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Bistum Magdeburg

Vor Ort präsent bleiben

Tagung der Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden / Künftig mehr Wort-Gottes-Feiern

Die Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden des Bistums befassten sich kürzlich bei einer Tagung, zu der sie wahlweise nach Halle oder Magdeburg eingeladen waren, mit der Ausgestaltung des Lebens in den neuen Gemeindeverbünden. Das Foto zeigt das Treffen in Halle. Foto: Eckhard Pohl Halle / Magdeburg - Um das Selbstverständnis der Teilgemeinden in den neuen Gemeindeverbünden ging es bei zwei Tagungen für die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte, die kürzlich in Halle und Magdeburg stattfanden.

Auch nach der Zusammenführung der Gemeinden zu Gemeindeverbünden soll vor Ort möglichst christliches Leben bestehen bleiben. Das hat Ordinariatsrätin Annette Schleinzer bei einer Tagung für Pfarrgemeinderats (PGR)-Vorsitzende herausgestellt. "Wir müssen aus personellen und anderen Gründen Kräfte bündeln, aber es soll kirchliches Leben in den einzelnen Orten bestehen bleiben", sagte Frau Schleinzer bei dem Treffen, zudem die PGR-Vorsitzenden wahlweise nach Halle oder Magdeburg eingeladen waren.

Der Pfarrei kommen veränderte Aufgaben zu

In einem Referat erläuterte die Theologin, wie sich in der Geschichte territoriale Gemeinde- Strukturen entwickelten. Spätestens seit dem Trienter Konzil (1545–1563) seien jeweils die Christen eines Gebietes einem Pfarrer zugeordnet. Seit der Liturgischen und der Bibelbewegung im 20. Jahrhundert würden sich die Gläubigen verstärkt gestalterisch am Gottesdienst und am Pfarrei-Leben beteiligen. Im Zuge dieser Entwicklung sei nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Begriff Gemeinde im Sinne von Gemeinschaft, die miteinander den Glauben lebt, wieder neu eingeführt und bis in die jüngste Zeit mit dem Begriff Pfarrei mehr oder weniger gleichgesetzt worden.

"Heute jedoch ist diese Gleichsetzung nicht mehr durchzuhalten", so Annette Schleinzer. Nicht mehr jede Gemeinde hat einen Pfarrer. Damit fehlt nicht selten eine konkrete Bezugsperson vor Ort. Zudem kann nicht mehr jede Gemeinde das ganze Spektrum des Gemeindelebens realisieren.

Deshalb sei es sinnvoll, sowohl den Begriff der Pfarrei als auch der Gemeinde neu zu füllen. Eine Gemeinschaft von Gemeinden werde künftig eine Pfarrei ausmachen. In Anwendung von Überlegungen des Jesuiten Medard Kehl sei es künftig Aufgabe einer Pfarrei (wie sie aus jedem Gemeindeverbund enstehen soll), Teilgemeinden zu vernetzten und ihnen dort subsidiär unter die Arme zu greifen, wo sie Aspekte des Gemeindelebens nicht allein bewältigen können. "Die Pfarrei stellt somit den sammelnden, universalen Aspekt von Kirche dar, die Gemeinde dagegen eher den der Kirche im Nahraum", so Frau Schleinzer. Kirche müsse in Nachbarschaft mit den Menschen leben. "Deshalb wollen wir im Bistum Magdeburg als Kirche in der Fläche, im Nahraum der Menschen präsent bleiben", so die Ordinariatsrätin. Dafür jedoch sei viel Geduld, Engagement und Begleitung erforderlich.

Ehrenamtliche im Gemeindedienst

Frau Schleinzer berichtete aus dem Erzbistum Bamberg, wo Ehrenamtliche zu Ansprech- und Bezugspersonen für die Teilgemeinden ausgebildet werden. Sie sollen etwa diakonische Aufgaben übernehmen können, zum Beispiel bei einem Trauerfall erster Ansprechpartner sein. Zugleich dürfe es aber nicht darum gehen, mit Ehrenamtlichen fast alles aufrecht erhalten zu wollen, was eine Pfarrei bisher ausmachte. "Es ist ernstlich zu fragen, ob wir alles aufrecht erhalten müssen, was es bisher gab."

Von einer Gemeinde könne dann mit Recht gesprochen werden, wenn Menschen da sind, die im Glauben eine Gemeinschaft bilden, die miteinander beten, also Gottesdienst halten, und die die Bedürftigen im Blick haben. Zudem gehöre es dazu, mit anderen Gemeinden vernetzt zu sein.

Der Leiter der Hauptabteilung Pastoral, Ordinariatsrat Ulrich Lieb, machte die PGR-Vorsitzenden mit Überlegungen zur Feier der Liturgie in den Gemeindeverbünden vertraut, wie sie aus zwei Ordnungen hervorgehen, die Bischof Gerhard Feige kürzlich in Kraft setzte. So müsse das Bewusstsein wachsen, dass nicht nur die Eucharistie, sondern auch andere liturgische Feiern würdige Gottesdienste sind.

Wort-Gottes-Feiern als Ergänzung zur Eucharistie

In der "Rahmenordnung für Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen" etwa heißt es, dass Wort- Gottes-Feiern in ihren vielfältigen Formen als Ergänzung zur Hochform der Eucharistie "grundlegende gottesdienstlicher Qualitäten besitzen". Eine solche Wort- Gottes-Feier könne aber nur dort gefeiert werden, wo die Umstände eine würdige Liturgie möglich machen, also zum Beispiel liturgische Dienste einbezogen werden können und gemeinsamer Gesang möglich ist. Solche Feiern setzten zudem gut vorbereitete Leiterinnen und Leiter voraus.

In der DDR-Zeit seien auf den so genannten Außenstationen Wortgottesdienste mit Kommunionfeier Praxis geworden. Diese Form könne heute nicht einfach gestrichen werden, so Ordinariatsrat Lieb. Perspektivisch werde es aber auch reine Wort-Gottes- Feiern geben, zumal dadurch dem Wort Gottes ein hoher Stellenwert zuerkannt werde.

Die "Orientierungshilfe zur Feier des Österlichen Triduums …" stellt Varianten vor, wie die Karund Ostertage in Gemeindeverbünden gefeiert werden können.

Eine der PGR-Vorsitzenden warnte, man müsse bei der Gründung der Gemeindeverbünde die sich noch im Wandel befindlichen Kreisstrukturen berücksichtigen. Von einigen PGR-Vorsitzenden wurde ein zäher Informationsfluss zwischen den Gemeinden beklagt. Angesprochen wurde auch, dass oft nur Vertreter der bisherigen PGR den neuen Gemeindeverbundsrat bilden können. Zudem wurde festgestellt: Dort, wo Gemeinden eine ähnliche Prägung etwa durch die Kolpingfamilie haben, fällt das Zusammenrücken leichter. Von guten Erfahrungen des Miteinanders wurde aus der Region Torgau-Belgern-Dommitzsch- Schildau berichtet.

Wichtig sei, auf die Stärken der Teilgemeinden zu schauen und sie im Gemeindeverbund zum Zuge kommen zu lassen. Als Beispiel wurde etwa die Jugendband aus Holzweißig genannt, die im Gemeindeverbund Bitterfeld-Gräfenhainichen- Holzweißig-Sandersdorf die Jugendlichen anziehe. Da in den einzelnen Orten des Gemeindeverbunds nur sehr wenige Kinder zum Religionsunterricht gekommen seien, würde dieser jetzt als Projekttag einmal monatlich am Samstag gemeinsam stattfinden. Eine Teilnehmerin warnte, bei allen strukturellen Herausforderungen, die zu schultern seien, dürfe nicht die Seelsorge auf der Strecke bleiben.

Stärken der Teilgemeinden zum Zuge kommen lassen

Zur Sprache kam auch die Frage, inwieweit ein Gemeindeverbundsleiter im Rotationsprinzip abwechselnd zu jeder der Teilgemeinden zum Sonntagsgottesdienst kommen sollte. Dies biete Chancen, habe aber den Nachteil, dass die Gemeinden dann keine feste Bezugsperson mehr hätten.



Informationen

Liturgische Ordnungen unter www.bistum-magdeburg.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 13.02.2007

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