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Bistum Magdeburg

Bei den Werten ansetzen

Priester diskutierten neue Möglichkeiten einer missionarischen Gemeindearbeit

Das Gespräch über eine missionarische Grundausrichtung aller kirchlichen Praxis setzte sich auch in den Pausen der Priesterwerkwoche fort. Von links in den Räumen des Ekkehard-Bildungshauses: Fachakademie-Leiter Bernhard Scholz, Pfarrrer Markus Lorek, Pater Eckhard Bieger SJ, Studentenpfarrer Thomas Friedrich. Foto: Eckhard Pohl Magdeburg - "Missionarisch Weichen stellen. Wo liegen die Chancen für Spiritualität und Glauben?" war in diesem Jahr die Priesterwerkwoche der Weihe-Jahrgänge ab 1986 überschrieben. Erstmals seit längerer Zeit trafen sich die Priester dazu wieder auf der Huysburg.

Im Blick auf unterschiedliche Zielgruppen in und außerhalb der Gemeinde diskutierten die Priester Möglichkeiten einer missionarischen Gemeindepraxis. Wichtiger Ansatzpunkt seien die Werte der jeweiligen Zielgruppe, sagte der Referent und Jesuit Pater Eckhard Bieger SJ, Frankfurt (Main): "Sie erreichen Menschen, wenn Sie bei ihren Werten ansetzen."

Im Blick auf die 20- bis 40-jährigen Singles als Zielgruppe in- und außerhalb der Gemeinde empfahl der Jesuit Bieger: "Dieser Altersgruppe gilt es zu helfen, ihre Lebensberufung zu finden. Machen Sie mit ihnen Wanderungen, etwa auf dem Jakobs-Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Derartige Angebote müsse es mindestens gemeinde-, gegebenenfalls auch bistumsübergreifend geben. Der Leiter der Abteilung Fort- und Weiterbildung, Ordinariatsrat Bernhard Scholz, erinnerte an die jährlich stattfindende Fußwallfahrt von Magdeburg zum Klüschen Hagis im Eichsfeld.

Singles helfen, die eigene Lebensberufung zu finden

Jugendliche aus dem rechtsradikalen Milieu – diese Zielgruppe schauten sich die Seelsorger bei ihren Überlegungen ebenfalls näher an – suchten Akzeptanz und Anerkennung, wie der Hallenser Gemeindeverbundsleiter Magnus Koschig feststellte. Um bei der Sehnsucht solcher Jugendlicher nach menschlicher Anerkennung anknüpfen und zu einer echten, dialogischen Auseinandersetzung kommen zu können, bedürfe es bei jedem, der sich dieser Klientel widmen will, eines hohen Einsatzes an Zeit und Ausdauer.

Im Blick auf Menschen an der Grenze zum Ruhestand entstand die Idee eines regelmäßig wiederkehrenden Kurses für Vorruheständler und angehende Rentner, bei dem mit den Teilnehmern über ihren neuen Lebensabschnitt und ihre neuen Aufgaben nachgedacht wird. Am Ende eines solchen Kurses könnte eine Segensfeier mit einer Art Aussendung stehen.

Der Referent schlug den Priestern auch vor, Interessierte und Engagierte aus und im Umfeld der Gemeinde zu bistumsübergreifenden Veranstaltungen zu schicken, um so neue Impulse in die Gemeinden zu holen.

Zudem machte der Initiatior der Internet-Plattform "kath.de" mit dem Vorhaben bekannt, ab Aschermittwoch im World Wide Web ein Angebot vorzuhalten, über das die am Glauben Interessierten leichter in einen ersten Kontakt mit der Kirche kommen können.

Verschiedene spirituelle Prägungen möglich

Während der Bildungswoche ging es auch um spirituelle Lebensformen. So kam etwa die Möglichkeit zur Sprache, sich als Seelsorger, aber auch als Gemeindechrist in der persönlichen Glaubenspraxis und Spiritualität im Geist der Benediktiner auszurichten oder sich in seinem Glauben franziskanisch zu orientieren.

Das priesterliche Selbstverständnis in einer Zeit, in der der Priester mehr und mehr zum Manager mehrerer Gemeinden wird, kam nach Meinung der meisten Teilnehmer während der Werkwoche zu kurz zur Sprache. Bieger sagte den Teilnehmern: "Machen Sie Ihr Priestersein nicht an Ihrer Leitungsrolle fest. Der Priester muss künftig seine Identifikation im Presbyterium finden, nicht als Pfarrer in einer Gemeinde. Leitbild und Ziel junger Leute, die Priester werden wollen, sollte sein, nicht Pfarrer zu werden, sondern in einem tollen Presbyterium leben zu wollen."

Erstmals fanden die Priesterwerkwochen in diesem Jahr wieder auf der Huysburg statt, nach dem das Ekkehard-Bildungshaus der Benediktiner erst kürzlich fertiggestellt und eröffnet werden konnte.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.02.2007

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