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Aus der Region

Selbstbewusst

Dr. Stefan Vesper über die Rolle der Laien

Dr. Stefan Vesper

Wenn das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in der Öffentlichkeit auftritt, ist er meist nicht weit. Seit 1999 ist Dr. Stefan Vesper (51) Generalsekretär des höchsten deutschen Laiengremiums, das die Interessen der katholischen Christen bundesweit vertritt. Unlängst kam er mit den Vertretern der Diözesanräte im ZdK im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz zusammen – um Freunde zu treffen, aber auch, um nach dem Rechten zu sehen und die Laien in ihrem Dienst zu stärken.

Für Stefan Vesper sind es vor allem drei Komponenten, die den Laienkatholiszismus in Deutschland auszeichnen: Die tiefe Verwurzelung im Leben der Kirche, die Kompetenz in der Gesellschaft, wenn es um Fragen der Familienpolitik, der Stammzellenforschung oder der Bildung geht – aber auch die Eigenständigkeit, mit der die katholischen Laien in diesem Land agieren. "Die Bischöfe können die Richtung vorgeben, den Weg weisen. Die christlichen Werte in die Gesellschaft zu übersetzen, das müssen die Laien tun." Dass man dabei nicht immer einer Meinung ist, stört den studierten Lehrer für Geschichte und Religion überhaupt nicht. In der Demokratie kämen viele Stimmen zu Wort, und man müsse um den richtigen Standpunkt ringen. Die Kirche sei gut beraten, sich auf die Kompetenz, die Erfahrungen und das Engagement der Laien zu stützen. "Die Kirche ist geradezu angewiesen auf Menschen mit Selbstbewusstsein und Fachwissen, die sich in der Öffentlichkeit einbringen wollen. Wir sind nicht Zuschauer, sondern Mitspieler in der Gesellschaft." Von einer harten Grenzziehung von Klerus und Laien will Vesper deshalb nichts wissen. Die Aufgaben seien zwar unterschiedlich verteilt, "der Laie ist aber kein Christ zweiter Klasse." Denn die Themen brennen auf den Nägeln: Angefangen von der Wertediskussion über soziale Fragen bis hin zum Klimawandel und der Globalisierung. Vesper ist davon überzeugt, dass sich Christen auf allen gesellschaftlichen Feldern einbringen und damit die christliche Botschaft der Hoffnung in die Welt tragen können.

Der Generalsekretär warnt allerdings vor einem puren Aktionismus, der die Phasen der Ruhe und der Innerlichkeit vernachlässigt. Im Sinne von Roger Schutz gebe es Zeiten der Arbeit und der Aktivität, aber auch Zeiten des Gebetes und der Kontemplation. Beides müsse sich gewissermaßen die Waage halten und in ausgleichender Weise vorhanden sein. "Wir müssen nicht frömmer werden, aber wir müssen unserem geistlichen Leben immer wieder Nahrung geben."

Gern besucht Stefan Vesper die ostdeutschen Bistümer, ist von der Herzlichkeit und der Gastfreundschaft beeindruckt. Trotz der geringen Katholikenzahlen sei das Leben hier "ungeheuer spannend und aufregend". Immer wieder ist er vom "selbstverständlichen, großherzigen Engagement" der Christen im Osten fasziniert. Dass die ostdeutschen Bistümer gerade in dieser Hinsicht dabei dem Westen noch was beibringen können, erwähnt Stefan Vesper nur am Rande.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 10.03.2007

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