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Aus der Region

Zu wenig motiviert?

Ein Modellprojekt für 20 langzeitarbeitslose junge Leute auf dem Caritas-Gut Glüsig

In einem Modellprojekt sollen im Caritas-Landwirtschaftsbetrieb Gut Glüsig bei Haldensleben langzeitarbeitslose junge Erwachsene für das Arbeitsleben fit gemacht werden. Praxis-Anleiter Hans-Joachim Albrecht und Diplom-Sozialpädagogin Andrea Rumpold mit einigen ihrer Schützlinge. Foto: Eckhard Pohl Haldensleben - Die hohe Arbeitslosigkeit ist eines der Hauptprobleme in Deutschland, auch Christen sind gefordert. Seit Juni 2006 führt der Caritasverband für das Dekanat Magdeburg auf Gut Glüsig bei Haldensleben ein Projekt zur Integration langzeitarbeitsloser junger Leute durch – keine leichte Aufgabe, wie sich bislang zeigt.

Andreas Schulze (Name geändert) wurde wie 19 andere junge Erwachsene vom Job-Center in die Maßnahme auf Gut Glüsig eingewiesen. Der Caritasverband für das Dekanat Magdeburg führt hier in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Ohrekreis ein Modellprojekt für langzeitarbeitslose junge Leute bis 25 Jahre durch. Schulze gehört zu dieser Gruppe. Er wuchs bei der Oma auf. Ohne Schulabschluss fand er keinen Ausbildungsplatz, arbeitete im Baugewerbe. Der Arbeitgeber habe unregelmäßig und dann gar keinen Lohn mehr gezahlt, erzählt er. Der junge Mann fand einen Job bei einem Autozulieferer. Um mit seiner Freundin in einem anderen Ort wohnen zu können, gab er die Stelle jedoch wieder auf. Mehr als zwei Jahre war er nun arbeitslos und wie seine Eltern auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Auf Gut Glüsig können langzeitarbeitslose junge Erwachsene für zwölf Monate Beschäftigung finden. Die meisten von ihnen haben aufgrund fehlender schulischer und beruflicher Qualifikation und gescheiterter Fördermaßnahmen auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen . Durch das Projekt sollen sie an das Arbeitsleben herangeführt werden.

Kein Schul- und Berufsabschluss

Doch dies ist nicht so einfach: "Von den 20 in die Maßnahme Zugewiesenen haben sich bislang nur zehn einigermaßen integrieren lassen", sagt Praxis-Anleiter Hans-Joachim Albrecht. "Die anderen melden sich regelmäßig krank oder fehlen einfach unentschuldigt. Und das, obwohl die jungen Leute im Rahmen des Projekts bei guter Arbeit zusätzlich zum Arbeitslosengeld II monatlich 100 Euro Prämie erhalten können."

Sozialpädagogin Andrea Rumpold führt bei den Teilnehmern, die nicht regelmäßig kommen, Hausbesuche durch. Mit vielen kleinen Schritten will sie ihnen helfen, sich zu integrieren. "Ich erlebe allerdings nicht selten, dass die Teilnehmer zwar ihre Rechte einfordern, aber zu wenig Bereitschaft zeigen, sich nach Kräften einzubringen", sagt die Sozialpädagogin. "Es wäre anders, wenn die jungen Erwachsenen mit uns einen Arbeitsvertrag hätten. Da wären ihre und unsere Rechte und Pflichten deutlicher geregelt."

Bei der Maßnahme geht es nicht nur um die zu leistende Arbeit, bei der unter Begleitung von zwei Praxis-Anleitern aus einem stark sanierungsbedürftigen Wohngebäude auf Gut Glüsig ein Bildungsund Gästehaus für Kinder- und Jugendgruppen entstehen soll. Frau Rumpold hilft den jungen Leuten, nach Stellen zu suchen, Bewerbungen zu schreiben, Anträge abzugeben, ihnen Zustehendes einzufordern. Darüber hinaus ist sie bestrebt, auch in anderen Fragen ein guter Gesprächspartner zu sein, was die jungen Erwachsenen auch annehmen würden. Zudem lädt die Sozialpädagogin zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten ein. Und sie behält im Blick, ob der eine oder die andere noch in eine berufliche Fördermaßnahme vermittelt werden oder gar den Schulabschluss nachholen kann. "Für die Jugendlichen, die sehr motiviert sind, lässt sich ein Weg finden", ist sie überzeugt.

Angebot von Hilfe und Begleitung

Doch nicht nur Andreas Schulze sagt: "Auf Schule habe ich keine Lust mehr. Ich will Geld verdienen." Am liebsten würde er auf einer Bohrplattform in der Nordsee arbeiten, weil es dort gutes Geld gebe. Als Voraussetzung wäre eine Ausbildung im Metallfach sinnvoll. Doch für eine Lehre oder Arbeit in einem Handwerksbetrieb im ländlichen Bereich hat er neben dem fehlenden Schulabschluss noch aus einem anderen Grund wenig Chancen: Ohne Fahrerlaubnis ist es oft schwierig, vom Wohnort zur Firma und zurück zu kommen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 12.01.2007

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