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Bistum Dresden-Meißen

Mit Eischnee und Schweineleber

Das ungewöhnliche Filmprojekt der Dresdner St.Hubertus-Gemeinde

Einige der männlichen Hauptakteure mit dem 'Pfarrhaus- Geweih': Jakob Schmidt, Nicholas Minkner, Georg Helms, Christoph Brockpähler, Philipp Wagner, Simon Schmidt, Stephan Aldejohann, Pfarrer Thomas Cech (von links). Dresden - Noch vor einem Jahr kannten einige Ministranten der Dresdner St.-Hubertus-Pfarrei im Stadtteil Weißer Hirsch von ihrem Pfarrpatron kaum mehr als die Legende über seine Bekehrung, bei der ein Hirsch eine Rolle gespielt haben soll.

Im Laufe der rund neun Monate dauernden Dreharbeiten für den Spielfilm "St. Hubertus – Leben und Legende" sind die 39 Mitwirkenden regelrecht zu Hubertus-Experten geworden. Manches in der Lebensgeschichte des Heiligen kann bis heute Denkanstöße geben, findet Georg Helms, der im Film Papst Sergius I. darstellt: "An Hubertus kann man sehen, dass man als Christ immer die Chance hat, sich zum Guten zu ändern, egal in welcher Situation."

Anlass für den Film ist ein Doppeljubiläum in diesem Jahr: Am 31. Januar vor 70 Jahren wurde die St.-Hubertus-Kirche geweiht, und am 21. April vor 50 Jahren erfolgte die Erhebung zur Pfarrei. Die Idee zu dem Filmprojekt entstand vor etwas mehr als einem Jahr: In der Ministrantenwoche hatten die Mädchen und Jungen damals zusammen mit Pfarrer Thomas Cech spontan einen Mini- Krimi gedreht. Beim Nachgespräch im Foyer des Gemeindehauses fiel der Blick des Pfarrers auf das Hirschgeweih, das dort hängt, und er hatte bereits die erste Filmszene für einen Gemeinde- Jubiläumsfilm vor Augen: Hubertus jagt dem Geweih nach, das von unsichtbarer Hand durch den Wald bewegt wird.

In Heiligenbiografien und im Internet versuchte Thomas Cech, so viel wie möglich über Hubertus in Erfahrung zu bringen, der um 655 in Aquitanien (Frankreich) geboren wurde und am 30. Mai 727 in Tervueren (Belgien) starb. Historische Fakten und Überlieferungen verwob er in das selbst geschriebene Drehbuch und fungierte dann auch noch als Regisseur und Kameramann.

Entstanden ist ein spannender 93-minütiger Film, dem man ansieht, dass die Produktion den Schauspielern viel Spaß gemacht hat. Das Filmteam sprühte nur so vor Ideen, die Vita des Pfarrpatrons möglichst wirkungsvoll in Szene zu setzen. Sei es der Eischnee am Mund eines tollwütigen Mädchens, der heidnische Jagdkult mit Schweineleber aus dem Metzgerladen oder das ausgeborgte Baby, das als Klein-Hubertus und als dessen Sohn gleich zweimal zum Einsatz kam...

An der Erstellung der Requisiten und der Kleidung sowie der möglichst zeitgetreuen Verwandlung der Gemeinderäume in königliche Thronsäle, Gerichtsräume oder Kerker beteiligten sich neben den größeren Ministranten auch weitere engagierte Pfarreimitglieder. Gefilmt wurde in der Pfarrkirche, im Gemeindehaus, in der Dresdner Heide und der Sächsischen Schweiz sowie in Panschwitz-Kuckau und – da kam dem Filmteam die Ministrantenwallfahrt im vergangenen Sommer gerade recht – in Rom.

Kleine historische Ungenauigkeiten wie Turnschuhe an den Füßen frühmittelalterlicher Gerichtsdiener oder die Zahnspange des Papstes tun dem Genuss beim Anschauen des Films keinen Abbruch. Davon kann sich jeder auf den Premierenveranstaltungen überzeugen: Am 26. Januar um 19 Uhr, am 27. Januar um 20 Uhr und am 28. Januar um 15 Uhr wird der Hubertus-Film in den Gemeinderäumen der Pfarrei Weißer Hirsch gezeigt. Zur Finanzierung der Materialkosten wird eine Eintrittsgebühr von enem Euro erhoben. Karten können per E-mail reserviert werden: pfarrbu ero@hubertuspfarrei-dresden.de. Die Premierenbesucher haben die Gelegenheit, viele der neun- bis 18-jährigen Darsteller zu treffen und eine Ausstellung anzuschauen. Das Filmteam richtet einige Gemeinderäume für diese Ausstellung noch einmal so her, wie sie für die Dreharbeiten ausgestattet waren und stellt Requisiten und Kostüme aus dem Film zusammen. Gegen eine Spende von 15 Euro ist der Film zusammen mit Bonusmaterial (Filmtrailer, Interview mit Pfarrer Cech zu Zeitgeschichte und Hubertuskult, Impressionen aus der Pfarrkirche St. Hubertus sowie heitere Szenen der Dreharbeiten) – insgesamt zwei DVDs – ab Februar über das katholische Pfarrbüro, Am Hochwald 2, 01324 Dresden erhältlich.

Auch wenn die Mitwirkenden mit dem Projekt eine gute gemeinsame Zeit hatten, weitere Filme sind erst einmal nicht geplant. Filmemachen ist ganz schön anstrengend, verraten die älteren Ministranten. Manche Szene habe man viele Male wiederholen müssen, bis alle beteiligten Schauspieler die nötige Konzentration hatten, erzählt Stephan Aldejohann, der als Kameramann und "Stimme Gottes" in Aktion trat.

Für das Jubiläumsjahr ist die Filmpremiere jedoch nur der Auftakt: Zum 70. Kirchweihfest feiert Bischof Joachim Reinelt mit der Gemeinde dort am 4. Februar, um 10 Uhr einen Festgottesdienst. Ende April unternimmt die Gemeinde eine Fahrt zu den bekannten Wirkungsstätten des heiligen Hubertus, nach Lüttich, Maastricht und in die Ardennen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 19.01.2007

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