aber auch eine Anzahl Nichtchristen waren darunter.

Abend für Abend kamen in einem zentral gelegenen evangelischen Gemeindehaus zwischen 90 und 100 Menschen zusammen, einmal sogar über 130. Nach einem Lied, dem Psalmgebet und der gemeinsamen Lektüre der Bibelstelle hörten sie dem jeweils von einem Pfarrer moderierten Gespräch im Podium zu und hatten anschließend Gelegenheit, den Gesprächspartnern Fragen zu stellen.

"Je persönlicher die Aussagen waren, desto positiver war das Echo bei den Zuhörern", fasst der katholische Pfarrer Dietrich Letzner seinen Eindruck zusammen. Besonders gefreut haben ihn die Aussagen eines ungetauften Polizisten, der die Forderungen der Bibel auf seine eigene berufliche Situation bezogen hat, beispielsweise auf sein Bemühen, in einem Straffälligen immer den Menschen zu sehen, verloren Geglaubten nachzugehen, nicht gleich zu strafen, sondern die Chance auf Besserung einzuräumen.

Für die christlichen Teilnehmer sei es eine Bereicherung gewesen zu erleben, mit welcher Selbstverständlichkeit manche Nichtchristen sich in ihrem Alltag um einen Lebensstil bemühen, der den christlichen Idealen sehr nahe kommt, sagt der Pfarrer.

Für viele Ungetaufte, die zum Teil einfach gekommen waren, weil ihnen die Redner bekannt waren, waren die Bibelstunden ebenfalls ein Gewinn. "Ich habe bislang noch nie eine Bibel zur Hand genommen, jetzt werde ich vielleicht doch hin und wieder mal hineinschauen", war von manchem zu hören.

Dass die Bibelwoche im kommenden Jahr wieder in einer solch offenen Form durchgeführt werden soll, ist bereits beschlossene Sache. "Schön wäre es, im nächsten Jahr nicht nur offizielle Funktionsträger einzubeziehen, sondern auch Menschen, die das Leben von einer anderen Seite kennen gelernt haben, Obdachlose zum Beispiel", wünscht sich Dietrich Letzner.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 29.03.2001

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