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Bistum Dresden-Meißen

Auftanken für den Alltag

Die geistliche Gemeinschaft "Familien in Christus"

Familienleben christlich gestalten – Wie das gehen kann, hat Familie Richter (v. links: Sabine, Simon, David, Marie, Thorsten) in Heiligenbrunn gelernt Chemnitz - Die Geburt seines ersten Sohnes Simon kam für Thorsten Richter fast zeitgleich mit dem Karrierestart: Nach einigen Monaten ging es ihm und seiner Frau Sabine wie vielen jungen Eltern: Der Paarbeziehung drohte langsam die Luft auszugehen.

Anders als manche andere frischgebackene Familie merkten die Richters von alleine, dass es an der Zeit war, ihrer Ehe etwas mehr Pflege zu gönnen. In der Studentenzeit in München hatte das Paar zum Glauben gefunden. Damals hatten sich die beiden angewöhnt, von Zeit zu Zeit bei charismatischen Glaubenskursen gemeinsam geistlich aufzutanken. Mit einem kleinen Kind war das plötzlich nicht mehr einfach so möglich, denn eine Kinderbetreuung gab es bei diesen Kursen nicht. Ihnen war in der Zeit als kinderloses Ehepaar aber klar geworden, dass die Beziehung zu Gott eine wichtige Grundlage ihrer Beziehung zueinander war.

Als Freunde ihnen vom geistlichen Zentrum für Familien in Heiligenbrunn bei Landshut erzählten und von den dort angebotenen Glaubenskursen für die ganze Familie, wurden Richters hellhörig und zögerten nicht lange, sich für den ersten Kurs anzumelden.

Offensichtlich hat es ihnen gut getan. Andernfalls hätte Familie Richter, die seit 1998 knapp drei Autostunden von Heiligenbrunn entfernt in Chemnitz wohnt, den Ort als festen Anlaufpunkt wohl längst aufgegeben. In das Zentrum, das seit 1990 von der neuen geistlichen Gemeinschaft "Familien mit Christus" getragen wird, fahren nicht nur die Eltern und der mittlerweile zwölf Jahre alte Simon immer wieder gerne. Auch seine Geschwister, die zehnjährige Marie und der siebenjährige David, sind Stammgäste in der ehemaligen Heimvolkshochschule. "Oft kostet es Überwindung, sich auf den Weg zu machen", erzählt Thorsten Richter, "doch auf der Rückfahrt sind wir uns jedesmal einig: Es war so schön und bereichernd – gut, dass wir aufgebrochen sind!"

Ganz unterschiedlich sind die Kurse, die Familie Richter in Heiligenbrunn bereits besucht hat. Besonders eindrücklich ist ihnen der Elternkurs in Erinnerung, der sich in mehreren Kursblöcken über zwei Jahre erstreckt hat und in dem es nicht nur um die Begleitung kindlicher Entwicklungsprozesse ging, sondern um viele andere Themen rund um Partnerschaft, Sexualität und Gestaltung eines christlichen Familienlebens. Die Gründer des Familienzentrums, der katholische Diakon Franz- Adolf Kleinrahm und seine Frau Angelika, haben den Kurs geleitet. Während Sabine und Thorsten Richter an den Seminareinheiten teilnahmen, konnten sie ihre Kinder ehrenamtlichen Helfern überlassen, die für sie – nach Altersstufen aufgeteilt – ein buntes abwechslungsreiches Programm gestalteten. "Das haben wir richtig genossen", erzählt Sabine Richter. Eine Nachtwache im Schlaftrakt ermöglichte, dass sogar abends, wenn die kleinen Kinder bereits schliefen, noch nicht automatisch Schluss sein musste. "In Heiligenbrunn haben wir uns immer gut erholt", schwärmt die Mutter, die ansonsten an Familienferien mit zahnenden Kindern im Zelt nicht nur ungetrübte Erinnerungen hat. Gern denken Eltern wie Kinder auch an Wochenenden zurück, an denen sich ein Elternteil mit ganzer Aufmerksamkeit nur einem der Kinder widmet: Wochenenden für Vater und Tochter, Mutter und Sohn, Mutter und Tochter, Vater und Sohn – Richters haben bereits alle Varianten erprobt und genossen. Eine Liste voller Vorhaben, die Marie gerne zu Hause mit ihrem Papa erleben möchte, ist vom jüngsten Vater-Tochter-Wochenende übrig. Ganz unspektakuläre Wünsche wie "Gemeinsam Hausaufgaben machen", sind da beispielsweise festgehalten.

Zahlreiche Impulse aus Heiligenbrunn hat die Famillie in ihr Alltagsleben übernommen. Aus der Erkenntnis heraus, wie wichtig die Ehepaarbeziehung für die gesamte Familie ist, haben sich Sabine und Thorsten Richter eine tägliche halbe Stunde zu zweit reserviert. Die Kinder wissen, dass sie all ihre Anliegen vor 20.15 Uhr vorbringen müssen, denn dann machen ihre Eltern –"treu wie Hundebesitzer" – ihren gemeinsamen Spaziergang. Für den Notfall sind in dieser Zeit Freunde im Haus für Simon, Marie und David ansprechbar. Die Motivation, sich in der eigenen Kirchengemeinde zu engagieren, schöpfen Richters ebenfalls aus Heiligenbrunn. Sie gehören seit einigen Jahren zum Leitungsteam der Kinderkirche in der Chemnitzer Maria-Hilf-Gemeinde.

Veranstaltungen im geistlichen Familienzentrum sind offen für jedermann. Sabine und Thorsten Richter haben sich dennoch schon vor etlichen Jahren entschieden, sich der kirchlich anerkannten Gemeinschaft "Familien mit Christus" in verbindlicher Form anzuschließen". Sichtbarster Ausdruck gelebter Gemeinschaft sind so genannte Gebetspatenschaften: Bei den jährlichen Gemeinschaftstreffen werden jeweils zwei Familien einander zugelost, die das Jahr über E-Mail-Kontakt halten, sich gegenseitig besuchen und Anteil an den jeweiligen Sorgen und Freuden geben und nehmen.

Familie Richter gehört zu den Mitgründern einer Stiftung, die das Fortbestehen des Zentrums sichern soll. Wer glaubhaft als christliche Familie leben will, braucht Orte wie Heiligenbrunn, sind sie überzeugt, Orte, in denen man auftanken kann und in denen die heranwachsenden Kinder neben den Eltern noch andere Erwachsene erleben, die ihren Alltag aus dem christlichen Glauben heraus gestalten.


Nähere Informationen: www.familienmitchristus.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.02.2007

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