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15 Jahre Kirche im MDR

Dresden - Seit 15 Jahren gibt es Kirche im Hörfunk- und Fernsehprogramm des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Daran erinnert die Sendeanstalt am 7. März mit einem Festakt. Msgr. Eberhard Prause, Sendebeauftragter der katholischen Kirche, blickt zurück.

Als die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt für Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen am 1. Januar 1992 auf Sendung ging, war die mitteldeutsche Medienlandschaft für Eberhard Prause längst kein Neuland mehr: 1990 hatte der Sächsische Landtag ihn als parteilosen Vertreter in eine Kommission gewählt, die sich dem Einigungsvertrag entsprechend um die Auflösung des DDRRundfunks kümmern sollte.

Auf die knapp 30 Delegierten wartete ein Jahr harter Arbeit: Personalabbau, die ersten Untersuchungen von Stasiverstrickungen ...Gleichzeitig musste das Programm weitergeführt werden, in förderaler Weise, wie es zu DDR-Zeiten nie möglich gewesen war. Für den Aufbau neuer Rundfunkanstalten waren wirtschaftliche und finanzielle Voraussetzungen zu schaffen.

Später einigte man sich dann auf die Gründung einer Dreiländeranstalt. In mancherlei Hinsicht galten die Rundfunkstaatsverträge westdeutscher Länder als Richtschnur. Von dort übernommen war auch der Paragraph, der den Kirchen "eine angemessene Sendezeit" im Programm des MDR zusichert. Diskussionen darüber gab es kaum. Erst später hätten sich Kämpfe an der Interpretation des Wortes "angemessen" entzündet, erzählt er: "Da begann dann ein Feilschen um Sendeplätze und Programmlängen".

    "Einmalig innerhalb der ARD"

Ausgegangen sind die Verhandlungen, die kirchlicherseits vor allem von den Vertretern im Rundfunkbeirat geführt wurden, im Sinne der Kirchen. Der MDR habe in den vergangenen 15 Jahren immer wieder großes Interesse daran bewiesen, dass Kirche im Programm vorkomme. Der katholische Sendebeauftragte würde sich hier und da zwar günstiger platzierte Sendezeiten wünschen, trotzdem hält er das kirchliche Programm des MDR für "in dieser Qualität und Einschaltquote besonders im Hörfunk für einmalig innerhalb der ARD". Der Sender zeige sich der Kirche gegenüber immer wieder außerordentlich großzügig. Für eine Gottesdienstübertragung am 16. September mit Kardinal Walter Kasper und Bischof Joachim Wanke von den Erfurter Domstufen würden beispielsweise 90 Minuten Sendezeit eingeräumt. Feste Sendeplätze gibt es für Gottesdienstübertragungen, Verkündigungssendungen und für redaktionelle Beiträge über kirchliche Themen -im Fernsehen sind das vor allem die Sendungen "Glaubwürdig" (Sa, 18.45 Uhr) und "Nah dran" (Do, 22.35 Uhr) mit Wiederholungen am Sonntagmorgen.

    Zerrbilder der DDR-Zeit korrigieren

Im DDR-Rundfunk sei ein Zerrbild von Kirche vermittelt worden. Ein wichtiges Anliegen der Kirchen sei es daher, dass in den Redaktionen des MDR Christen vertreten sind, die kirchliche Themen verstehen und angemessen darstellen können.

Die neuen Chancen der Medienpräsenz seien in den Bistümern des MDR-Bereichs von Anfang an ernst und wichtig genommen worden. Schwierig sei es jedoch gerade in der Anfangszeit gewesen, Christen zu finden, die es sich selbst zutrauten, etwa eine Rundfunkandacht zu halten. Nach einiger Zeit versuchte man, mit Ausbildungskursen Abhilfe zu schaffen. Für die Katholiken der Nachwendezeit glaubt Eberhard Prause, eindeutig sagen zu können: "In der Politik waren sie freudiger und aktiver als in den Medien."

Einem Quotenzwang unterliegt das kirchliche Programm nicht, wenngleich Einschaltquoten auch in diesem Bereich nicht ohne Belang sind. Steigende Zuschauer- und Hörerzahlen verzeichnen seit Jahren die Gottesdienstübertragungen am Sonntag -ein Umstand, der Prause zufolge weniger als Ausdruck gestiegenen spirituellen Interesses denn als Folge des Alterns und wohl auch wachsender Bequemlichkeit bisheriger Gottesdienstbesucher zu interpretieren ist.

Fernsehgottesdienste, die im gesamten Sendegebiet der ARD übertragen werden, erreichen rund eine Million Zuschauer. Wenn nur im MDR-Bereich übertragen wird, schalten hingegen lediglich 20 000 bis 30 000 Zuschauer ein. Sehr geringe Einschaltquoten erzielen Beiträge, die sich mit ethischen Fragestellungen auseinandersetzen, bedauert Prause. Dennoch hält er solche Programme für unverzichtbar. Die höchsten Quoten haben die kirchlichen Programme im MDR -ebenso wie in allen anderen dritten Programmen -im Zuge des Papstwechsels und der Papstbesuche in Deutschland verzeichnet.

    Kirche hat bei Journalisten als Feindbild ausgedient

Das Verhältnis zwischen Journalisten und Vertretern der Kirche habe sich aber bereits in den Jahren zuvor zum Positiven gewandelt, meint Eberhard Prause, und denkt dabei aber nicht nur an MDR-, sondern auch an Privatfunk- und Printjournalisten. Vor 15 Jahren habe er häufig erlebt, dass Medienleute bereits beim Begriff "katholische Kirche" ihre Stacheln ausfuhren.

Eine wichtige Rolle für ein gutes Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Medienschaffenden spielen nach Prauses Einschätzung die Pressestellen der Bistümer, die Journalisten kontinuierlich mit Informationen aus Religion und Kirche versorgten und auf vielfältige Weise Kontakte pflegten.

Zum "Klimawandel" habe aber wohl auch die Tatsache beigetragen, dass die Journalisten aus der 68er-Generation unterdessen überwiegend das Rentenalter erreicht haben. Die Nachgekommenen setzten deren Tradition im Umgang mit der Kirche nicht fort.

Sie hörten mehr hin, wenn sie auch nicht immer alles mit Sympathie aufnähmen. Gesichter seien für sie interessanter als die Kirche als Institution. Deutlich spürbar sei unter den Journalisten ein versteckter Stolz darauf, dass ein Deutscher Papst ist -auch wenn man deswegen nicht gleich in die katholische Kirche eintritt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 28.02.2007

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