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Bistum Görlitz

Erziehung ist Beispiel und Liebe

Das christliche Gymnasium in Hoyerswerda ist aus der Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken

Exotik kommt an: Carolin Rentsch (links) und Cindy Schluck aus der fünften Klasse kümmern sich in ihrer Freizeit um Tigerpython Kira. Dadurch lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Foto: Andreas Schuppert Hoyerswerda - Die Skepsis war groß. Dennoch hat sich das Konzept des christlichen Gymnasiums Johanneum in Hoyerswerda unter dem neuen Schulträgerverein bewährt. Am 6. Januar luden Schüler, Eltern und Lehrer zum Tag der offenen Tür ein.

"Johanneum ist cool". Die Plakette mit weißer Aufschrift am Revers von Schulleiter Günter Kiefer ist nicht der Versuch, jugendlich zu wirken. Es ist Überzeugung, Bekenntnis. "Die Entscheidung, das Gymnasium in die Verantwortung des Schulträgervereins zu übergeben, war im Sinne unserer Kinder die beste, die wir treffen konnten", blickt Kiefer zurück. "Die Mühe hat sich gelohnt."

Steigende statt sinkende Schülerzahlen

Kiefer hat beim Tag der offenen Tür des Johanneums kaum eine ruhige Minute – groß ist das Interesse von Eltern, die nach einem Gymnasium für ihre Kinder suchen. Der studierte Altphilologe muss wie seine Kollegen viele Fragen beantworten, zum Anliegen der Schule, zum Schulgeld oder zu Aufnahmebedingungen. Auch immer mehr nicht christliche Eltern wollen Alternativen – und manche ihrer Sprösslinge nehmen dafür lange Wege in Kauf.

Dabei sah es vor knapp eineinhalb Jahren für das Johanneum nicht gut aus. Die Einrichtung soll verstaatlicht werden, hieß es, nachdem die evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz signalisiert hatte, die Trägerschaft abzugeben. Die Verantwortlichen haben die Rechnung allerdings ohne die Eltern, Lehrer und Schüler gemacht, die eine "Heilige Allianz" bildeten, weil sie das "christliche Profil" der Schule erhalten wollten. Das Argument der sinkenden Schülerzahlen ließen sie nicht gelten. Ein neuer Verein übernahm die Trägerschaft. Durch eine geschickte Öffentlichkeitsarbeit und ein großes Engagement aller Beteiligten ist es gelungen, die Zahlen deutlich zu erhöhen. "Wir haben mit rund 300 Schülern angefangen, heute sind es 442", freut sich Martin Schmidt vom Schulträgerverein. Finanziell stehe die Einrichtung ebenfalls auf sicheren Füßen.

Was die Schüler, aber auch die Eltern und Lehrer beim Tag der offenen Tür in Bewegung gesetzt haben, kann sich sehen lassen. Einige haben altertümliche Gewänder angezogen, um den Besuchern die Welt der Antike nahezubringen. Geschichtsprojekte werden ebenso vorgestellt wie der zweisprachige Unterricht in Sorbisch und Deutsch. Im Foyer wird Theater gespielt oder getanzt. Und wer sich für Chemieexperimente interessiert, kommt genauso auf seine Kosten wie der Freund von Reiseberichten.

Carolin Rentsch und Cindy Schluck aus der fünften Klasse sind bei dem Projekt "Vivarium/ Tierbetreuung" zu finden. "Pfui, Kira, böser Hund", schimpft Carolin zum Scherz. Gemeint ist aber nicht ein aufsässiger Vierbeiner, sondern ein Tigerpython, der sich neugierig an der Schülerin emporschlängelt. "Ich mag Schlangen", verrät Carolin, "deswegen mache ich hier mit." Was die außerunterrichtliche Gestaltung des Schullebens anbelangt, arbeitet das Johanneum eng mit anderen Institutionen wie dem Naturwissenschaftlich- Technischen Kinder- und Jugendzentrum in Hoyerswerda (Natz) zusammen.

Menschliche Atmosphäre Grund für hohe Akzeptanz

Das Gymnasium darf heute als ein einzigartiges ökumenisches Projekt angesehen werden, in dem evangelische und katholische Christen gleichermaßen engagiert sind. Was ist das Geheimnis? "Ich glaube, es ist vor allem die sehr menschliche Atmosphäre, die hier herrscht", so die Elternsprecherin der Schule und Katholikin Lydia Tietz. "Viele würden dies nicht gleich als christlich deuten, aber für uns liegt hier der eigentliche Grund für die hohe Akzeptanz der Schule." Förderer hat die Einrichtung inzwischen in der gesamten Republik. Sie hat sich den Grundsatz Friedrich Fröbels zu eigen gemacht: "Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts." Schule ist nicht nur Bildung, sondern Lernort für das Leben, der von den Mädchen und Jungen aktiv mitgestaltet wird. "Wir sind auf einem guten Weg", ist Schulleiter Günter Kiefer überzeugt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 12.01.2007

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