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Bistum Magdeburg

"Frag-würdiger leben!"

Ein Gespräch mit Dechant Dietrich Letzner, Merseburg

Dechant Dietrich Letzner

Merseburg - Wie muss eine Gemeinde sein und sich geben, damit Menschen Interesse am Glauben finden können? Dechant Dietrich Letzner aus Merseburg versucht eine Antwort.

"Der beste Zugang zum Glauben sind persönliche Kontakte", sagt Dechant Letzner. "Wenn also ein engagierter Katholik seinem ungetauften Ehepartner vorlebt, was es heißt, Christ zu sein, kann dies neugierig machen. Ein Missionar kommt einem anderen Menschen nie so nahe, wie Partner sich nahekommen. Das ist eine große Chance, Christsein kennenzulernen."

Vor einiger Zeit etwa habe ihn eine Mutter um Taufuntericht gebeten, als ihre Tochter zur Erstkommunion gehen sollte, erzählt der Pfarrer. Sie hatte durch ihr Kind und durch ihren Mann Interesse am Glauben gefunden. Aber etwa auch unter Freunden könne der Funke des Glaubens überspringen. "Ich habe einen Jugendlichen auf dem Weg zur Taufe begleitet, der durch den Kontakt mit Gleichaltrigen bei den Pfadfindern und in der Jugendgruppe Interesse für den Glauben entwickelt hatte", erzählt Letzner. Allerdings macht der Seelsorger auch immer wieder die Erfahrung, dass sich Jugendliche mit nichtchristlichen Altersgenossen in puncto Glaubensweitergabe sehr schwer tun oder gar überfordert sind.

"Ich sage immer wieder mal, wir Christen müssten viel frag-würdiger leben in dem Sinne, dass wir Mitmenschen zum Nachfragen einladen", so Letzner. "Nichtchristen müssen sich zu Fragen herausgefordert fühlen wie: Warum geht ihr viel menschlicher miteinander um als sonst weithin üblich? Warum opfert ihr eure Zeit für Arbeitslose, Kranke, Alte oder gar fürs Beten? Muss nicht jeder selbst sehen, dass er über die Runden kommt?" Mit Bedauern stelle er in den verschiedenen Gemeinden aber fest: "Wir verhalten uns in und nach unseren Gottesdiensten oft zuwenig einladend im Blick auf Fremde und Interessierte."

Gelegenheit, Nichtchristen anzusprechen, böten auch Familienangebote in der Gemeinde, die Beteiligung an Straßenfesten, ein Stadtkreuzweg oder karitatives Engagement. Auch gute Nachbarschaft zu Anwohnern sei eine Chance. Für ihn als Seelsorger ist zudem die Begegnung mit Nichtchristen bei Krankenbesuchen oder Beerdigungen Gelegenheit, die christliche Hoffnung bekannt zu machen. Allerdings seien diese Kontakte oft nur einmalig und eben mit den Chancen, die gewachsene persönliche Beziehungen bieten, nicht vergleichbar.

Wer neugierig ist, was es mit der christlichen Hoffnung auf sich hat, ist in der Zeit zwischen September und Ostern zum Glaubenskurs in der Gemeinde eingeladen. Zudem gibt es in jedem Herbst ein ökumenisches Seminar für alle Interessierten in Stadt und Region.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 28.02.2007

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