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Bistum Dresden-Meißen

Kreuzweg mit Blick auf Pilatus

Gnade und Verzeihung finden: Der neue Kreuzweg von Dr. Medardus Höbelt für Schmölln

Medardus Höbelt

Schmölln / Altenburg - Eindrucksvoll und innerlich tief bewegt führte der in Altenburg lebende Künstler Dr. Medardus Höbelt am ersten Sonntag in der Fastenzeit in seinen neuen Kreuzweg ein.

Beten und Meditation sind für Medardus Höbelt die bGrundlagen seiner Arbeit. So wiederum bei seinem jüngsten und vermutlich letzten Kreuzweg, der seinen Platz in der Marienkirche zu Schmölln fand. Der so genannte Pilatus-Kreuzweg schließt sich an eine Reihe an, in der Medardus Höbelt in den zurückliegenden Jahren immer einen Aspekt hervorhob. Vorgestellt wurden diese Bilderfolgen -Kreuzweg der Hände, der Augen, der Herzen, der Füße -in seiner Heimatgemeinde Altenburg.

Medardus Höbelt sagt selbst zu seiner aktuellen Arbeit: "Schon beim Entwurf ergriff mich besonders die Gestalt des Todesurteilverkünders Pontius Pilatus." Ihm sei aufgegangen, dass auch das Handeln des Pilatus letztlich dazu beigetragen habe, die Menschheit von der Ursündenschuld zu erlösen. Sogar im Glaubensbekenntnis sei Pilatus namentlich erwähnt, obwohl er als Römer Heide war. "Ich hoffe und glaube, dass er bei Jesus Gnade und Verzeihung finden wird", sagt der Künstler.

Geboren wurde Medardus Höbelt am 2. Juli 1914 im nordböhmischen Weißkirchlitz bei Teplitz-Schönau. Damals noch im Königreich Böhmen, einem Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wenige Tage vor seiner Geburt starb das österreichische Thronfolgerpaar bei einem Attentat und wieder nur wenige Tage später begann der Erste Weltkrieg. Die Folgen: Zerfall der Monarchie, Gründung der Tschechoslowakei und anderer Nationalstaaten, Hitlerzeit, Zweiter Weltkrieg und schließlich die Vertreibung, die auch die Familie des Malers zerriss. All diese Zeitereignisse haben ihn geprägt.

Medardus Höbelt ist ein Künstler, der den Menschen seine Seele schenkt, betonte Pfarrer Benno Schäffel bei der Segnung des Kreuzweges. Und dies wurde Höbelt schon in die Wiege gelegt, denn sein Wunsch Künstler zu werden, stand schon in frühen Jahren fest. Unterstützung erhielt er unter anderem von seiner späteren Frau. "Sie hat an mich geglaubt", sagt er. Von 1932 bis 1938 studierte Medardus Höbelt Musik, seit 1936 besuchte er zusätzlich die keramische Fachschule Teplitz-Schönau. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Höbelt bei Professor Bruno Seener in Dresden. 1952 begann seine freiberufliche Tätigkeit als Maler und Grafiker.

Nach einem Auftrag im Stahlwerk Gröditz, wo er eine 30 Quadratmeter- Glasfläche gestaltete, arbeitete er nur noch für den kirchlichen Raum. Die "Kaltschnäuzigkeit und Gleichgültigkeit" der Gröditzer Auftraggeber stieß in ab. Seither steht Medardus Höbelts Schaffen unter dem Begriff "Sakrale Kunst." In zahlreichen Kirchen sind seine Werke heute zu finden: Glasfenster, Kreuzwege, Altarraum-Gestaltungen.

In seinem Werk war und ist es Medardus Höbelt immer wichtig gewesen, die Menschen in die Nähe Gottes zu führen, ihr Gespür für Gottes Liebe zu wecken. So will er in zwei neuen Bildern noch einmal dieses Anliegen thematisieren. Zum einen möchte er die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen darstellen und zum anderen seine Vision eines Tränenkruges: "Ich sehe die Weltkugel als einen großen Tränenkrug, in dem die Liebe Gottes alle Tränen der Menschen bis zum Jüngsten Tag sammelt und bewahrt. Dann aber wird Christus diesen Krug ausschütten."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 28.02.2007

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