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Bistum Dresden-Meißen

Zagreb hat uns verwandelt

Sachsen beim Taizetreffen

Jugendliche aus dem Bistum Dresden-Meißen mit ihren Gastgebern vor der Holzkirche des Zagreber Vorortes Velika Mlkaka. Insgesamt waren 40 000 Teilnehmer vom 28. Dezember bis 1. Januar in Zagreb. Foto: Marcus Hoffmann Dresden / Zagreb (dw) - "Ich habe schon viele gute Taizétreffen erlebt, aber dieses war wirklich das beste". Ähnlich wie der Dresdner Dekanatsjugendseelsorger Marcus Hoffmann hätte es wohl mancher der 57 Mitreisenden ausgedrückt, die den Jahreswechsel in der kroatischen Stadt Zagreb verbrachten.

"Zagreb hat in mancherlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt", sagt der Priester, der mit evangelischen und katholischen Jugendlichen aus dem Gebiet des Bistums Dresden- Meißen an der traditionellen Großveranstaltung der Bruderschaft von Taizé teilnahm. So sei es zu einem in dieser Intensität noch nie dagewesenen Miteinander zwischen Jugendlichen verschiedener Nationen gekommen.

Dass Zagreb weniger touristische Ablenkung bot als Metropolen wie Paris, Mailand oder Wien, die das Treffen in früheren Jahren beherbergt hatten, sei dafür nicht der einzige Grund. Auch die unvergleichliche Gastfreundschaft der Kroaten, bei denen die rund 40 000 Teilnehmer aus 50 Ländern Aufnahme fanden, habe die Veranstaltung geprägt. Als richtungsweisend empfanden die deutschen Teilnehmer zudem die interreligiöse Dimension der Tage. Sie gehörten zu einer Gruppe von rund 2000 Jugendlichen, die die Moschee von Zagreb besuchten und dort Gelegenheit hatten, viele Fragen zu stellen. Ein Iman und ein Oberrabbiner waren als Gäste bei einem christlichen Gebet zugegen.

Faszinierend empfand Marcus Hoffmann auch die tiefe Sammlung der Jugendlichen während der Gebetszeiten. "Wir waren zu tausenden in riesigen Messehallen, und doch herrschte absolute Stille", erzählt er. Die Chefin der Zagreber Messe, die dem Ganzen zu Beginn eher skeptisch gegenüberstand, schrieb in einer SMS an die Brüder, sie habe noch nie "so viel positive Energie in den Messehallen gespürt".

Mehr als einmal fühlte sich der Jugendseelsorger während der Tage an die Heiligen Drei Könige erinnert, von denen man berichtet, dass sie in der unbedeutenden Stadt Betlehem das Wunder von Weihnachten fanden. "Was wir in Zagreb erlebten, einer Stadt von ebenfalls nicht gerade herausragender Bedeutung, grenzt auch an ein Wunder", findet Marcus Hoffmann. Die Fahrt hätte alle Teilnehmer innerlich verwandelt. Auch für die Bevölkerung von Zagreb habe das Taizétreffen einen positiven Stimmungsschub gebracht. Die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien in die Europäische Union zum Jahreswechsel hatte in Kroatien für Unverständnis gesorgt. Dass zwei allem Anschein nach weniger entwickelte Staaten aufgenommen werden, man selbst aber vergebens an die EU-Türen klopft, empfand mancher als frustrierend. Als Schauplatz für ein bedeutendes internationales Jugendtreffen ausgewählt worden zu sein, war bereits im Vorfeld ein Trost. Die freundschaftlichen Kontakte, die innerhalb weniger Tage zu Menschen aus 50 Nationen entstanden, taten ihr Übriges. Die Dresdner Gruppe lud ihre Gastgeber spontan ins Bistum Dresden- Meißen ein. "Das Treffen geht weiter – auch nächstes Jahr in Genf, wo wir wieder dabei sein werden", freut sich Marcus Hoffmann. Die Jugendlichen tragen in seinen Augen dazu bei, dass Europa von unten her zusammenwächst.



Zitat - Nach der Rückkehr

"Ich bin dankbar für die Zeit, die ich beim Taizé-Europatreffen in Zagreb verbringen durfte. Ich konnte neue Kraft schöpfen und habe wieder Freude in meinem Herzen. Vor dem Treffen war ich gestresst, mutlos und durcheinander. Das gemeinsame Meditieren beim Singen und vor allem die Predigten haben mir neue Hoffnung gegeben. Auch sind mir viele Dinge zum ersten Mal bewusst geworden, zum Beispiel, dass man Gott wirklich auf Erden erkennen kann, indem man seinen Nächsten liebt. Es ist für mich unglaublich schön zu erleben, dass Jugendliche unterschiedlichster Nationen und mit verschiedenen Ansichten zusammenkommen können und gemeinsam zu Gott beten. Diese Gemeinschaft befreit von egoistischem Denken und man fühlt sich einfach wohl."

Eine jugendliche Teilnehmerin

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 12.01.2007

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