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Bistum Erfurt

Sie sind hier in einem richtigem Cafè

Ein Projekt an der Dingelstädter St.-Franziskus-Schule

Simon serviert Eisenkuchen mit Schlagsahne, und Monika Kirchberg aus Dingelstädt war begeistert vom Service im Café der St.-Franziskus-Schule. Foto: Christine Bose Dingelstädt - An jedem Dienstag gibt es in Dingelstädt ein besonderes Café. Schüler der St.-Franziskus-Schule bereiten sich dort auf ihr Leben nach der Schule vor.

"Guten Tag, wir haben heute Eisenkuchen, Pflaumenkuchen und Mandarinenkuchen. Was darf ich Ihnen bringen?" Freundlich und professionell wie ein Kellner begrüßt Simon die Besucherin. Monika Kirchberg entscheidet sich für Eisenkuchen mit Sahnehäubchen und für Kaffee. Den Kaffee serviert David. Elisabeth ist die Eisenkuchenbäckerin und Viola streut Puderzucker darauf und verziert mit Schlagsahneblümchen. Die verantwortlichen Pädagogen Marion Kullmann, Elke Müller und Michael Klippstein stehen den jungen Leuten zur Seite.

Das Nachmittagscafé im Speiseraum der St.-Franziskus-Schule hat geöffnet, wie an jedem Dienstag zwischen 13 und 14.30 Uhr – außer in den Ferien. Ein öffentliches, aber kein herkömmliches Café. Denn an der katholischen Bildungseinrichtung für 95 geistig behinderte Kinder und Jugendliche, werden junge Leute zwischen 16 und 18 Jahren in der so genannten Werkstufe 2 auf ein relativ selbstständiges Leben nach dem Schulabschluss vorbereitet. Im vorigen Schuljahr lernten sie im Projekt "Wäsche", die Wäsche richtig zu behandeln vom Waschen in der Maschine bis dahin, dass sie wieder im Schrank lag.

Jetzt bedienen die neun jungen Frauen und Männer im Café nicht nur ihre Gäste, denn auch um die Vorbereitungen müssen sie sich kümmern: Nach einer gemeinsamen Beratung, was gebraucht wird und wie viel Geld zur Verfügung steht, geht es in den Einkaufsmarkt. Dann wird gebacken und das Kuchenbüfett aufgebaut, der Teig für die Eisenkuchen bereitet, Kaffee, Tee und Kakao gekocht, die Tische gedeckt und jeweils der Jahreszeit entsprechend dekoriert. Und wenn das Café geschlossen ist, kümmern sie sich um den Abwasch.

Doch noch ist das Café offen. Und langsam werden die Plätze knapp. Roslinde Sammet, Leiterin des Seniorenclubs in der Nachbarschaft kommt mit "ihrer" Gruppe regelmäßig hierher. Andere ältere Damen gesellen sich dazu. Auch zwei Schülerinnen der Heiligenstädter Bergschule nehmen Platz. Als Praktikantinnen waren sie im Haus tätig und schauen jetzt gern mal wieder vorbei. Außerdem ist eine Gruppe aus den Eichsfelder Werkstätten und dem Raphaelsheim Heiligenstadt angekommen. Zu diesen Einrichtungen besteht enger Kontakt, ziehen doch teilweise ehemalige Franziskus- Schüler nach Heiligenstadt um oder absolvieren dort ein Praktikum zur Berufsvorbereitung.

An der Kasse trägt Johanna die Verantwortung, angeleitet von ihrem Lehrer. Wer zahlen möchte, gibt seine Bons ab. Konzentriert addiert Johanna die Preise, nimmt das Geld entgegen und sagt, wie viel Wechselgeld sie herausgeben muss. Sie ist stolz darauf, alles richtig gemacht zu haben. Und Monika Kirchberg lobt die Umsicht und Freundlichkeit der jungen Leute. Als sie ihr benutztes Geschirr zur Küche bringt, hört sie zum Abschied: "Danke, aber das müssen Sie nicht. Sie sind hier in einem richtigen Café!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 4 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.01.2007

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