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Bistum Görlitz

Keine Zeit zu verlieren

Erfahrungen des Katholischen Familienbundes in Sachsen sind auch bundesweit gefragt

Zankapfel Familie: Die Politik wird sich in Zukunft daran messen lassen müssen, was sie für die Familien tut. Foto: Andreas Schuppert Görlitz - Familiengeld, Kinderkrippe, Elternzeit: Die Politik streitet sich um die richtige Familienpolitik wie kaum zuvor. Der Katholische Familienbund in Sachsen will vor allem Zukunftsentscheidungen.

Knapp ein Jahr ist es her, dass die Geschäftsstelle des Katholischen Familienbundes für Sachsen in Görlitz schließen musste. Der Verband konnte den finanziellen Eigenanteil nicht mehr aufbringen, die Zuschüsse des Landes brachen ebenfalls weg. Das befürchtete Chaos in der Mitgliederbetreuung ist zwar ausgeblieben, wie Michael Hannich, seit letztem Herbst Vorsitzender in Sachsen, informiert. Dennoch habe die Arbeit gelitten: "Die Stimme für Familien auf Landesebene ist deutlich schwächer geworden. Der Familienbund hatte sich in der Vergangenheit immer wieder in familien- und sozialpolitische Debatten eingebracht. Dies war im vergangenen Jahr nicht möglich." Für den Familienbund stehen die Signale auf Sturm. Die Diskussionen in den vergangenen Wochen haben gezeigt, wie zerrissen die Gesellschaft in Fragen der Familienpolitik ist und wie groß der Handlungsbedarf ist. Es ist keine Zeit zu verlieren.

Der Katholische Familienbund, der seinen Sitz für Sachsen nach wie vor in Görlitz hat, will sich deshalb wieder stärker in die Debatte um die Familien, Kinderbetreuung und -erziehung einbringen. Hannich: "Ein Schwerpunkt wird künftig auf dem Gebiet der Elternund Familienbildung liegen. Gerade junge Eltern sind in Fragen der Kindererziehung oft unsicher. Hier sehe ich einen deutlichen Bedarf." Über derartige Angebote könne es auch gelingen, Familien für die Arbeit des Familienbundes zu interessieren.

Die Probleme hören allerdings an den Landesgrenzen nicht auf. Hannich, der auch Vizepräsident des Katholischen Familienbundes Deutschlands ist, nennt nur einige Schwerpunkte, die auf Bundesebene gelöst werden müssen: Kindertageseinrichtungen, Hartz IV, Rentenreform, Pflegeversicherung. Dabei seien auch die Erfahrungen und Einschätzungen der Familienexperten aus Sachsen gefragt. Hannich räumt jedoch ein, dass die politische Arbeit in Zukunft vor allem ehrenamtlich geleistet werden muss. "Eine hauptamtliche Stelle in Sachsen wäre schon hilfreich."

Insgesamt wünscht sich der Familienbund eine sachlichere Auseinandersetzung in der Familienpolitik. Es gehe hier weder um Minder- noch um Mehrheiten. Es gehe darum, jede Entscheidung junger Eltern gleichermaßen zu respektieren und zu unterstützen, nimmt die Präsidentin Elisabeth Bußmann auf die aktuellen Diskussionen Bezug. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine zentrale Aufgabe der Familienpolitik, der sich die Politik viel zu lange verschlossen hat. Und deswegen ist die Unterstützung dieser Familien auch richtig, da sie jahrzehntelang ausgeblendet wurden." Notwendig sei eine gesellschaftliche Debatte um die Zukunft der Gesellschaft. Entscheidend ist dabei die Lebenssituation von Familien stärker in den Blick zu nehmen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 10.03.2007

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